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Versammlung in Fahrenzhausen:Applaus für beide Seiten

Am Infoabend zum umstrittenen Standort für das neue Rathaus ist das Publikum zwiegespalten

Gerammelt voll mit an die 200 Menschen war die Aula der Fahrenzhausener Grundschule am Mittwoch - der Bürgermeister hatte zum Infoabend rund über das geplante neue Rathaus eingeladen. Ein an sich unstrittig nötiges Bauvorhaben ist zum Politikum geworden. Der Grund: Seit einigen Wochen sammelt eine Gruppe Unterschriften, um den festgelegten Standort zu kippen. Ihr Wunsch ist, dass das neue Rathaus nicht auf einem Kirchengrundstück entstehen soll, sondern direkt daneben auf einem Gemeindeareal.

Fast eineinhalb Stunden lang erläuterten Bürgermeister Heinrich Stadlbauer, Zweiter Bürgermeister Heinrich Kislinger und Projektsteuerer Peter Kellerer, warum sich der Gemeinderat in einem vier Jahre währenden Prozess für den Kirchengrund entschieden hatte. Dann aber wollten die Anwesenden endlich zu Wort kommen. Eine Frau machte den Anfang: "Wenn ich zwei Grundstücke zur Auswahl hätte, würde ich auf dem eigenen bauen und nicht auf einem, das ich pachten muss. Noch unsere Enkelkinder müssen das bezahlen." Tatsächlich sieht der Vertrag zwischen Gemeinde und Kirchenstiftung eine zwar nicht öffentlich gemachte, aber von einem externen Gutachter für angemessen befundene Erbpacht für 75 Jahre vor, mit Option auf Verlängerung. Eine andere Nutzung als das Rathaus lehnt die Kirchenstiftung ab, immerhin sollte hier einmal eine weitere Kirche entstehen. Planer und Gemeinderat sahen in der Situation eine einmalige städtebauliche Chance: Bebaut man den Kirchengrund mit Rathaus und Tiefgarage, bleibt der Gemeindegrund für soziale Nutzungen, etwa Betreutes Wohnen. Damit könnte, so die Rechnung, auch die Pacht wieder in die Kasse kommen. Außerdem, hier macht sich Projektsteuerer Kellerer stark, würde so ein wirkliches Ortszentrum entstehen: "Lebendig wird das nur, wenn da verschiedene Nutzungen sind und Menschen kommen."Er betonte, man hätte das Rathaus durchaus auch auf den Gemeindegrund bauen können, "technisch hätte man das hingekriegt, aber städtebaulich wäre das eine Katastrophe". Das betrifft auch die mindestens 110 nötigen Stellplätze. Weil das neue Rathaus direkt neben Pfarrheim, Schule und Mehrzweckhalle liege, könnten die Stellplätze mehrfach genutzt werden.

"Ich würde mich sehr wundern, wenn es in Bayern irgendwo ein Rathaus gibt, das auf einem Erbpachtgrundstück liegt", monierte ein Bürger. Ein anderer fragte nach den wahren Gründen für die Situation. Das Publikum schien zwiegespalten, die einen klatschten für die Position der Gemeinde, die anderen für die der Kritiker. Beruhigend schien die Aussage von Bürgermeister Stadlbauer zu wirken, dass die Pacht ja nicht nach Rom oder an das Ordinariat fließe, sondern in der Kirchenstiftung von Fahrenzhausen, also am Ort bleibe.

Letztlich aber ist der Stand der Dinge, dass wegen des möglichen Bürgerentscheids derzeit alle Planungen und weitere Verhandlungen mit den Siegern des bereits abgeschlossenen Architektenwettbewerbs für ein Rathaus auf dem Kirchengrund ruhen. Bis Ende Oktober sollen Unterschriften gesammelt werden, 380 braucht es, für einen Bürgerentscheid. Peter Kellerer rechnete vor, welche Verzögerungen und damit Kostensteigerungen auf die Gemeinde zukommen. Sollte tatsächlich der Gemeindegrund als neuer Standort gewählt werden, brauche es wohl einen Bebauungsplan, eine neue EU-weite Ausschreibung und einen neuen Architektenwettbewerb. Eigentlich sollte das neue Rathaus 2222 fertig sein, mit all den Neuerungen würde sich das um rund drei Jahre verzögern. Jedes Jahr aber, so Kellerer, koste schon allein wegen der Preissteigerung rund 200 000 Euro. Unbeantwortet blieb die Frage von Heinrich Kislinger: "Warum kommt man mit diesen Bedenken erst jetzt?"