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Viele kreative Optionen:Gut sitzen in Eching

Verein "KulturForum" plant, an Wegen und Plätzen Sitzgelegenheiten aufzustellen, die zum Verweilen einladen

Sitzen, schauen, verweilen: absolute Basisfunktionen des Tagesablaufs sind es, die der Echinger Verein "KulturForum" zur Grundlage eines neuen Projekts gelebter Alltagskultur macht. Die Aktion "Gut sitzen in Eching" verbindet den prosaischen Ansatz, Sitzgelegenheiten an Wegen und Plätzen aufzustellen, mit einer Vielzahl von kreativen Optionen. Die selbstgestalteten Bänke sollen das Ortsbild aufwerten, einen Beitrag zur Identifikation leisten, die Betriebe im Gewerbegebiet mit dem Wohnort zusammenbringen, dem Potenzial örtlicher Künstler eine Bühne schaffen. Und schön drauf sitzen können soll man auch.

Zehn Sponsoren für elf Bänke sind schon an Bord, die mit Engagement und finanzieller Power mit der Umsetzung beschäftigt sind. Die "Freisinger Bank" hat den Dietersheimer Holzbildhauer Ludwig Loibl mit der Umsetzung beauftragt, die Schreinerei Kuffner mit Inhaber Rainer Mittelstrass baut selber, die Volkshochschule hat ein Wochenendseminar zur Bankgestaltung ausgeschrieben. Das "Echinger Forum", plant ein Lesebänkchen. So zeigen schon die ersten Beiträge die Vielfalt, mit der sich die Aktion ausgestalten lässt.

"Phantasievolle, originelle, kreative, themenbezogene, künstlerische Sitzgelegenheiten" erhofft sich das "KulturForum" von der Aktion, sagt Vorsitzende Sybille Schmidtchen, "diese sollten von heimischen Betrieben, Institutionen, Künstlern, Bürgergemeinschaften, Vereinen oder Privatpersonen gesponsert, vielleicht sogar selbst entworfen und hergestellt werden". Ziel sei "eine Aufwertung des gemeindlichen Erscheinungsbildes" und damit "ein Beitrag zur Verbesserung der örtlichen Lebensqualität durch Identifikation mit dem Ort des Wohnens oder des Arbeitens".

Speziell sieht das "KulturForum" einen idealen Ansatz, die im Gewerbegebiet Ost vom Ortsgeschehen separierten Betriebe in den Echinger Kern zu holen. Das biete den Unternehmen einen Werbeeffekt einerseits, vor allem aber fördere es "das Vertrauen und das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, indem die Bereitschaft signalisiert wird, sich für das Gemeinwohl zu interessieren und aktiv einzusetzen".

Mit der Installation der ersten elf Bänke und einer Eröffnungsveranstaltung am 28. April soll unmittelbar nach dem Winter "Gut sitzen" losgehen. Die Aktion ist beliebig erweiterbar, so lange es Raum für Sitzbänke gibt. Schmidtchen selbst hat bereits eine Idee geliefert, wie das Projekt auch für Privatpersonen einen Nutzwert mit unvergesslichem Charakter hat: Zu ihrem 70. Geburtstag hat sich die Vereinsvorsitzende einen Beitrag zu einer Bank erbeten und die 1000 Euro, die von ihren Festgästen beigesteuert wurden, werden jetzt gerade in eine "Geburtstags-Bank" investiert.

"Langfristiges Ziel ist irgendwann eine Art Bänke-Pfad durch Eching", sagt Schmidtchen, "als Hingucker, Anziehungspunkt, Symbol wie zum Beispiel der Freisinger Straßenschmuckbär". Da momentan für viele Menschen der rasante gesellschaftliche Wandel einhergehe mit zunehmender Vereinzelung und einem Verlust von Identität und Heimat, solle die Aktion ein Teil sein "zu einem Beziehungsgefüge", das ganz unmittelbar zum Innehalten und dem bewussten Erleben der heimatlichen Umgebung beiträgt. Und neben der Alltagskultur bedeuten die eventuell künstlerisch gestalteten Bänke auch "Kunst im öffentlichen Raum", betont Schmidtchen, "und das steigert die Attraktivität einer Gemeinde".

Erste Entwürfe der Bänke und die vorgesehenen Standorte werden in den kommenden Wochen im Gemeinderat zur Genehmigung vorgestellt. Der Gemeindebauhof hilft bei der Aufstellung mit.

© SZ vom 19.09.2017 / kbh

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