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Über 200 Schweine verendet:Tierrechtsorganisation erstattet Anzeige

Sauenstall

Weil die Lüftung ausfiel, sind in einem Stall in Nandlstadt 213 Schweine verendet (Symbolbild).

(Foto: dpa)

Im Fall der 213 verendeten Tiere in einem Stall in Nandlstadt hält Peta grobe Fahrlässigkeit des Betriebs für möglich.

Der Fall der erstickten Schweine in einem Mastbetrieb in Nandlstadt hat Konsequenzen. Weil die Lüftung in einem Teil des Stalles ausgefallen war, sind Mitte Juni insgesamt 213 Tiere verendet - jetzt hat die Tierrechtsorganisation Peta Anzeige erstattet. Der Verdacht: grobe Fahrlässigkeit bei der Instandhaltung und der Prüfung der Stalltechnik. Die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Landshut laufe gegen Unbekannt, sagt Lisa Kainz, bei Peta zuständig für Tiere in der Ernährungsindustrie: "Das liegt daran, dass wir den Landwirt nicht kennen."

Die Lüftung war in einem Teil des Schweinemastbetriebs in der Nacht zum 14. Juni ausgefallen. Auch die Alarmanlage und ein Notstromaggregat - sofern eines vorhanden war - funktionierten nicht. Warum, wird derzeit untersucht. Das Veterinäramt wartet noch auf die Stellungnahme eines Ursachenermittlers, den die Versicherung beauftragt hat. "Davon hängt ab, ob das Veterinäramt weitere Schritte unternimmt oder auch nicht", erklärt Robert Stangl von der Pressestelle des Landratsamts Freising. Sollte sich herausstellen, dass der Landwirt fahrlässig gehandelt habe, sei eine Anzeige denkbar.

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Technische Defekte entstehen laut Peta oft aus Nachlässigkeit

Laut der Tierrechtsorganisation Peta hängen Brände und technische Probleme in Ställen teilweise mit wirtschaftlichen Gründen oder auch mit Nachlässigkeit zusammen. Das zeige die Praxis, sagt Kainz: So würden etwa Stromquellen nicht richtig gesichert oder Kabel nicht an allen Stellen ordentlich verbaut. "Je aktueller der technische Stand, desto häufiger fallen teure Umbauarbeiten an." Die Stalltechnik werde außerdem zu selten kontrolliert, kritisiert sie. Ob der Landwirt in Nandlstadt tatsächlich fahrlässig gehandelt hat, ist allerdings noch völlig unklar. Möglich ist auch ein technischer Defekt.

Dass Peta trotzdem schon Anzeige gestellt hat, hängt auch mit der Wirkung zusammen. Kainz meint: "Anzeigen sind insofern erfolgreich, dass dadurch gesellschaftlicher Wandel entsteht." Durch die erhöhte Aufmerksamkeit könne es sein, dass etwa der Brandschutz in Mastbetrieben gesetzlich strenger geregelt wird. Die Organisation hofft jetzt auf ein schnelles Urteil.

Die Todesursache der Tiere ist eindeutig geklärt

Mittlerweile ist auch die Todesursache der Tiere geklärt. Zwar sind Schweine sehr hitzeempfindlich, weil sie hohe Körperwärme nicht über Schweiß regulieren können. Gestorben sind sie aber nicht wie anfangs angenommen an einem Hitzeschlag, sondern am fehlenden Sauerstoff. Das hat das Veterinäramt festgestellt.

Um die Tiere abzutransportieren, waren an dem Freitag im Juni Feuerwehrleute aus Baumgarten und Nandlstadt vor Ort. Sie holten die Tiere in einem Spezialcontainer ab. Auch ein Kriseninterventionsteam war nach Auskunft des Landratsamts dort, um die Familie auf dem Betrieb zu betreuen.