LuftverkehrStudie bestätigt Verschmutzung durch Ultrafeinstaub

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Aus den Triebwerken der Flugzeuge entweichen ultrafeine Partikel, die als gesundheitsgefährdend eingeschätzt werden.
Aus den Triebwerken der Flugzeuge entweichen ultrafeine Partikel, die als gesundheitsgefährdend eingeschätzt werden. (Foto: Marco Einfeldt)

Untersuchung des Umweltbundesamtes in Berlin ergibt eine erhebliche Belastung mit ultrafeinen Partikeln an Flughäfen und in deren Umgebung.  Der Freisinger Bürgerverein nennt die Ergebnisse  1:1 übertragbar auf München und fordert einmal mehr Messungen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Seit vielen Jahren befasst sich der Bürgerverein Freising mit den ultrafeinen Partikeln (UFP), die am Münchner Flughafen mit den Triebwerksabgasen entstehen, und warnt vor den damit verbundenen Gesundheitsgefahren für die Menschen im Flughafenumland. Jetzt sieht der Verein seine Messungen durch eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin bestätigt: „Flughäfen sind UFP-Hotspots“, so die Folgerung in einer aktuellen Mitteilung des Bürgervereins. Die Erkenntnisse aus Berlin seien „1:1 auf München übertragbar“.

Die Studie des UBA in Berlin laufe seit 2020, heißt es in der Mitteilung. Ziel sei es gewesen, die Ausbreitung der von Flughäfen ausgehenden ultrafeinen Partikel zu modellieren. Mitte Mai habe das UBA bei einem Abschluss-Workshop Ergebnisse der aktuellen Studie vorgestellt. Diese bestätige, „dass Flughäfen und ihre Umgebung in erheblichem Umfang mit ultrafeinen Partikeln kontaminiert sind, die aus den Triebwerksabgasen herrühren“, so der Bürgerverein.

Für das Projekt sei beispielsweise auch im Umfeld des alten Berliner Flughafens Tegel gemessen worden, ergänzt der Vorsitzende des Bürgervereins, Wolfgang Herrmann. Dort sei noch bis November 2020 geflogen worden, danach zeigten die Daten, dass die Konzentration an ultrafeinen Partikeln rund um Tegel fast vollständig zurückgegangen sei: „Das ist alles weg.“ Stattdessen habe sich der UFP-Hotspot zum neuen Flughafen verlagert.

Etwa 50 Prozent dieser ultrafeinen Partikel stammten aus dem Rollverkehr der Flugzeuge, wie die Berliner Studie weiter gezeigt habe. Da mit schwefelarmem Kerosin die Belastungen erheblich reduziert werden könnten, leite das Umweltbundesamt daraus unmittelbar den Ruf ab, den Schwefelgehalt im Kerosin zu senken – eine Forderung, die der Freisinger Bürgerverein seit Jahren erhebt.

Obwohl wissenschaftliche Studien in Triebwerksabgasen beziehungsweise ultrafeinen Partikeln ausnahmslos hohe Gesundheitsrisiken sähen, gebe es außer einem Richtwert der WHO bisher keine gesetzlichen Grenzwerte, kritisiert der Bürgerverein weiter. Ein Grund dafür sei die mangelhafte Datengrundlage. Seit 2017 fordere der Verein deshalb UFP-Messungen direkt am Münchner Flughafen. Seit Herbst 2024 gebe es sogar eine EU-Luftqualitätsrichtlinie, nach denen die Partikel an Hotspots gemessen werden müssten, so Herrmann.

Flughafenbetreiber lehnen Messungen direkt am Flughafen bisher ab

Die FMG als Betreiberin des Münchner Flughafens lehne Messungen am Flughafen selber aber mit den unterschiedlichsten Begründungen ab – obwohl ihre bestehenden Messcontainer Herrmann zufolge sehr leicht entsprechend nachgerüstet werden könnten.  Der Bürgerverein wirft der Betreibergesellschaft deshalb vor, „den Erkenntnisgewinn aktiv zu behindern“.

Mit Blick auf die betroffenen Anwohner sowie die am Flughafen Beschäftigten hoffe man, dass die bereits vorhandenen Maßnahmen zur Reduzierung der gesundheitsschädlichen Belastungen durch Triebwerksabgase jetzt zügig umgesetzt werden, schreibt der Bürgerverein abschließend – „und dass die FMG diesen Prozess zukünftig aktiv mit trägt“. Neben dem Einsatz von schwefelarmen Kerosin gehe es um den Einsatz von Taxibots zum Schleppen der Flugzeuge und die Ausstattung aller Flughafengebäude mit entsprechenden Filteranlagen.

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