Verkehr in Marzling:Vorerst zurückgestellt

Im Streit um Tempo 30 bahnt sich Lösung mit Landratsamt an

Von Gudrun Regelein, Marzling

Die Sache einfach auf sich beruhen lassen, wollte der Marzlinger SPD-Gemeinderat Thomas Sellmeir nicht. "Das lassen wir uns doch nicht gefallen", sagt er. Worüber er sich so ärgert, ist ein Schreiben der Kommunalaufsicht des Landratsamts Freising. In diesem wurde dringend empfohlen, den Beschluss des Marzlinger Gemeinderates, entlang der Isarstraße eine Geschwindigkeitsreduzierung von Tempo 50 auf Tempo 30 zu erlassen, zurückzunehmen.

Die "Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses zur Geschwindigkeitsreduzierung" sollte nun eigentlich auch in der jüngsten Gemeinderatsitzung behandelt werden. Soweit aber kam es nicht, denn Thomas Sellmeir stellte gemeinsam mit seiner Fraktionskollegin Juliane Dorfmüller den Antrag, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen und zu vertagen. Dem stimmten die Räte einhellig zu. Die Vertagung wollte die SPD wegen eines Gesprächs zwischen Landrat Helmut Petz und Vertretern der SPD-Kreistagsfraktion über das Thema Tempo 30, das auf Initiative der Marzlinger SPD zustande gekommen war. Das Ergebnis sei positiv, die Forderung der Kommunalbehörde, den Beschluss umgehend aufzuheben, werde bis auf Weiteres zurückgestellt, berichtet Sellmeir.

Aber nicht nur Marzling hatte in Sachen Tempo 30 eine ablehnende Stellungnahme bekommen, sondern auch die Gemeinde Neufahrn und die Stadt Moosburg erhielten die Aufforderung zur Aufhebung des Beschlusses. Die Empfehlung habe in Form und Inhalt auf großes Unverständnis und Verärgerung gesorgt, sagt Sellmeir. "Der Ton war rüde."

Eine Geschwindigkeitsbeschränkung innerhalb geschlossener Ortschaften könne nur ausnahmsweise erfolgen, heißt es aus dem Landratsamt. Diese dürfte nur angeordnet werden, wenn wegen der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht. Tempo 30 sei zudem im unmittelbaren Bereich von an diesen Straßen gelegenen Kindertagesstätten, Schulen oder Alten- und Pflegeheimen möglich. Diese Voraussetzungen würden aber in Marzling entlang der Isarstraße nicht vorliegen, sagt Landratsamt-Pressesprecherin Eva Zimmerhof. Eine Verkehrsschau mit Vertretern der Gemeinde, des Landratsamtes und der Polizeiinspektion Freising habe bereits im Februar stattgefunden.

Thomas Sellmeir sieht das anders, für ihn ist die Isarstraße mit der engen Unterführung ein "gefährliches Pflaster". Deshalb habe die Marzlinger SPD im Juli auch den Antrag auf eine Reduzierung der Geschwindigkeit gestellt, der dann von einer großen Mehrheit im Gemeinderat bewilligt wurde. Die Hoffnung, dass sich sein Wunsch erfüllt, hat er noch nicht aufgegeben. Zumindest habe der Landrat zugesagt, sich persönlich mit den aktuellen Beschlüssen zum Thema Tempo 30 zu befassen - vor allem mit den schwebenden Verfahren in Marzling, Neufahrn und Moosburg, berichtet Sellmeir. "Der Landrat möchte einen tragfähigen Kompromiss finden, der alle zufrieden stellt. Er sagte zu, dass das, was rechtlich möglich ist, auch möglich gemacht werden soll." Helmut Petz will sich nun im Landkreis München erkundigen, wie das Thema dort gehandhabt wird. Laut Sellmeir hat der Landrat bei dem Gespräch auch die Anschreiben der Kommunalbehörde kritisiert: Diese entsprächen nicht dem Stil des Landratamtes, den sich Petz im Umgang mit den kommunalen Vertretern wünscht.

Die Gemeinde werde nun die Entscheidung des Landrates abwarten, sagt Zweite Bürgermeisterin Roswitha Apold, die momentan den erkrankten Bürgermeister vertritt. "Bis dahin werden wir auch keine Schilder entlang der Isarstraße aufstellen."

© SZ vom 28.11.2020
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