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Vor Gericht:Genug bestraft

Milderes Urteil für einen 56-jährigen Echinger nach einem tödlichen Motorradunfall in Herrsching

Von Christian Deussing, Starnberg/Eching

Der Mann kämpft mit den Tränen, als vor dem Starnberger Amtsgericht ein tödlicher Motorradunfall vor gut einem Jahr verhandelt wird. Schuld war nach den Ermittlungen der Polizei der 56-Jährige aus Eching, der nun angeklagt ist; seine drei Jahre ältere Lebensgefährtin kam dabei ums Leben. Der Mann wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 80 Tagessätzen zu 60 Euro und einem Monat Fahrverbot verurteilt.

Der Motorradfahrer ist der Polizei zufolge auf der Mühlfelder Straße auf die Gegenspur geraten und mit einem Auto kollidiert, nachdem er an einer Ampel losgefahren war. Bei dem Aufprall wurde seine Sozia gegen ein geparktes Auto geschleudert; sie starb noch an der Unfallstelle. Der 56-Jährige aus Eching im Landkreis Freising hatte ursprünglich einen Strafbefehl über 120 Tagessätze zu 70 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot erhalten, hatte aber Einspruch eingelegt, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Das Gericht hat das Strafmaß nun abgemildert, um ihm einen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis zu ersparen.

In solchen Fällen müsse sich die Justiz fragen, wie viel Ahndung noch sinnvoll und angemessen sei, erklärt Richterin Christine Conrad. Die schlimmste Folge des Unfalls sei der Verlust der Lebenspartnerin. Der Angeklagte war damals außerdem selbst schwer verletzt worden und ist seitdem arbeitsunfähig.

An den Unfallhergang kann sich der Echinger nicht erinnern. Er habe einen völligen Blackout und sei erst im Krankenhaus wieder aufgewacht, berichtet der Mann im Prozess, der ihn sichtlich belastet. Das Motorrad hatte er sich für den Ausflug an Christi Himmelfahrt ausgeliehen. Der Verteidiger betonte, sein Mandant sei weder ein Raser noch ein Verkehrsrowdy, er sei mit der Maschine aber wohl überfordert gewesen.

Auch die Staatsanwältin plädiert für eine geringere Strafe angesichts der extremen körperlichen und psychischen Folgen für den Unfallfahrer. Bald müsse er sich wegen der Verletzungen erneut einer Operation unterziehen. Doch nach diesem Urteil hat er nun beruflich wieder eine Perspektive.

© SZ vom 30.06.2020

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