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Versammlung der Freisinger VHS:"Fiasko für den Verein"

Die Coronakrise hat die Freisinger Volkshochschule finanziell gebeutelt. Leiter Oliver Dorn geht davon aus, dass auch im Herbst kein normaler Kursbetrieb möglich ist.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Corona-Krise hat die Freisinger Volkshochschule (VHS) schwer getroffen. Zuletzt, nach der Sommerpause 2019, zeichnete sich dort ein gutes Bild ab: Die personelle Situation hatte sich entspannt, es wurde in mobile Arbeitsplätze investiert, die Einschreibung für das neue Programm lief positiv. "Und dann haben uns die Ereignisse überrollt", schilderte VHS-Leiter Oliver Dorn in der Mitgliederversammlung.

Coronabedingt wurde der Präsenzunterricht untersagt und sämtliche Veranstaltungen ausgesetzt. Als die Situation Anfang Mai unverändert blieb, entschloss man sich, die Kursgebühren der Teilnehmer und die Honorare der Lehrkräfte anteilig zurückzuzahlen. "Es war ein Fiasko für den Verein", sagte Dorn. Vier von 14 Mitarbeitern waren Anfang Juli in Kurzarbeit, mittlerweile sind es alle. Eine Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz aber konnte bislang vermieden werden - auch dank des jährlichen Barzuschusses der Stadt Freising in Höhe von etwa 220 000 Euro, den diese für 2020 bereits als Gesamtbetrag überwiesen hat.

Seit Mitte Juni läuft eingeschränkter Betrieb

Ende Mai kam die Mitteilung, dass ein Neustart möglich sei: Von Mitte Juni an ging es bei der VHS wieder los mit einem eingeschränkten Präsenzunterricht und Online-Veranstaltungen, bei letzteren blieb die Nachfrage überschaubar. "Nach wie vor aber haben wir ein Stückwerk", klagte Dorn. Ein Mitarbeiter habe gekündigt, auch im August werde es noch Kurzarbeit geben. Für die freiberuflichen Lehrkräfte gestalte sich die Situation besonders katastrophal, berichtete der Leiter, diese nämlich haben seit März kein Geld mehr bekommen.

Ein normaler Kursbetrieb werde wohl auch im Herbst noch nicht möglich sein, kündigte Dorn an. Bedingt durch die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln rechnet er wegen der Raumkapazitäten mit 50 Prozent weniger Teilnehmern. Und damit auch mit 50 Prozent weniger Einnahmen. Zwar sei digital viel möglich - wie die Integrationskurse - "aber damit tun wir uns schwer". "Soziales wird zu Digitalem, dieser Satz tut mir weh", sagte Dorn. Es gebe einen großen Unterschied zwischen Präsenzunterricht und digitaler Veranstaltung. Die VHS sei ein Ort der Begegnung, des Austausches. Einig waren sich an diesem Abend alle, dass man zwar dem Digitalen gegenüber offen sein müsse, sich aber keine vollständige Digitalisierung wünsche. Eine Mischform wäre notwendig, hieß es.

Die Freisinger VHS hofft auf den Rettungsschirm

Die Sofort- und Überbrückungshilfe habe die VHS Freising nicht in Anspruch nehmen können, aber nun könne man am VHS-Rettungsschirm partizipieren. Dorn erhofft sich daraus eine Summe in Höhe von etwa 90 000 Euro, denn der jeweilige Anteil einer VHS berechne sich nach der Leistung des Jahres 2018, "und das war das beste Jahr, das wir hatten". Auch die Lehrkräfte könnten von dem Rettungsschirm profitieren, etwa 77 000 Euro stehen dann für diese zur Verfügung. Er hoffe, sagte Dorn, dass sich die VHS nun wirtschaftlich wieder etwas erholen könne. Die mittel- und langfristigem Folgen aber könne er noch nicht einschätzen. Ein Mitglied stellte die Frage, wie lange die Finanzdecke noch ausreichen werde. Bürgermeisterin Eva Bönig, Beiratsmitglied der VHS Freising, antwortete, eine VHS sei "Pflichtaufgabe einer Kommune". Die Stadt Freising werde die VHS in einer Bildungsregion nicht im Stich lassen. Bis Oktober zumindest sei man nicht von einer Insolvenz bedroht, ergänzte Vorsitzender Jürgen Maguhn. "Wir hoffen, wieder ein halbwegs normales Kursangebot durchführen zu können."

Die Zahl der Veranstaltungen lag 2019 mit gut 1500 bei der des Vorjahrs, berichtete Maguhn. Die Zahl der Teilnehmer dagegen sank von etwa 22 400 (2018) auf knapp 16 500 (2019). Entsprechend verringerten sich auch die Teilnehmergebühren von 856 200 Euro (2018) auf 818 100 Euro im vergangenen Jahr.

© SZ vom 18.07.2020/av
„Falsche“ Mitglieder im Beirat

Der Tagesordnungspunkt 6, die "Satzungsänderung: Zusammensetzung des Beirats", hat in der Mitgliederversammlung der Volkshochschule (VHS) eine längere Diskussion ausgelöst. Grund für die Satzänderung war, dass der Stadtverwaltung offenbar die Satzung der VHS nicht bekannt war und die VHS diese bei der Besetzung des Beirates selber nicht bedachte. So kam es, dass in den vergangenen Jahren sozusagen "falsche" Mitglieder im Beirat saßen. Aus jeder Wählergruppe des Stadtrats wurde ein Mitglied in den Beirat entsandt, eigentlich aber hätte nur aus jeder Fraktion und jeder Ausschussgemeinschaft ein Mitglied genommen werden dürfen. "Genauso, wie es auch die Bayerische Gemeindeordnung vorsieht", sagte Grünen-Stadträtin und Kulturreferentin Susanne Günther. Vorsitzender Jürgen Maguhn aber sprach sich dafür aus, dass auch zukünftig alle im Stadtrat vertretenen Gruppierungen abgebildet werden sollten. Bürgermeisterin und Grünen-Stadträtin Eva Bönig wandte ein, dass die Beiratsmitglieder die VHS in positivem Licht darstellen sollten, "das sehe ich bei der AfD so nicht." AfD-Stadtrat Richard Paukner entgegnete, er stehe zur VHS. Er sei nicht fraktionsgebunden und könne nach seinem Gewissen entscheiden. Seine Entscheidung gegen einen Beirat mit Mitgliedern aus jeder Gruppierung liege nicht am Namen Paukner, betonte CSU-Stadtrat Hubert Hierl. Er zweifle nicht an dessen demokratischer Einstellung. Sondern er habe dabei an die Stadt München mit ihren vielen verschiedenen kleinen Gruppierungen und Fraktionen gedacht. Trotz der geäußerten Bedenken stimmten bei der geheimen Abstimmung dann 25 der insgesamt 33 anwesenden Mitglieder für eine Satzungsänderung. Auch zukünftig seien nun Parteien im Beirat, die keine Fraktionsstärke haben oder die in keiner Ausschussgemeinschaft sind, kritisierte Susanne Günther. Das schwäche die Position der VHS, denn zukünftig könnten nun bis zu zehn Politiker im Beirat vertreten sein - und das bei gerade einmal drei VHS-Vertretern und zweien der Lehrkräfte. regu

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