Bei einem Unfall auf der A 9, bei dem vor wenigen Tagen ein Lastwagenfahrer schwer verletzt im Führerhaus eingeklemmt war, musste die Feuerwehr Allershausen "leider Bekanntschaft mit der Dummheit anderer Mitbürger machen", wie sie später auf Facebook gepostet hat.
Ein "unverfrorener Gaffer", der sich 200 Meter hinter der Einsatzstelle im Stau befand, machte sich zu Fuß auf den Weg und fotografierte die Rettungsmaßnahmen. Die Feuerwehr unterband dies und informierte die Polizei über diesen Vorfall.

Die Freisinger SZ fragte beim stellvertretenden Kommandanten Andreas Glück nach, der den Einsatz leitete. Auch beruflich ist er viel auf Autobahnen unterwegs, weil er bei der Autobahndirektion arbeitet.
SZ: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Menschen Fotos von schweren Unfällen machen?
Glück: Das frage ich mich seit Langem. Dieses Phänomen wird immer schlimmer, seit es Smartphones gibt. Wenn eine Familie mit Wohnwagen vorbeifährt und rausfotografiert - wird dies das Titelbild des Fotoalbums aus dem Urlaub? Das schaut sich doch keiner an. Neugierig sind wir alle ein bisschen. Aber der eine schaut kurz hin und wieder weg, der andere geht 200 Meter zu Fuß nach vorne und fotografiert. Erklären kann ich das nicht.
Was können Polizei und Rettungskräfte dagegen tun?
Bei einem tödlichen Unfall vor kurzem auf der A 9 hat die Polizei den einen oder anderen Gaffer rausgezogen. Doch während sie mit dem beschäftigt ist, fahren zehn weitere vorbei. Da könnte man nichts anderes machen. Bei schweren Unfällen hat man oft aber gar keine Zeit dafür. Dann gibt es noch die Seitenstreifenfahrer und die Rettungsgassenverweigerer - da wirst du eigentlich verrückt. Entweder die Leute kapieren es nicht oder aber, und das glaube ich, es ist der zunehmende Egoismus. Wenn es um eingeklemmte oder tödlich verletzte Personen geht, hört der Spaß aber auf. Es ist schon passiert, dass Familien über soziale Netzwerke erfahren haben, dass ein Angehöriger tödlich verunglückt ist. Da verstehst Du doch die Welt nicht mehr. Jeder muss sich fragen: Möchte ich das?
Personalien aufnehmen reicht offenbar nicht.
In der Autobahndirektion haben wir diskutiert, ob es etwas bringt, Sichtschutzwände aufzubauen. In Bayern gibt es bisher zwei solche Hänger mit Sichtschutzzäunen. Aber oft kommt ja schon die Feuerwehr nicht durch zur Unfallstelle, geschweige denn die Autobahnmeisterei, die nur ein gelbes Signallicht hat. Das interessiert doch gar keinen. In heißen Phasen hat außerdem keiner Zeit, einen Sichtschutz aufzubauen.
Was bleibt dann noch?
Man müsste die Strafen deutlich erhöhen. Bisher geht das bis 200 Euro, bei der Behinderung von Einsatzkräften sind es bis zu 1000 Euro. Doch Geldstrafen schrecken die Leute nicht ab. Wenn sie vier Wochen zu Fuß gehen müssten - das würde helfen.
