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Unwetterbilanz:Hagel richtet erheblichen Schaden an

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Heruntergefallene Äste, beschädigte Autos: Die Feuerwehr hatte nach dem Unwetter am Montagabend vor allem in Neufahrn jede Menge Arbeit.

(Foto: Privat)

Land unter in Neufahrn, vollgelaufene Keller, demolierte Autos, Dutzende gestrichene Flüge: Das Unwetter am Montagabend hat im Landkreis Spuren hinterlassen - auch auf der S-Bahn-Linie eins gibt es große Probleme.

Nach dem schweren Unwetter am Montagabend sind großflächige Verwüstungen im Landkreis Freising ausgeblieben. Einzig in Neufahrn hat der Sturm größeren Schaden angerichtet. Am Münchner Flughafen musste die Abfertigung wegen Blitzgefahr unterbrochen werden, 90 Flüge seien deshalb gestrichen worden, 160 weitere hatten Verspätung, so Pressesprecher Ingo Anspach. In vielen Gemeinden stürzten Bäume um, Keller standen unter Wasser, rund 130 Einsätze hat es im Landkreis insgesamt gegeben, wie die Pressesprecherin des Landratsamts, Eva Zimmerhof, mit Verweis auf Kreisbrandrat Manfred Danner mitteilte.

Nur eine gute Viertelstunde hat der "Spuk" in Neufahrn gedauert. Welche enormen Schäden der Hagelsturm in dieser kurzen Zeit angerichtet hat, wurde noch am Abend sichtbar. Zum Beispiel im Neufahrner Westen: "Mein nagelneues Auto, das vor der Tür stand, ist jetzt zerdengelt", musste ein Anwohner feststellen. Wenig später entdeckte er in einem großen Pflanzendach ein Stück von der Solaranlage auf dem Dach, die jetzt ebenfalls kaputt ist. Ein anderer Neufahrner betrachtete da gerade kritisch die Hausfassade: "Da sieht man die Einschlaglöcher von den Hagelkörnern". Ein paar Häuser weiter hatte der Hagel die Scheibe einer Dachluke eingeschlagen, im Bad der Familie ist jetzt "ein Riesenloch".

Ähnliche Szenen haben sich im ganzen Ort abgespielt. Keller waren vollgelaufen. Tiefgaragen und Straßen standen unter Wasser, auch weil die Gullys vom Hagel verstopft waren. An der Grundschule am Fürholzer Weg war ein Baum umgefallen. Ähnlich sah es an der Albert-Einstein-Straße im Süden aus. Dort war ein entwurzelter Baum auf die Ecke eines Hauses gekippt und hatte sich verfangen. Es war zu befürchten, dass er auf das Nachbargebäude stürzen würde. Insgesamt hatte die Neufahrner Feuerwehr 27 Einsätze, also gut jeden fünften im Landkreis. Mit sechs Fahrzeugen war sie unterwegs. Unterstützung kam aus Mintraching, Massenhausen und Dietersheim. Alles in allem haben 91 Feuerwehrleute bei der Bewältigung der Sturmschäden geholfen. Viele konnten erst um Mitternacht wieder nach Hause gehen.

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Auch um diese vollgelaufene Tiefgarage mussten sich die Feuerwehr kümmern.

(Foto: Feuerwehr/oh)

In Freising blieb es "trotz des spektakulären Ereignisses ruhig"

Ruhiger ging es am Abend in Freising zu. In der Mainburger Straße sowie der Erdinger Straße ragten laut Polizei zeitweise Gullydeckel aus der Straße, welche die Wassermassen nicht bewältigen konnten. Größere Verkehrsbehinderungen und Unfälle seien aber ausgeblieben. Neben mehreren Fehlalarmen, für solche Unwetter durchaus üblich, hatte die Freisinger Feuerwehr drei Einsätze, sagte Pressesprecher Florian Wöhrl. Vereinzelt seien Fahrbahnen überschwemmt gewesen. Sein Fazit: "Es war trotz des spektakulären Ereignisses relativ ruhig."

Welche Folgen das Unwetter für die Landwirte hat, das sei am Tag danach noch nicht absehbar, sagte Josef Schächtl vom für Freising zuständigen Landwirtschaftsamt in Erding. Eine genaue Begutachtung der Schäden stehe noch aus. Es seien zwar "sicher einzelne Flächen betroffen". Zum jetzigen Jahreszeitpunkt sei die Vegetation aber noch in einem frühen Stadium. Fest stehe: "Wenn eine Fläche zerstört ist, die Ernte weg ist und neu ausgesät werden muss, dann kann es schon Einbußen geben." Regen und Sturm seien grundsätzlich nicht so schlimm, aber der Hagel; der sei im Westen Münchens jedoch stärker gewesen als im Landkreis.

