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Geld für den Bayerischen Naturschutzfonds:Der Lederhosen-Paddler

Drei Monate habe er mit seinem Fotografen Christian Brecheis auf die richtigen Lichtverhältnisse für das Foto gewartet, sagt der Stehpaddler Pascal Rösler.

(Foto: privat)

Auf einem Brett stehend von München nach Wien: Der Münchner Pascal Rösler paddelt unermüdlich für den guten Zweck. An diesem Mittwoch kann man ihn in Moosburg antreffen.

Von Serafine Dinkel, Moosburg

Seit sechs Jahren paddelt der Münchner Unternehmer Pascal Rösler aufrecht durch bayerische Seen. Er sei einer der ersten gewesen, die "Stand-Up-Paddling" für sich entdeckt haben, betont er. Heute ist die Sportart längst Kult. Das Prinzip: Auf einem Surfbrett stehen und sich mit einem Paddel antreiben. Das funktioniert auch bei Windstille und wird als großartiges Work-out gepriesen. Beim Paddeln am Starnberger See im April dieses Jahres verspürte der 43-Jährige plötzlich den Wunsch, die Strecke von etwa 500 Kilometern von München nach Wien zurückzulegen und dabei der Natur etwas zurückzugeben. Diesen Plan wird er vom 20. Juli an umsetzen, in zehn Etappen von 50 Kilometern am Tag. Die erste führt an diesem Mittwoch die Isar entlang von München bis Moosburg.

Für Schulunterricht im Wald und die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke

Vor sechs Jahren habe er das Buch "Lass die Mitarbeiter surfen gehen" von Yvon Chouinard, Gründer der Outdoor-Firma Patagonia, gelesen, das habe ihn bei der Gründung seiner Firma inspiriert. Chouinard ist ein Vorreiter der "One Percent for the Planet"-Initiative, die Unternehmen dazu aufruft, einen Prozent ihres Umsatzes in den Schutz des Planeten zu investieren. Dafür sei sein Unternehmen derzeit noch nicht profitabel genug, sagt Rösler bescheiden. Dennoch wolle er etwas für die Natur tun, und auch andere Menschen dazu inspirieren, wie er Verantwortung zu übernehmen für "den blauen Planeten". Nach gefasstem Beschluss habe er also beim Bayerischen Umweltministerium angerufen und sich nach Projekten erkundigt. Die Spenden, die er für seine Fahrt erhält, kommen drei Projekten des Bayerischen Naturschutzfonds zugute. Im Landkreis Landshut soll 1000 Schülern ermöglicht werden, den Isarauwald zu besuchen, in der Gegend von Passau sollen Schüler mit Ferngläsern die Isarmündung erkunden können und in Deggendorf soll die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke unterstützt werden.

Der Unternehmer denkt groß: 10 000 Euro will er mit seiner Aktion sammeln. "Für weniger würde ich natürlich auch fahren. Schon ein kleiner Betrag kann der Natur guttun." Er nehme gerne Spenden pro gefahrenen Kilometer entgegen, 10 Cent pro Kilometer seien immerhin schon 50 Euro. Spender von Beträgen über 1000 Euro würden auf der Partnerseite erwähnt, kann man auf seiner Website lesen. So viel hat aber noch keiner gespendet. Einen Tag vor Aktionsbeginn hat er knapp über 20 Prozent des Spendenziels gesammelt, 2185 Euro.

Dafür sind andere Partner auf jener Seite erwähnt. Zum Beispiel der Fotograf, der das Logobild der Aktion aufgenommen hat. Fast drei Monate habe man auf den perfekten Wasserstand und die perfekten Lichtbedingungen gewartet, um Rösler in Lederhose, Hemd und Trachtenweste paddelnd auf der Isar zu fotografieren. Prominent ziert das Bild die Startseite der Website, die ist sehr professionell gestaltet. "Vielleicht etwas übertrieben für 500 Kilometer", räumt Pascal Rösler ein, "aber so bin ich. Wenn ich etwas mache, dann richtig." Mit einem kleinem Text und einem freundlichen "Aloha" bedankt er sich bei allen Partnern persönlich. Auch beim Hersteller der Schreibwaren, auf die er während der Fahrt Notizen machen wird. "Vielleicht wird ja daraus ein Buch", schreibt er.

Starke Strömungen machen die Flussfahrt gefährlich

Ganz ungefährlich ist seine Flussfahrt übrigens nicht. Vor allem in der Isar gibt es relativ viel Strömung; Sohlschwellen sind schon einigen Bootsfahrern zum Verhängnis geworden. Gefährlich werden könnte es auch bei den sogenannten "Sieben Rippen", kleineren Stromschnellen auf der Strecke von Moosburg nach Landshut. Auf die Gefahrstellen angesprochen entgegnet Rösler, dass die Donau zwar breiter sei, dort aber ein reger Schiffsverkehr herrsche, auf den es zu achten gelte. Und wenn es schwierig wird, zum Beispiel an Wehren, werde er ans Ufer fahren und die Stellen umlaufen. Auf Gefahren sei er vorbereitet, sagt er, äußert sich aber nicht zu konkreten Stellen auf der Etappe. Außerdem habe er, falls es gefährlich werde, eine "Leash" (Leine) mit der er mit seinem Brett verbunden sei. Und einen "Rescue"-Schlauch, der sich "wie ein Airbag" in einer Gefahrensituation aufblase.

Am Mittwoch beginnt die Flussfahrt mit der Etappe München-Moosburg quer durch den Landkreis. Die Strecke entlang der Isar kann man sich schon im Vorhinein auf www.sup-muenchen-wien.de ansehen. Rösler ist per Geo-Tracking lokalisierbar, so kann man ihn zur richtigen Zeit am richtigen Ort abfangen. In Freising könnte man ihn zum Beispiel von der Korbiniansbrücke oder der Luitpoldbrücke aus sichten. Vielleicht ja sogar in seiner Lederhose. Die hat er nämlich, so sagte er zur Plattlinger Zeitung, im Gepäck, falls er abends noch "wo hingehe."

© SZ vom 20.07.2016
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