Es ist eine schöne Tradition, dass die TU München in Weihenstephan zu Beginn eines neuen Jahres Bilanz zieht und einen Ausblick auf die kommenden Monate gibt. Die werden in jedem Fall spannend, das zeigte der Bericht von Dekan Martin Klingenspor. Voraussichtlich am 18. Mai kann die Universität das Zentrum für Infektionsprävention (ZIP) einweihen. Die Fertigstellung des Gebäudes befinde sich „auf der Zielgeraden“. Dort sollen Forschende interdisziplinär zusammenarbeiten, um neue Strategien gegen Antibiotika-resistente Keime zu entwickeln. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht darin eine der größten Gefahren für die Gesundheit der Menschen weltweit.
Bereits Anfang Januar startete das „Zentrum für Alpine Waldwirtschaft“ mit seiner Arbeit, gefördert wird es durch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung. „Wir wollen uns den Bergwald mit Fokus auf den Schutzwald anschauen“, erklärt Annette Menzel, die an der Technischen Universität die Professur für Ökoklimatologie innehat. Beteiligt sind zudem ihre Professoren-Kollegen Thomas Knoke, der nachhaltige Nutzungskonzepte für Wälder und Landschaften erforscht, Richard Peters (Schwerpunkt Waldwachstum), Rupert Seidl (Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement) und Cornelius Senf. Sein Spezialgebiet ist die Fernerkundung zum Monitoring verschiedener Ökosysteme im Klimawandel. Die steigenden Temperaturen sind ein Faktor, der den Schutzwald bedroht. Ihm kommt jedoch eine wichtige Aufgabe zu als Barriere für Steinschläge oder Lawinen.
Die TUM School of Life Sciences, wie der Standort Weihenstephan seit fünf Jahren heißt, hat hier viel Expertise. Seidl ist auch Leiter des Sachgebiets Forschung und Monitoring im Nationalpark Berchtesgaden. Menzel zählt zu den einflussreichsten Klimawissenschaftlerinnen. Sie lehrt nicht nur in Weihenstephan, sondern forscht zudem seit vielen Jahren an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus unterhalb des Zugspitzgipfels.
Die Technische Universität in Weihenstephan hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, auch personell. 39 Professorinnen und Professoren sind seit 2020 neu berufen worden – bei 77 Stellen insgesamt bedeutet das einen Generationenwechsel. „Das hat mich beeindruckt, das ist eine Hausnummer“, sagt Klingenspor. Viele der Fachgebiete wurden neu ausgerichtet. Unter den Neuberufungen sind viele Frauen. Ihr Anteil liegt nun bei 36 Prozent. In Freising ist die Technische Universität mit insgesamt 1458 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein großer Arbeitgeber.

Erheblich investiert wurde 2025 in die materielle Ausstattung. Wichtige Neuanschaffung ist ein moderner Rechnerverbund im Wert von 1,8 Millionen Euro, die Hälfte der Summe übernahm die Deutsche Forschungsgemeinschaft, den Rest trugen TU und Freistaat. Betrieben wird der „Compute Cluster“ vom Leibniz-Rechenzentrum. Davon profitierten ganze Gruppen von Forschenden gerade im Bereich KI und bei großen Datenmengen, so Klingenspor. Neu ist zudem ein Mikro-Computertomograf. Damit können kleinste Lebensmittelpartikel untersucht werden.
Traditionell gibt es bei dem Neujahrstreffen viel Lob. Vizepräsident Gerhard Kramer bezeichnete Weihenstephan als eine „tragende Säule“ der Universität, etwa in den Bereichen Ernährungs- und Versorgungssicherheit und Klimawandel-Forschung. Wichtig sei der Dialog mit der Öffentlichkeit, um Akzeptanz zu finden. Dazu tragen Veranstaltungen wie die Vortragsreihe TUM@Freising bei, in der Forschende ihre Arbeit erklären.
Auch die Stadt Freising profitiert von Forschungsprojekten
Für Klingenspor war es der erste Neujahrsempfang als Dekan. Er übernahm die Aufgabe Anfang Oktober von Ingrid Kögel-Knabner, die in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ihn habe der Perspektivwechsel gereizt, die Möglichkeit, Hochschulpolitik mitzugestalten, schildert der Inhaber des Lehrstuhls für Molekulare Ernährungsmedizin.
Zum letzten Mal nahm dagegen Tobias Eschenbacher in seiner Funktion als Oberbürgermeister an der Veranstaltung teil, weil er bei der Kommunalwahl im März nicht mehr kandidiert. Er sei stolz darauf, was in Weihenstephan alles passiert, sagte er und dankte für die Unterstützung. Freising profitiert immer wieder von Forschungsprojekten etwa zur Stadtentwicklung.

