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Technische Universität:Innovationsschmiede für gesunde Produkte

Ein großer Schritt ist geschafft: Die Pflanzenmilch des Freisinger Start-ups Pläin gibt es im Bioladen Lebenskunst zu kaufen: Inhaberin Kathi Zanker empfängt die Kisten von Jonathan Herrmann und Michael Sysoev (links).

(Foto: Marco Einfeldt)

Start-ups erhalten am europäischen Verbundprojekt EIT Food in Weihenstephan das nötige Rüstzeug, um die Erfolgsaussichten bei der Markteinführung ihrer Erzeugnisse zu erhöhen.

Nur 2,6 Prozent aller Start-ups in der EU kommen aus dem Ernährungsbereich. Das europäische Verbundprojekt EIT Food, das auch über eine Innovationsschmiede in Weihenstephan verfügt, will das ändern, denn gesunde und nachhaltig erzeugte Produkte rücken immer stärker in den Fokus von Wissenschaft und Verbrauchern. In den ersten Monaten sind bereits mehrere Start-ups entstanden. Das Freisinger Team um Direktor Georg Schirrmacher stellte seine Aktivitäten am Montag bei einem Pressegespräch vor.

Es geht um nicht weniger als eine Transformation des Agrar- und Lebensmittel-Sektors - neue Lösungen entwickeln laut Schirrmacher vor allem Start-ups, eine Markteinführung aber ist in der Regel sehr schwierig. Der Ansatz von EIT Food - "EIT" steht für European Institute of Innovation and Technology - ist deshalb, möglichst viele Partner in einem Netzwerk zusammenzubringen: große Konzerne, kleine Unternehmen, Start-ups, wissenschaftliche Einrichtungen und Universitäten. In Europa gibt es fünf sogenannte Innovations Hubs, einer davon ist in Freising angesiedelt und arbeitet eng mit der TU München (TUM) zusammen - was sich schon daran zeigt, dass das Team Räume auf dem Campus nutzt. Auch aus dem Kreis der Studierenden sind bereits einige innovative Ideen hervorgegangen.

Schwerpunkte in Freising sind laut Schirrmacher die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Nach der gelungenen Anlaufphase will die EIT-Food-Plattform nun auch nach außen sichtbarer werden und die Verbraucher stärker über ihre Arbeit informieren und in den Dialog einbinden. Geplant sind unter anderem Ausstellungen in örtlichen Banken oder am Flughafen.

Bereits 20 Start-ups haben sich vergangenes Jahr präsentiert, teils mit vielversprechenden Ideen

Großes Event im vergangenen Jahr war ein "Marketplace", bei dem sich 20 Start-ups präsentieren konnten. Ausgezeichnet wurde damals "Air-up" aus München. Schirrmacher verspricht sich viel von der Geschäftsidee - ein Duft-Pod auf einer Trinkflasche gibt dem Verbraucher das Gefühl, einen fruchtigen Softdrink oder eine Saftschorle zu trinken, dabei ist es nur Wasser ohne irgendwelche Zusätze. "Das schont Ressourcen", sagt Schirrmacher, und der Konsument nehme keinen Zucker zu sich. Eine Pflanzenmilch hat das Start-up "Pläin", ehemalige TUM-Studenten, vor kurzem auf den Markt gebracht. "Farminsect" aus Bergkirchen betreibt an der TUM eine Pilotanlage für eine regionale Insektenzucht, damit Landwirte ihr Proteinfutter künftig selbst herstellen können - als Ersatz für importiertes Soja oder Fischmehl. Über das EIT-Food-Netzwerk können Start-ups Kontakte knüpfen und erhalten das nötige Know-how, um die Erfolgschancen einer erfolgreichen Markteinführung zu erhöhen.

Inzwischen finden regelmäßig Stammtische für Start-ups in der Region statt - durch die Corona-Pandemie derzeit online. Am Mittwoch, 8. Juli, ist eine zweistündige Netzwerkveranstaltung zum Thema Kreislaufwirtschaft geplant, bei der zehn Projektideen vorgestellt werden. Für den Austausch gibt es inzwischen eine Facebook-Plattform und einen Newsletter, außerdem soll ein "Freisinger Food-Dialog" zu Trends und innovativen Produkten etabliert werden. Fünf Start-ups sind in den vergangenen neun Monaten von Freising aus betreut worden. Gesichert ist die Finanzierung von EIT Food vorerst bis 2024, eine Verlängerung um sieben Jahre gilt als wahrscheinlich, danach soll der Verbund auf eigenen Füßen stehen.

© SZ vom 30.06.2020/lada

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