Landkreis Freising:Ärger über geschlossene Volkshochschulen

Landkreis Freising: Nichts geht mehr an der Freisinger Volkshochschule. Unterricht ist derzeit wieder nur online möglich.

Nichts geht mehr an der Freisinger Volkshochschule. Unterricht ist derzeit wieder nur online möglich.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Einrichtungen dürfen von diesem Dienstag an keinen Präsenzunterricht mehr halten. Damit hatte kein Geschäftsführer gerechnet. Auf die Anordnung der Regierung reagieren sie mit Entsetzen.

Von Johann Kirchberger, Freising

Die Leiter der Volkshochschulen im Landkreis sind entsetzt und verärgert über die Entscheidung der Staatsregierung, von diesem Dienstag an den Präsenzunterricht zu untersagen. Man sei davon völlig überrascht worden, heißt es übereinstimmend. Von einem Schlag ins Gesicht spricht Gerda Fischer, die Leiterin der Moosburger Volkshochschule, und ihr Freisinger Kollege Oliver Dorn hält diese Entscheidung für nicht nachvollziehbar. Natürlich werde man jetzt versuchen, so viel wie möglich auf Online umzustellen, sagt Susanne Arndt von der Volkshochschule Neufahrn, aber das gehe nur in Teilbereichen. Sie warte jetzt erst einmal auf genauere Anweisungen, die aber standen am Montagvormittag noch aus.

Er sehe keinen Grund, den Präsenzunterricht zu verbieten, sagt Dorn. Man stehe in engem Kontakt mit der zuständigen Stelle im Landratsamt, verfüge über ein funktionierendes Hygienekonzept und er verweist darauf, dass es bisher keinen einzigen Corona-Fall an der Freisinger Volkshochschule gegeben habe. Er wolle Corona nicht verharmlosen, so Dorn, das Virus sei gefährlich und die Situation dramatisch. Deshalb mache er alles, "was Sinn macht, was notwendig ist", um die Krankheit zu bekämpfen, "aber die Verhältnismäßigkeit muss stimmen". Und daran zweifle er, wolle sich aber aus dem politischen Geschäft raushalten, "ich bin nur betroffen und muss die Entscheidung zur Kenntnis nehmen".

Einzelne Sprachkurse will man versuchen online anzubieten, aber die digitale Transformation brauche Zeit

Einzelne Sprachkurse werde man versuchen online weiterzuführen. Aber das sei nicht so einfach, "mich überrollt das alles". Wenn man die digitale Transformation wolle, müsse man das rechtzeitig sagen und "uns Zeit geben". Hochschulen und Schulen bekämen Geld für die digitale Umstellung, "wir bekommen nichts", schimpft der VHS-Geschäftsführer. Die momentane Politik gefalle ihm nicht. "Was hier läuft, kann ich nicht verstehen". Man höre nur noch von Verboten und Bestrafungen.

Die Volkshochschule werde aber nicht komplett geschlossen, Online-Veranstaltungen, die im Programm auf der Homepage gekennzeichnet seien, würden stattfinden. Was Online möglich sei, werde gemacht, "Online ist besser wie nichts, wir geben nicht auf". Aber den Präsenzunterricht werde man einstellen, und das gleich bis nach Ostern, sagt Dorn. Alles andere könne er den Kursteilnehmern und den Dozenten nicht zumuten. Er müsse jetzt schon das zweite Programmheft nacheinander einstampfen, "die vergangenen neun Monate haben uns geplättet". Seine Mitarbeiter schicke er in Urlaub oder in Kurzarbeit, "wir haben ja keine Einnahmen mehr". Die Kursteilnehmer würden noch heute per E-Mail informiert, wie es weitergeht.

Online-Unterricht könne nur eine Ergänzung sein: "Wir sind ja eine Begegnungsstätte"

Susanne Arndt von der Volkshochschule Neufahrn hat angekündigt, den Präsenzunterricht vorerst bis 20. Dezember einzustellen. Online-Unterricht finde in den Bereichen statt, in denen es möglich ist, im Sportbereich etwa. Infos dazu erfahre man auf der Homepage.

Auch in Moosburg bereitet sich die Volkshochschule darauf vor, verstärkt Online-Veranstaltungen abzuhalten. "Wir haben schon einige zusätzliche Zoom-Lizenzen erworben", sagt Leiterin Gerda Fischer. Online-Unterricht könne jedoch nur eine Ergänzung sein, "wir sind ja eine Begegnungsstätte". Sicher gebe es einige Bereiche, wo man Online präsent sein könne, "aber man kann nicht nur vor dem Computer sitzen. Man muss sich auch austauschen". Auf genaue Informationen, wie nun zu verfahren sei, warte sie noch, die aktuelle Infektionsschutzmaßnahmenverordnung liege ihr noch nicht vor. Von der Entscheidung der Staatsregierung sei sie überrascht worden, "das kam ganz unerwartet". Eine völlige Absage des Kursangebots werde es nicht geben, aber es werde zu Anpassungen kommen, vermutlich bis Ostern. Entsprechende Überlegungen habe man bereits angestellt.

Im Oktober habe alles noch so gut begonnen, sagt Fischer. Alle Hygieneauflagen habe man erfüllt, man habe dafür gesorgt, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können, "wir haben desinfiziert und gelüftet, alle haben Maske getragen". Und dann kam am Donnerstagnachmittag "die Vollbremsung". Wenn in den Schulen 20 Kinder und mehr teilweise ungeschützt zusammensitzen dürften und die Volkshochschulen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geschlossen werden müssten, "dann fehlt mir dafür einfach das Verständnis".

© SZ vom 01.12.2020/ilos
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