bedeckt München 24°

Hallbergmoos in der Bayernliga:"Es wird nicht leicht, sich zu etablieren"

anselm küchle

Sein Hobby zum Beruf gemacht hat der 29-jährige Anselm Küchle. Beim VfB Hallbergmoos ist er sportlicher Leiter, beruflich arbeitet er am Internationalen Fußballinstitut in Ismaning.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

In einer ungewöhnlichen Saison hat der VfB Hallbergmoos mit dem Aufstieg in die Bayernliga den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte geschafft.

Interview von Johann Kirchberger, Hallbergmoos

Sein Hobby zum Beruf gemacht hat der 29-jährige Anselm Küchle. Beim VfB Hallbergmoos ist er sportlicher Leiter, beruflich arbeitet er am Internationalen Fußballinstitut in Ismaning und ganz nebenbei schreibt er auch noch an einer Doktorarbeit zum Thema "Trainerkompetenzen". Sein VfB hat gerade nach einer recht merkwürdigen Saison den Aufstieg in die Bayernliga geschafft und will sich dort erst einmal etablieren, wie er sagt. Ein gestandener Bayernligist wolle man werden und möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen, so formuliert er die Ziele des Vereins.

SZ: Zunächst einmal Glückwunsch zum Aufstieg in die Bayernliga. Habt ihr überhaupt schon richtig feiern können?

Anselm Küchle: Leider nein, aber wir werden das nachholen. Schließlich ist der Aufstieg der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

War der Aufstieg eigentlich von Anfang an das Ziel in dieser zwei Jahre dauernden und doch nicht beendeten Saison?

Irgendwie schon, intern zumindest. Wir haben gewusst, wir haben eine gute Mannschaft, aber für einen Aufstieg braucht man auch Glück. In den vergangenen Jahren waren wir schon oft nah dran, aber diesmal haben wir auch den notwendigen Dusel gehabt. Erlbach und Karlsfeld hätten es genauso verdient gehabt. Da kann ich schon mitfühlen.

Wenn man sich die Saison so anschaut, waren da eine ganze Reihe von Spielen dabei, in denen der VfB nicht überzeugen konnte, aber dann doch irgendwie gerade noch gewonnen hat. Manchmal war schon ein gewisser Schlendrian erkennbar.

Richtig, aber um am Ende ganz oben zu stehen, muss man auch diese sogenannten Drecksspiele gewinnen. Früher haben wir öfters gegen Abstiegskandidaten verloren, diesmal haben wir gegen die knappe Siege eingefahren. Das geht nur, wenn der Einsatz stimmt und die Mannschaft versucht, nicht nur spielerisch zu glänzen.

Teilweise hatten Sie ja eine lange Verletztenliste, ich denke da vor allem an Fabian Diranko.

So ist es, der Fabi ist praktisch komplett ausgefallen. Nach dem Re-Start hatten wir teilweise zehn Verletzte, aber wir haben das gut kompensieren können und trotzdem alles gewonnen. Da zahlt es sich eben aus, wenn man in der Breite gut aufgestellt ist.

Wie sieht es in der neuen Saison aus, hat der VfB Abgänge zu beklagen?

Eigentlich nicht. Der Stamm bleibt zusammen, alle Verträge sind verlängert worden. Leo Sekiraqua wechselt zum SV Lohhof, aufgrund seiner häufigen Verletzungen hat er wenig gespielt. Max Preuhs wird den Aufwand minimieren und als Back-up zur Verfügung stehen. Auf der Torwarttrainer-Position haben wir einen Wechsel vollzogen. Qeko Osman hat hier tolle Arbeit geleistet, nun wollen wir einen neuen Impuls setzen.

Wie sieht es denn mit den Neuzugängen aus?

André Gasteiger kommt aus Südtirol zurück nach Bayern, der hat zuvor für Karlsfeld und Pipinsried gespielt. Felix Bachmann, der beim FC Ingolstadt ausgebildet wurde, kommt vom TSV Allershausen. David Küttner, der für den FC Ingolstadt schon in der Jugend-Bundesliga gespielt hat und zuletzt für den FC Unterföhring aktiv war, kommt auch.

