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Überschwemmungen in der Heiliggeistgasse in Freising:Teure Nachbesserungen

Im Jahr 2019 stand das Wasser in der Heiliggeistgasse 40 Zentimeter hoch.

(Foto: Marco Einfeldt)

Hochwasserschutzmaßnahmen für Freisings Innenstadt würden bis zu acht Millionen Euro kosten

Bei starken Regenfällen gibt es vor allem in der Heiliggeistgasse Probleme mit Überschwemmungen. Aber auch in Oberer und Unterer Hauptstraße kann der Kanal die Wassermassen nicht immer aufnehmen. In der jüngsten Sitzung des städtischen Planungsausschusses stellte Bauingenieur Martin Niedenzu ein Bündel von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vor. Deutlich wurde dabei auch: Eine Umsetzung ist teuer - Niedenzu sprach von bis zu acht Millionen Euro. Einen hundertprozentigen Schutz aber wird es bei extremen Niederschlägen selbst dann nicht geben. Ein Beschluss ist noch keiner gefallen.

Ziemlich genau vor einem Jahr stand das Wasser in der Heiliggeistgasse etwa 40 Zentimeter hoch und überflutete Wohnungen und Geschäftsräume, wie Anwohner damals beklagten. Sie machten dafür die zu engen Kanäle und den Wegfall der Gehweg-Randsteine - als Barriere - bei der Innenstadt-Neugestaltung verantwortlich.

Der Hauptsammler in der Hauptstraße nimmt sowohl das Abwasser aus den Häusern als auch das Regenwasser auf. Problem ist laut Niedenzu das geringe Gefälle auf der einen Kilometer langen Strecke. Aus den steilen Seitengassen und vom Domberg drückt darüber hinaus schnell Wasser nach und es kommt in der Unteren Hauptstraße zu einem Rückstau. Berechnungen des Bauingenieurs haben ergeben, dass sich für die Heiliggeistgasse eine Abkopplung des Dombergs dennoch kaum auswirken würde.

Er schlägt letztendlich eine Kombination von drei Maßnahmen vor: Unter dem Marienplatz und dem Parkplatz hinter der ehemaligen Knabenschule am Christopher-Paudiß-Platz könnten zwei unterirdische Rückhaltebecken - 200 Quadratmeter große "Badewannen" - geschaffen werden, die jeweils bis zu 800 Kubikmeter Wasser aufnehmen können. An der Karlwirt-Kreuzung soll außerdem eine Verbindung zum Umgehungssammler geschaffen werden. Größere Rohre könnten dagegen nicht so einfach verlegt werden, sagte Niedenzu, weil es im Untergrund durch diverse Versorgungsleitungen bereits ziemlich eng sei. Außerdem entstünden ebenfalls sehr hohe Kosten. Für den Bereich der Unteren Hauptstraße würden nach seinen Worten etwa 4,5 Millionen Euro anfallen. Darüberhinaus würde dies zu einer zusätzlichen Belastung der Moosach führen.

Robert Weller (FW) sprach sich dafür aus, die drei empfohlenen Vorschläge auszuführen. "Die acht Millionen Euro tun weh", sagte er, "aber die Regenereignisse nehmen zu". Es sei ein Makel, wenn die Innenstadt neu gestaltet sei und dort dann das Wasser stehe. Karl-Heinz Freitag (FW) wollte wissen, zu was die Stadt verpflichtet sei. Alles andere solle man angesichts der Corona-Krise schieben. Bernhard Knopek, Leiter der Stadtentwässerung, sagte, ein sogenannter dreijährlicher Regen sei abgedeckt. Die Stadt sei aber verpflichtet nachzubessern, "wenn sich zeigt, dass die Realität anders aussieht".

Das Becken unter dem Marienplatz könnte laut Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) parallel zur Neugestaltung dieses Bereichs im Zuge der Innenstadtsanierung geschaffen werden. Wirkliche Entlastung für die Heiliggeistgasse wird aber nur ein zusätzlicher Speicher bei der Knabenschule bringen, das machte Niedenzu deutlich. Rudi Schwaiger (CSU) forderte, dass dieses Projekt Priorität haben müsse. Charlotte Reitsam (Grüne) schlug vor, einfach einen Überlauf am Paudiß-Platz zu schaffen, damit dort Wasser zurückgehalten werden kann. Allerdings müsste dafür das Abwasser vom Regenwasser getrennt werden. Zusätzliches Oberflächenwasser, wie von Anton Frankl (FSM) vorgeschlagen, in die Moosach zu leiten, habe keine Chance auf Genehmigung, erläuterte Knopek.

© SZ vom 22.06.2020

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