München-Landshut:Viergleisiger Ausbau wird geprüft

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München-Landshut: Zwischen Neufahrn und Pulling werden aktuell die Gleise erneuert. Der Freistaat denkt aber offenbar wieder ernsthaft über einen viergleisigen Ausbau der Strecke München-Landshut nach.

Zwischen Neufahrn und Pulling werden aktuell die Gleise erneuert. Der Freistaat denkt aber offenbar wieder ernsthaft über einen viergleisigen Ausbau der Strecke München-Landshut nach.

(Foto: Marco Einfeldt)

Allen Beteuerungen zum Trotz hat Bayerns Verkehrsministerium für die Bahnstrecke eine Studie in Auftrag gegeben. Eine Trasse entlang der A 92 gilt als weitere Option.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Während aktuell die Schienen zwischen Feldmoching und Freising noch aufwendig saniert werden, plant das bayerische Verkehrsministerium offenbar schon einen Ausbau der Strecke. Die Bahnlinie München-Landshut soll möglicherweise doch viergleisig werden. Untersuchungen laufen, das Projekt soll in die nächste Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans Einzug finden.

War die Notwendigkeit eines Gleisausbaus Ende der 1980er Jahre noch als unumgänglich angesehen worden, hatten Bahn und Freistaat zuletzt jahrelang beteuert, der von den Gemeinden entlang der Bahnlinie gefürchtete Ausbau sei nicht mehr nötig. Im amtlichen "Lärmaktionsplan Schiene" unter Federführung der Bezirksregierung ist ein Ausbau definitiv nicht erwähnt - und den Anliegerkommunen, die sich um Verbesserung des Lärmschutzes entlang der Gleise bemühen, haben Mandatsträger quer durch alle Hierarchieebenen seit Jahren konstant versichert, an einen Ausbau sei nicht gedacht.

Bei der Bürgerinitiative "Bahn im Tunnel" (BIT) etwa liegen diesbezügliche Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr von 2012, von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von 2014 und von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter von 2016 vor. Tatsächlich aber hat das bayerische Verkehrsministerium bereits im Vorjahr eine Studie zu einem möglichen viergleisigen Ausbau in Auftrag gegeben. "Dem Freistaat ist daran gelegen, die Streckenleistungsfähigkeit zu steigern", begründet das Gabriele Dorby, Sprecherin des Ministeriums, auf Anfrage.

Die Bahnstrecke München - Freising - Landshut sei eine der am stärksten ausgelasteten Bahnstrecken im bayerischen Bahnnetz. Angebotsausweitungen der S-Bahn, die mit Fertigstellung der zweiten Stammstrecke umsetzbar würden, seien "auf dieser Strecke kaum noch möglich". Auch die Betriebsqualität sei "am Anschlag", was die leidgeprüften Pendler in der S1 nur bestätigen können. Bayern habe daher beantragt, den Ausbau der Strecke in den Bundesverkehrswegeplan für 2030 aufzunehmen, "um eine bedarfsgerechte Entwicklungsperspektive zu schaffen", so die Sprecherin.

Aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin wird bestätigt, dass "auf Wunsch des Freistaates Bayern die grundsätzliche Frage eines viergleisigen Ausbaus in diesem Bereich nochmals geprüft wird". Der Ausbau solle nach den bayerischen Vorstellungen im europäischen Schienenprojekt München - Prag oder im Kontext des Großknotens München berücksichtigt werden. Dazu hat der Freistaat den Ausbau "der Bedeutung der Strecke entsprechend" auch in das eigene Programm "Bahnausbau Region München" aufgenommen. Darin sollen im Vorgriff etwaiger Maßnahmen des Bundes "mögliche Teillösungen zur Steigerung der Streckenleistungsfähigkeit untersucht und aufgezeigt werden". Ausdrücklich offen ist dabei, ob die zweigleisige Trasse erweitert oder eine zweite Gleistrasse in etwa entlang der Autobahn A92 geführt wird. Diese Option geistert durch die Debatten, seit für die 2000 bis 2008 verfolgten Pläne eines Transrapids von München zum Flughafen ein Schienenstrang in etwa entlang der A92 projektiert wurde. Gegen den Transrapid hatten die Anliegergemeinden auch mit der Argumentation einer Untauglichkeit der Strecke mobil gemacht.

Bei der Bürgerinitiative BIT ist man reichlich konsterniert über die Pläne. "Ein viergleisiger Ausbau in den Gemeinden wurde expressis verbis ausgeschlossen", erinnert ihr Vorsitzender Peter Benthues aus Oberschleißheim. Die "BIT" werde "daran festhalten, dass bei einem Ausbau nicht meterhohe Lärmschutzwände unsere Gemeinden zerstören, sondern Tunnellösungen zum Schutz der örtlichen Bevölkerung durchgesetzt werden".

Das Verkehrsministerium hat Ergebnisse der Untersuchungen für die zweite Hälfte 2019 angekündigt.

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