Landtagswahlkampf Auf Schusters Rappen zum Wähler

Zusammen mit seinem Freund Bernhard Hrodek (links) hat Grünen-Landtagskandidat Johannes Becher (rechts) den Landkreis durchwandert. Auch Parteikollege und Neufahrner Bürgermeister Franz Heilmeier (Mitte) begrüßte ihn.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Grünen-Landtagskandidat Johannes Becher wandert in einer guten Woche 166 Kilometer durch den Landkreis.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Irgendwann ist Johannes Becher aufs elektrische Radl umgestiegen. Nur ganz kurz. Die Verlockung war zu groß. Der 29-Jährige hat dann auf der Grünecker Straße so richtig Gas gegeben. 100 Meter in die eine Richtung, 100 Meter in die andere. "Super", stellt er begeistert fest, als er das Test-E-Bike wieder vor dem Fahrradgeschäft abstellt, "das waren bestimmt 30 km/h". Ein letzter leicht sehnsüchtiger Blick auf die "Power-Modus"-Schalter am Lenker - dann schultert Johannes Becher seinen Rucksack wieder und marschiert weiter. Mit gut sechs Stundenkilometern, wie er inzwischen aus Erfahrung weiß.

Acht Tage lang hat der Landtagskandidat der Grünen seinen Wahlkreis erwandert. Begleitet wurde der Moosburger bei seiner ungewöhnlichen Wahlkampf-Aktion von seinem Spezl Bernhard Hrodek. Die beiden hatten sich das zu später Stunde in einer Kneipe ausgedacht. "Und danach hat mich keiner mehr davon abgehalten", sagt Becher lachend. Als er am Samstag in Neufahrn ankommt, hat er schon 166 Kilometer durch 19 Gemeinden und eine ganz besonders anstrengende "Marathonetappe" hinter sich: Am Tag davor ist er nach der Übernachtung im Schloss Hohenkammer über Kranzberg, Kammerberg und Fahrenzhausen nach Eching gegangen. 37 Kilometer. Mit den Betreibern eines Dorfladens und eines Windrads hat er dabei ebenso gesprochen wie mit Vertretern eine Bürgerinitiative gegen die dritte Startbahn.

"Es geht mit gut", versichert er braun gebrannt am Tag sieben.

Am Ortseingang von Neufahrn empfangen ihn seine Parteikollegen, Bürgermeister Franz Heilmeier, Kreistags-Fraktionssprecherin Claudia Bosse, Vertreter der Ortsgruppe und eine Radlerin, die ihn "einfach mal sehen" wollte. Der Treffpunkt ist durchaus mit Bedacht gewählt. Blick nach Norden: das frühere Müller-Brot-Gelände, das jetzt von einem guten Dutzend anderer Firmen genutzt wird. Blick nach Süden: das ehemalige Avon-Areal, das zum Gewerbepark "Nova Neufahrn" geworden ist. Auch für Becher ist der kleine Gewerbepark ein Musterbeispiel dafür, wie drohende Industriebrachen mit neuem Leben erfüllt werden können und neues Gewerbe ohne weitere Flächenversiegelung angesiedelt wird: "Da sind Ökonomie und Ökologie im Einklang", sagt er. Auf seiner Wanderung durch den Landkreis hat er auch andere Fälle gesehen, wie er erzählt.

Seine Aktion macht ihm sichtlich Spaß. Es geht mir gut", versichert er braun gebrannt am Tag sieben, während er seine Brille am verschwitzten Hemd poliert. "Aber die Füße sind brutal, drei Packerl Blasenpflaster hab ich schon verbraucht", erzählt Becher schmunzelnd, "aber die helfen irgendwie auch nicht mehr." Zweite Station in Neufahrn ist das Fahrradgeschäft an der Grünecker Straße. Inhaber Frank Röckemann nutzt die Gelegenheit, um den Mann, der ins Maximilianeum einziehen will, auch gleich auf Europa-Themen aufmerksam zu machen. Es geht um Pläne der EU-Kommission, E-Bike-Besitzern den Abschluss von Haftpflichtversicherungen vorzuschreiben. Eine Katastrophe wäre das für ihn, sagt Röckemann, der Einbußen gerade in dem Bereich fürchtet, der momentan richtig gut läuft.

Auch Becher ist auf den Geschmack gekommen, zumal er ohnehin auch noch eine Radltour zu Firmen im Landkreis plant: "Becher läuft, Becher radelt, wenn ich jetzt noch schwimmen würde, würde ich mich für den Triathlon anmelden". Sagt´s und marschiert weiter zur Neufahrner Sozialstation vor der nächsten Etappe nach Hallbergmoos.

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