War es das oder verhandeln Sie noch mit weiteren Spielern?

Das sollte es eigentlich gewesen sein, aber wir haben natürlich immer einen offenen Blick für Verstärkungen. Wenn, dann wollen wir Spieler aus der Region, die jung und ambitioniert sind und aus Freude Fußball spielen. Aber wir haben auch Vertrauen in unseren bisherigen Kader und wollen den Spielern die Chance geben, sich in der Bayernliga zu zeigen.

Zur Bayernliga, was erwartet den VfB dort?

Da ist die Dichte viel größer, da ist jedes Spiel wie ein Spitzenspiel in der Landesliga. Da sind die Teams physisch stark und verfügen über eine enorme Fitness. Für uns geht es zunächst darum, in der Liga anzukommen. Natürlich würden wir gerne irgendwo im Mittelfeld landen, die Klasse erhalten und ein standesgemäßer Bayernligist werden. Aber es wird nicht so leicht werden, sich zu etablieren.

Wird Trainer Gedi Sugzda irgendwas ändern?

Nein, da ist nichts geplant. Weil wir weiterhin unsere Heimspiele am Freitagabend austragen wollen, werden wir montags, mittwochs und bei Auswärtsspielen donnerstags trainieren und von Fall zu Fall am Samstag.

Wird Sugzda wegen seines Engagements als Co-Trainer der litauischen Nationalmannschaft öfters fehlen?

Nein, das ist gut getimt. Er fährt nach Litauen, wenn wir gerade eine Pause haben.

Was macht er eigentlich anders als frühere Trainer, was macht ihn so erfolgreich?

Er ist sehr authentisch mit seiner baltischen Art, verfügt über einen besonderen Humor und versteht es, mit allen Spielern gut umzugehen. Außerdem strahlt er Ruhe aus und vermittelt den Spielern damit viel Sicherheit.

Wer ist sein Co-Trainer?

Das wird weiterhin Peter Beierkuhnlein sein, der zugleich Führungsspieler und der verlängerte Arm von Sugzda auf dem Spielfeld ist. Der Peter ist mit seinen 33 Jahren ein sehr erfahrener Mann, der auch schon Regionalliga gespielt hat. Zusätzlich haben wir noch Fredy Ostertag, der als Technischer Leiter fungiert und neben Sugzda auf der Trainerbank sitzen wird.

Gerade nach einem Aufstieg ist das Zuschauerinteresse riesig. Jetzt hat Ministerpräsident Söder erklärt, dass künftig wieder 500 Zuschauer ins Stadion dürfen. Zufrieden?

Natürlich, wir freuen uns über diese Erleichterung und hoffen, dass die Inzidenzzahlen so niedrig bleiben und unsere Zuschauer ohne Beschränkung - sieht man mal von den Masken ab - unsere Spiele besuchen dürfen. Wir haben ja auch eine Menge Derbys, etwa gegen Ismaning oder Garching. Da wird der Zustrom sicherlich groß sein.

Wann startet die Vorbereitung?

Offiziell geht es am 7. Juni los, dann finden einige interne Testspiele statt und wir spielen auch gegen Unterföhring, Heimstetten, Karlsfeld und Buchbach. Mit Freising haben wir noch kein Spiel terminiert, obwohl wir gerade mit Trainer Alex Plabst trotz aller Rivalität ein sehr gutes Verhältnis haben. Saisonstart soll dann laut Verband am 17. oder 24. Juli sein. Hoffentlich können wir dann durchspielen und es kommt im Herbst kein neuer Stopp.

© SZ vom 07.06.2021/av
Zur SZ-Startseite

Saisonabschluss im Fußball
:Rechnen statt kicken

Die Fußballer aus dem Landkreis würden die Saison, die im Juli 2019 begonnen hat, gerne auf dem Platz beenden. Wahrscheinlicher aber ist, dass der endgültige Tabellenstand über die Quotienten-Regelung ermittelt wird.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB