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Freising:"Solidarisches Netzwerk" schlägt Camp an der Johannisstraße auf

Die Gemeinschaft steht im "Solidarischen Zeltlager" des Netzwerks SNF an der Johannisstraße in Freising im Vordergrund.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das aus Klimaschutz-Demos hervorgegangene Netzwerk SNF macht auf seine Anliegen aufmerksam.

Erste Zelte konnte man am Samstag gegen 13 Uhr schon im Park an der Johannisstraße sehen. Eine kleine improvisierte Küche und eine große Feuerstelle in der Mitte der Wiese waren ebenfalls bereits aufgebaut. "Die haben wir gestern schon benutzt", sagte Clemens vom Solidarischen Netzwerk Freising (SNF), einer Vereinigung unterschiedlicher aktivistischer Gruppen, die das solidarische Zeltlager gemeinsam organisieren, das noch bis Donnerstag, 26. September, stattfindet.

Die Mitglieder der Vereinigung wünschten sich, nur mit Vornamen genannt zu werden. "Wir wollen gerne betonen, dass es uns besonders um die Gemeinschaft geht und nicht so sehr darum, jemanden Einzelnen hervorzuheben", erklärte Gregor, Pressesprecher des Netzwerkes, diese Entscheidung.

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Er erzählte, dass die Gruppe sich vor allem über die Klimaschiene und die vielen Demonstrationen im Zuge von "Fridays For Future" kennengelernt habe, die voriges Jahr stattgefunden haben. "Wir haben gemerkt, dass wir neben dem Klimathema auch viele andere gemeinsame politische Interessen haben", sagte Gregor. Um diese zu teilen und unterschiedliche aktivistische Organisationen untereinander zu vernetzen, sei SNF schließlich im August entstanden. Seither veranstaltet die Gruppe an jedem letzten Donnerstag im Monat ein Plenum im Campusgarten Knosporus, Langepoint 14. Im Winter werde es voraussichtlich in die Hochschulgemeinde verlegt, erklärte Gregor.

Ein Programmpunkt: Gemeinsam Fahrräder reparieren

Bisher seien einige Studierende, aber auch Menschen in Rente sowie Schüler und Schülerinnen dabei. "Wir sind für alle offen, beim Plenum und auch hier beim Camp", betonte Mario von SNF. Er war gerade dabei, einen Büchertransport von sich zu Hause zum Zeltlager zu organisieren. Die Bücher sollten dann neben Kleidern in einem Schrank zum Tauschen und Teilen bereitgestellt werden. Dieser müsse noch bemalt und aufgebaut werden, erklärte Mario. Eine eigene Werkzeugkiste habe er dafür schon hergebracht. Gregor verwies auch auf einige weitere Veranstaltungen und Workshops, die in dieser Woche im Rahmen des Lagers stattfinden sollten. "Heute Nachmittag werden wir eine eigene Werkstatt aufbauen", sagte er und zeigte zum hinteren Teil des Parks, wo diese bald stehe. Dort werde es dann die Möglichkeit geben, gemeinsam kaputte Fahrräder zu reparieren.

Außerdem werde man auch Nähmaschinen bereitstellen, um alte Klamotten nähen und wiederverwerten zu können, damit man sich nicht so viel Neues kaufen müsse. Auch Vorträge zu unterschiedlichen Themen seien geplant. Beispielsweise über Permakultur. "Es ist eine Lebensphilosophie, deren Ziel es ist, mit dem, was man hat, etwas maximal Positives zu schaffen", sagte Gregor. Er erklärte, dass sich das Wort vor allem auf ein Konzept in der Landwirtschaft beziehe, in dem es darum gehe, Ökosysteme in der Natur zu beobachten und nachzubilden. "Man kann es aber auf alles übertragen, auch auf die eigene Seele", erläuterte der Pressesprecher der Gruppe.

Umweltschutz ist nicht das einzige Anliegen der Gruppe

Er erzählte auch, dass sie in ihrer Vereinigung gewisse Anliegen hätten. Neben dem Kampf gegen Fremdenhass und die Benachteiligung von Frauen, der ihnen besonders am Herzen liege, gebe es in der Gruppe zum Beispiel auch einige Vegetarier und Veganer - und sie alle seien kritisch gegenüber dem Thema Konsum eingestellt. Allerdings gehe es ihnen nicht darum, Vorwürfe und Vorschriften zu machen oder jemanden einzuschränken. "Wir wollen einfach zeigen, wie schön es ist, wenn man sich darüber definiert, solidarisch mit anderen zusammenzuleben", betonte Gregor.

Das SNF hat, wie er erklärte, noch keine eigene Webseite, doch die ist gerade im Entstehen. Auch ein Kalender ist vorgesehen, auf dem in Zukunft bevorstehende aktionistische Veranstaltungen und Demonstrationen notiert werden sollen. Eine eigene E-Mail-Adresse hat das Netzwerk bereits. Sie lautet: snf@riseup.net. Das solidarische Zeltlager steht jeden Tag von 14 Uhr an für Besucher und Besucherinnen offen. "Alle Informationen für geplante Vorträge und Veranstaltungen werden die nächsten Tage hier bereitgestellt", sagte Gregor.

Eine junge Frau kam schließlich mit ihrem Sohn auf der Wiese vorbei und erzählte, dass sie von ein paar Mädels beim Kriegerdenkmal erfahren habe, was hier stattfinde. "Super schön, dass ihr das macht, es wäre cool, wenn das hier immer so wäre", sagte sie, nachdem sie sich umgesehen hatte. Die Frau versicherte, dass sie wiederkommen werde, bevor sie sich verabschiedete.

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