Ungewöhnlicher Helfer Hund "Balu" wird Rettungsschwimmer

Balu an Bord mit seinem Herrchen Robert Gabriel. Der Hund wird zum Wasserretter ausgebildet.

(Foto: Wasserwacht Moosburg)

Der Labrador-Golden-Retriever-Mischling absolviert zusammen mit seinem Herrchen Robert Gabriel bei der Moosburger Wasserwacht seine Ausbildung. Nächstes Jahr im September ist Abschlussprüfung.

Von Laura Dahmer, Moosburg

Balu hüpft winselnd an seinem Hundeführer Robert Gabriel hoch, der auf dem Bug des kleinen Motorbootes der Wasserwacht Moosburg steht. "Aqua", ruft Gabriel Balu zum wiederholten Male zu. Eigentlich ist das Balus Kommando, hinter seinem Herrchen ins Wasser zu springen und mit ihm an Land zu schwimmen. Aber der junge Labrador-Golden Retriever-Mischling macht keine Anstalten, das Boot zu verlassen. Die großen, schwarzen Taucherflossen, die Gabriel an den Füßen trägt, kennt Balu noch nicht, und offensichtlich machen sie ihm Angst. Balu steht noch ganz am Anfang seiner Ausbildung, er soll der erste Wasserrettungshund der Moosburger Wasserwacht werden.

"Das sind für uns alle neue Situationen", sagt Robert Gabriel, als er im Neoprenanzug an Land kommt. Nachdem er eine Flosse ins Wasser des Aquaparks geworfen hat, hat sich Balu vom Sprung überzeugen lassen. Nach mehreren unbeholfenen Versuche des Vierbeiners, die Flosse ins Maul zu nehmen, durfte sich Gabriel an dessen Rettungsweste festhalten und ließ sich von Balu ins Trockene bringen. Später, wenn Balu seine Ausbildung zum Wasserrettungshund abgeschlossen hat, soll er genau das mit in Not geratenen Badegästen machen. "Dann schwimme ich mit dem Hund raus, bewege mich alleine vor bis zum Patienten, spreche ihn an, sammle ihn ein und gebe Balu ein Kommando. Der kommt dann zu mir und zieht uns beide an Land", erklärt Hundeführer Gabriel den Ablauf einer Rettungsaktion. "Der Hund gibt mir den Riesenvorteil, dass ich eigentlich gar nicht mehr schwimmen muss." Gabriel kann sich so vor allem auf die Patientenversorgung konzentrieren. Und er ist schneller an Land: In weniger als zehn Minuten könne ein gut ausgebildeter Rettungshund den Aquapark durchqueren, schätzt Gabriel. Balu wird in den kommenden eineinhalb bis zwei Jahren dazu ausgebildet, ein oder zwei Personen, im Extremfall aber sogar ein ganzes Boot inklusive Besatzung aus dem Wasser zu ziehen.

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Zweimal die Woche fahren Gabriel und Hund Balu zum Trainieren ans Wasser

Noch ist der 14 Monate alte "Goldador" davon weit entfernt. Verspielt hüpft er auf dem Boot herum, klettert auf Sitze, schaut übers Wasser, und wenn er nervös wird, beißt er in die Seile an Bord. Im Wasser macht sein Hundeführer Gabriel Wettrennen mit ihm und wirft ihm einen kleinen, rot-weißen Leuchtturm zu, Balus Lieblingsspielzeug. "Wir probieren jetzt viel aus und tasten uns langsam heran", sagt Robert Gabriel. "Im November erst hat er plötzlich mit Schwimmen angefangen, nachdem wir es wochenlang erfolglos probiert haben. Jetzt kommt nach und nach mehr dazu." Zweimal die Woche fahren Gabriel und Balu ans Wasser, um Ausdauertraining oder Rettungsspielchen zu machen.

Der 51-jährige Rettungsschwimmer ist selbst erst seit zwei Jahren bei der Wasserwacht, vergangenes Jahr stieß er dann über Reportagen auf die Wasserrettungshunde. "Zuerst kam die Idee, dann erst die Erkenntnis, dass es bisher kaum welche gibt", so Gabriel lachend. Wasserrettungshunde haben noch keine lange Tradition, in Deutschland hat die Wasserwacht Augsburg die bisher einzige Hundestaffel. Europaweit sind die Italiener absolute Vorreiter, dort gibt es sogar eine Ausbildungsschule. Gabriels Kollegen bei der Moosburger Wasserwacht waren anfangs dementsprechend skeptisch. "Ich musste mir so etwas anhören wie: 'Spinnst du, wie soll das gehen?' oder 'Das kostet Geld, das kostet Zeit'", erinnert sich der Hundeführer. Dann kam Balu, und je mehr Zeit und Geld Gabriel in seine Ausbildung investierte, desto geringer wurde die Skepsis. "Heute stehen alle voll hinter mir und wollen sich einbringen."

Die Badegäste sind oft noch skeptisch

Bei der Bevölkerung, so der 51-Jährige, muss er die gleiche Skepsis erst noch abbauen. "Balu ist nur noch mit Rettungsweste an den Seen und Weihern unterwegs. Es gab anfangs öfter Beschwerden, weil Hunde an Badeseen verboten sind", erzählt er. Weil immer wieder komische Blicke und unfreundliche Reaktionen kommen, muss Gabriel viel mit den Leuten reden, viel erklären. "Zum Beispiel, dass wir damit mehr Sicherheit bieten wollen." Balu und er könnten als eigenes Wachteam dann an den Weihern im Landkreis unterwegs sein, wo es keine Wachstation gibt. Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und Balu bekannter zu machen, hat die Moosburger Wasserwacht für den 27. Juni eine Vorführung im Aquapark geplant, gemeinsam mit dem Wasserrettungshundeteam aus Augsburg. Nächstes Jahr dann, im September, will Gabriel mit Balu die Abschlussprüfung machen. Wenn es klappt, wird der Goldador der erste Wasserrettungshund in Freising. Aber wenn die Rettungsweste ausgezogen ist, soll Balu immer auch Familienhund bleiben. Wenn man ihn im Gras mit Gabriels Kindern tollen sieht, hat man daran keinen Zweifel.

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