Größere Schwierigkeiten gab es auf der S-Bahn-Strecke der Linie eins. Nachdem dort zeitweise der komplette Bahnverkehr zum Erliegen gekommen war, sei zum Betriebsstart am Morgen zumindest ein Gleis wieder für den Regionalzug aus Landshut freigegeben worden, so Sprecherin Kathrin Kratzer. Ursache war eine "ziemlich stark beschädigte" Oberleitung zwischen Moosach und Feldmoching. Am Dienstag sei dieser Abschnitt mit Großraumtaxen überbrückt worden; wer vom Münchner Osten aus zum Flughafen wollte, dem wurde geraten, die S 8 zu nutzen. Erst am Nachmittag konnte die Strecke Freising-München wieder für die S-Bahn freigegeben werden. Bahnmitarbeiter seien am Montagabend zwar in Einsatzbereitschaft gewesen, so Kratzer, das Unwetter sei jedoch "schon kurzfristig, vor allem in der Heftigkeit" eingetreten.

Der S-Bahn-Stenograf

Dienstagmorgen, Fahrgäste in einer Vierer-Sitzgruppe in der S-Bahn-Linie 1 in Feldmoching, Warten auf die Abfahrt nach Freising:

9.03 Uhr: "Hoffentlich fährt die nicht zurück nach München." - "Nein, in der Richtung gab's einen Oberleitungsschaden."

9.05 Uhr: "Ich bin seit 6.52 Uhr unterwegs." - "Wir standen gerade eineinhalb Stunden in Moosach."

9.07 Uhr: "Wenn ich heute zum Flughafen müsste, hätte ich mir ein Taxi gerufen." - "Ich hab ja bei der Taxizentrale versucht anzurufen, aber ich kam nicht durch."

9.10 Uhr: "Hat jemand eine Powerbank? Mein Handyakku ist leer." Ein erfahrener Pendler holt lässig seine Powerbank aus der Tasche und reicht sie samt Ladekabel weiter. - "Vielen Dank!" - "Nächste Investition: Powerbank!" (alle lachen)

9.14 Uhr (Lautsprecheransage, eine betont selbstbewusst klingende, männliche Stimme): "Dieser Zug fährt pünktlich um 9.21 Uhr ab und fährt komplett nach Freising; in 20 Minuten fährt eine S-Bahn zum Flughafen."

9.21 Uhr: Die S-Bahn fährt ab; eine Frau ruft ihren Arbeitskollegen an und berichtet, dass sie wahrscheinlich später zum Team-Meeting kommen werde.

9.23 Uhr: Die Frau, die eineinhalb Stunden in Moosach gewartet hat, verabschiedet sich in Unterschleißheim.

9.30 Uhr: Inzwischen, in Lohhof, sind kaum noch Fahrgäste im Abteil.

9.32 Uhr: Die Frau mit dem fast leeren Handyakku fragt, ob sie noch ein bisschen länger, bis Freising, ihr Handy laden dürfe - der Pendler bejaht.

9.44 Uhr: Tatsächlich pünktliche Ankunft in Freising.

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Schienenersatzverkehr sorgte für Verwirrung und eine Turmuhr musste dran glauben

Die MVV meldete keine Störungen im Busverkehr. Der von der Deutschen Bahn organisierte Schienenersatzverkehr sorgte in der Nacht dagegen insbesondere bei eintreffenden Flugreisenden für Verwirrung, wie Flughafen-Pressesprecher Ingo Anspach mitteilte. An den Bahnabgängen am Flughafen sei viel los gewesen, dort habe man Personal eingesetzt, um das Chaos zu ordnen und Auskünfte zu geben, ergänzte der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Christian Köglmeier.

Einzelne Unwetterfolgen traten aus der Masse hervor: In Dietersheim meldete die Feuerwehr eine entlaufene Schafherde. In Neufahrn entdeckte Kommandant Reinhold Kratzl Dienstagfrüh, dass nach dem Unwetter die Turmuhr an der Alten Kirche kaputt war: Der große Zeiger war angebrochen. Damit er nicht auf den Gehweg fallen konnte, holte ihn die Feuerwehr herunter. Kratzl, Pfarrer Wolfgang Lanzinger und Kirchenpfleger Ernest Lang waren sichtlich froh über dem glimpflichen Ausgang, denn wie Feuerwehr-Sprecher Jens Lentrodt sagte: "Es wäre schon ein besonders tragisches Unglück, wenn jemand ausgerechnet durch den herabfallenden Zeiger einer Kirchturmuhr das Zeitliche hätte segnen müssen."

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