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Verleihung im Rathaus:Signal aus Freising

Den "Wissenschaftspreis Weihenstephan der Stadt Freising" erhielten Nicolas Gisch (2. von links) und Stefanie Ranf.

(Foto: Marco Einfeldt)

Stefanie Ranf und Nicolas Gisch erhalten den "Wissenschaftspreis Weihenstephan der Stadt". Dank ihren Erkenntnissen zur pflanzeneigenen Immunabwehr können resistente Sorten gezüchtet werden

Von Katharina Aurich, Freising

Den mit 20 000 Euro dotierten "Wissenschaftspreis Weihenstephan der Stadt Freising", der alle zwei Jahre vergeben wird, erhielten heuer Stefanie Ranf vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan (WZW) der TU München und Nicolas Gisch vom Forschungszentrum Borstel des Leibniz-Zentrums für Medizin und Biowissenschaften für ihre neuen Erkenntnisse zur Immunabwehr von Nutzpflanzen.

Bürgermeister Tobias Eschenbacher überreichte den Wissenschaftlern die hoch dotierte Auszeichnung während eines festlichen Abends im Freisinger Rathaus. Mit der regelmäßigen Vergabe dieses Preises an Forscher unter 45 Jahren, über den sie frei verfügen können, bestärke die Stadt ihre Verbundenheit mit dem Wissenschaftsstandort Weihenstephan, sagte Eschenbacher.

Die bahnbrechende Arbeit, die heuer ausgezeichnet wurde, sei ein gutes Beispiel für die praxisrelevante Forschung am Standort Weihenstephan, aber auch für eine gelungene Vernetzung zweier Forschungsinstitutionen. Mit diesem Preis wolle die Stadt aber auch die überregionale Bedeutung von Freising sowie Weihenstephan als einer Einheit verdeutlichen, erklärte der Rathauschef. Professorin Angelika Schnieke, Dekanin des Wissenschaftszentrums Weihenstephan, betonte ebenfalls die enge Verbindung Weihenstephans mit Freising und "es macht Spaß, in dieser Stadt zu leben", die Kooperationen würden immer enger. Die Vergabe eines solchen bemerkenswerten Preises komme denjenigen Wissenschaftlern zu Gute, die bereits promovierten, sich einen Namen gemacht haben, aber noch am Anfang ihrer Karriere stünden, erläuterte die Dekanin Schnieke.

Die Auszeichnung durch die Stadt Freising sei auch ein Signal nach außen und an die Industrie, dass am Wissenschaftsstandort Weihenstephan erfolgreiche Nachwuchsforscher arbeiten, stellte der Präsident der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Herrmann Heiler fest.

Die Bedeutung der ausgezeichneten Forschungsarbeit erläuterte Professor Ralph Hückelhoven, Lehrstuhl für Phytopathologie am WZW, der sie auch für den Preis eingereicht hatte. Pflanzen müssen sich permanent mit einer Vielzahl von Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien oder Viren auseinandersetzen und haben im Laufe der Evolution ein komplexes und effektives Immunsystem entwickelt, das jedoch noch nicht vollständig erforscht sei. Die Biochemikerin Stefanie Ranft entdeckte gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Chemiker Nicolas Girsch, einen wichtigen Baustein der pflanzeneigenen Immunität.

Mit ihren Erkenntnissen eröffne sich ein neues Forschungsfeld in der Pflanze-Erreger Interaktion, langfristig könnten diese Ergebnisse in die Nutzpflanzenzüchtung einfließen, so Hückelhoven. Denn weltweit gäbe es aufgrund einer Vielzahl von Schädlingen deutliche Ertragseinbußen bei Nutzpflanzen, die bisher in der Regel mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. Mit den neuen Erkenntnissen zur pflanzeneigenen Immunabwehr könnten langfristig genetisch veränderte, resistente Sorten gezüchtet werden.

© SZ vom 03.07.2015
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