Viel zu teuer Auer Realschule löst Neiddebatte aus

Eine knappe Mehrheit im Freisinger Kreistag stimmt aber letztlich dem Hallertauer Kooperationsmodell zu. Anita Meinelt (CSU) und Josef Dollinger (Freie Wähler)bestehen dabei auf eine namentliche Abstimmung.

Von Peter Becker

Von Seiten des Kreistags steht der Gründung einer Realschule in der Marktgemeinde Au nichts mehr entgegen. Das Gremium sprach sich am Donnerstagnachmittag nach mehr als zweistündiger Debatte mit einer knappen Mehrheit von 35:28 für das Kooperationsmodell mit der Nandlstädter Mittelschule aus. Auf Antrag von Anita Meinelt (CSU) und Josef Dollinger (FW) mussten die Kreisräte namentlich abstimmen. Dollinger hatte die hohen Kosten für den Umbau der Auer Mittelschule und die jährlichen Unterhaltskosten für das Gebäude ins Feld geführt. Wer der Kooperation zustimme, der solle auch die finanzielle Verantwortung tragen, begründete er seinen Antrag.

Landrat Michael Schwaiger formulierte sofort nach dem positiven Entscheid den Antrag, die Realisierung der Auer Realschule in der Prioritätenliste noch vor die anstehende Sanierung der Berufsschule sowie die Überplanung des gesamten Schulzentrums an der Wippenhausener Straße zu stellen. Über diese Forderung stimmten die Kreisräte am Ende dann aber nicht ab. CSU-Fraktionsvorsitzender Florian Herrmann sagte, er wolle die künftige Reihung der Prioritäten erst innerhalb seiner Fraktion diskutieren. Die Übersicht über wichtige Schulbauten hatten die Kreisräte vor zwei Jahren zusammengestellt. Es ist ein Ranking, wie die Vorhaben der Reihe nach abgearbeitet werden sollen.

Erich Irlstorfer (CSU) hat in der Debatte das Vorhandensein dieser Liste zwar nicht in Frage gestellt. "Es gibt aber Situationen, in denen man nach links oder rechts ausweichen muss", sagte er. Landrat Schwaiger gestand Herrmann zu, die Prioritätenliste innerhalb der CSU noch zu besprechen. Was seinen Antrag angeht, war er aber nicht dazu bereit, einen Rückzieher zu machen. Spätestens in der nächstens Kreistagssitzung müssten die Kreisräte Farbe bekennen. "Darum kommen sie nicht herum", betonte Schwaiger. Dieter Thalhammer, SPD-Fraktionsvorsitzender, äußerte Verständnis für das Vorgehen des Landrats, der dem Kooperationsmodell stets ablehnend gegenüber gestanden war. "Er will sich nicht dem Vorwurf aussetzen, dass er etwas liegen lässt", verteidigte Thalhammer den Landrat. Für den Fall, dass die Auer Realschule eben doch nicht so schnell umgesetzt werden kann.

Dem Vorwurf, die Schulprojekte zu verschleppen, sieht sich die Verwaltung von Seiten Herrmanns ausgesetzt. Schwaiger musste daraufhin seine Planer in Schutz nehmen. "Wir haben nicht die Ressourcen, um alle Maßnahmen parallel zu planen", sagte er. Außerdem seien unvorhergesehene Ereignisse eingetreten, wie etwa die langwierige Sanierung des Moosburger Gymnasiums, das viele Kräfte gebunden habe. Schwaiger ergänzte, dass es derzeit auf dem Arbeitsmarkt keine geeigneten Planer gebe, die in der Lage wären, die Projekte mit Sachverstand zu bearbeiten.

Dass der ländliche Raum gestärkt werden muss, sahen viele Kreisräte. Die einen befürchteten aber durch das Vorhaben in Au eine Schwächung der Moosburger Realschule, andere sahen die Gelegenheit, dort kleinere Klassen zu bilden. Lange kreiste die Diskussion um eine so genannte "Neiddebatte": Was ist dringlicher, die Sanierung der Berufsschule oder die Gründung der Realschule in Au? Martin Pschorr (SPD) sieht zwar das Bedürfnis für eine Holledauer Realschule, "aber nicht den Bedarf." Siegfried Massier (CSU) warf dem Kultusminister, ungeachtet dessen, dass der ebenfalls der CSU angehört, "Murks" vor, weil bei der Gründung der Mainburger Realschule die Bildungspolitik nicht über die Landkreisgrenze hinausgeblickt habe.