Umweltfreundliche AlternativenDas Kreuz mit dem Christbaum

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Viele Familien wünschen sich umweltfreundliche Exemplare ohne Pestizideinsatz oder Tannen, die man anschließend in den Garten verpflanzen kann. Doch die sind im Landkreis gar nicht so einfach zu finden.

Von Nadja Tausche, Landkreis

Bei Plastiktüten und Coffee-to-go-Bechern ist sie zum Standard geworden, bei Christbäumen eher nicht so: die Frage, wie man weniger davon verbrauchen kann. Acht bis zehn Jahre wächst der durchschnittliche Tannenbaum, bevor er gefällt wird. Nach einigen Tagen im deutschen Wohnzimmer hat der Baum schon wieder ausgedient und wird entsorgt. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, den Christbaumkauf umweltfreundlicher zu gestalten. Eine davon: ein Exemplar mit Wurzeln kaufen.

"So hat man lange Zeit einen nachhaltigen Christbaum", wirbt Bernhard Brenninger, der im Landkreis Erding solche Bäume anbietet, für das Konzept. Dabei kauft der Kunde einen Baum mitsamt Wurzelballen und stellt ihn zu Weihnachten in einer Holzkiste mit Sägespänen im Wohnzimmer auf. Später könne er ihn im Garten auspflanzen. Das Geschäft mit den lebenden Christbäumen laufe an seiner Baumschule gut: Die Verkaufszahlen steigen seit Jahren an, berichtet Brenninger. Trotzdem bietet er seit einiger Zeit auch die klassischen, gefällten Bäume an. "Die Leute kaufen viel öfter die geschnittenen Bäume", sagt er. Das liege unter anderem am Preis: Der Baum mit Ballen koste bei ihm rund das Dreifache.

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Die Wurzeln dürfen nicht einfach abgeschnitten werden

Sepp Fischer dagegen hält von der Idee des Christbaums mit Wurzeln nicht viel. Er pflanzt Christbäume auf einer Fläche von rund acht Hektar an, Fischer liefert von Attenkirchen ins gesamte Münchner Umland und bis in die Stadt selbst. Zu seinen Kunden gehören auch Kommunen, die größere Exemplare etwa vor dem Rathaus aufstellen: 20 bis 25 Jahre wachse ein solcher Baum vor dem Fällen, so Fischer. Das Problem mit den lebenden Christbäumen sei, dass die Wurzeln oft einfach per Maschine abgeschnitten würden. "Bei einem ein Meter großen Baum geht die Wurzel einen Meter in die Tiefe", erklärt er: zu lang, um in einen Topf zu passen. Das Konzept funktioniere nur, wenn der Baum von Anfang an im Topf gezogen werde - und auch dann nur mit bestimmten Baumsorten.

Auch Brenninger sagt: Die Wurzel abzuschneiden, habe keinen Sinn. Trotzdem sind solche Bäume auf dem Markt erhältlich, berichtet er: "Das große Problem ist: Es gibt beides." Die sogenannten gestochenen Bäume stünden im Verkauf oft neben solchen mit Ballen, "da muss man einem Laien erst mal den Unterschied klarmachen". Während der Baum mit abgeschnittenen Wurzeln bald absterbe, habe das Exemplar mit Ballen sehr wohl Überlebenschancen. Zwei bis drei Mal grabe er den Baum aus und wieder ein, so formen sich die Wurzeln nicht in die Breite, sondern als eine Art Kugel, erklärt er. Als praktischen Tipp weiß Brenninger: Wird der Baum nach Weihnachten einfach von drinnen in den Garten umgepflanzt, stirbt er ab. Stattdessen müsse man wegen des Temperaturunterschieds in einzelnen Schritten vorgehen: "Raus aus dem Zimmer, rein in die Garage - und danach im Garten an eine Stelle, wo die Sonne hinscheint", erklärt er. Den Baum könne man im nächsten Jahr ausgraben und erneut ins Wohnzimmer stellen, zwei bis drei Jahre in Folge.

Bäume wählen, die sowieso gefällt werden sollen

Wer im Garten keinen Platz für eine Tanne hat, seinen Christbaum aber trotzdem nicht extra für Weihnachten fällen lassen will, der hat eine andere Option: Mit dem örtlichen Förster durch den Wald gehen und sich einen Baum aussuchen, der sowieso gefällt werden soll. "Wenn Bäume zu dicht stehen, muss man einige von ihnen rausnehmen", erklärt Christine Margraf, stellvertretende Vorsitzende beim Bund Naturschutz (BN) in Freising: Sonst behindern sie sich gegenseitig im Wachstum. Der Bund Naturschutz organisiert in Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern vor Weihnachten entsprechende Begehungen, so Margraf, etwa im Landkreis Roth bei Nürnberg. Im Landkreis Freising gebe es aber zumindest in diesem Jahr keine.

Der Grund dafür: "Diese Bäume sind selten so schön, dass man sie sich ins Wohnzimmer stellt", erklärt Alfred Fuchs, Leiter des Freisinger Forstamts. Das Forstamt fällt meist die Bäume, die zu wenig Licht abbekommen. Dementsprechend schief seien sie, erklärt Fuchs, oder sie tragen kein dichtes Nadelkleid. Noch ein zweites Problem sieht er an dem Konzept: Um die Bäume im großen Stil zu vermitteln, müssten Dutzende seiner Mitarbeiter mit den Käufern durch die Wälder streifen. "Es ist ein sehr aufwendiger Akt." Dass sich diese Art von Begehungen für die Waldbesitzer wirtschaftlich nicht auszahle, weiß auch BN-Waldexperte Ralf Straußberger. Trotzdem werbe man bei Waldbesitzern für die Aktionen: Schließlich seien die Tannen direkt aus dem Wald nicht mit Pestiziden behandelt und somit automatisch Biobäume.

Wer keinen lebenden Christbaum und keinen aus dem Wald kaufen will, dem rät Straußberger, Bäume von Plantagen auszuwählen, auf denen nach Bio-Richtlinien angebaut wird. So setze man sich zumindest gegen den Einsatz von Pestiziden ein.

© SZ vom 18.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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