Freisinger Campus:Mehr Parks und Gärten in die Städte

Lesezeit: 2 min

Lämmer-Drillinge auf dem Dach des "Werk 3" in München, 2019

Neugeborene Lämmchen-Drillinge aus einer Herde von Walliser Schwarznasenschafen weiden auf einem begrünten Dach.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Graduiertenkolleg "Urbane Grüne Infrastruktur"

Von Petra Schnirch, Freising

Es ist eines der großen Zukunftsthemen: Die Städte müssen grüner werden, die Natur mehr Raum bekommen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Wie wichtig dieses Thema ist, hat auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannt, die junge Forscherinnen und Forscher an der TU München (TUM) unterstützt. Sie fördert von April 2022 an für zunächst viereinhalb Jahre das Graduiertenkolleg "Urbane Grüne Infrastruktur - Wissenschaftliche Ausbildung kommender Experten und Expertinnen integrierter Stadtplanung".

Der Umbau der Städte mit einer nachhaltigen, naturnahen und an die neuen Klimabedingungen angepassten Infrastruktur steht dabei im Mittelpunkt. Sprecher des Kollegs ist Stephan Pauleit, Professor für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung in Weihenstephan. Für die Forschung zu dem Thema bedeutet die Förderung des Kollegs einen enormen Schub. Die TUM kann nun 13 Promotionsstellen ausschreiben, außerdem eine Postdoc- und eine halbe Koordinationsstelle, eine Verlängerung ist möglich.

Ein solches Graduiertenkolleg sei schon etwas Besonderes, sagt Pauleit. An der gesamten TU München gibt es derzeit nur vier, außerdem vier weitere mit TUM-Beteiligung. In diesem Fall kommt hinzu, dass es sehr interdisziplinär ist, wie Pauleit erklärt, die Doktoranden stammten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen wie Biologie und Ökologie, Bodenkunde, Mobilitätswissenschaften, Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung bis hin zur Medizin. Sie sollen eng zusammenarbeiten, "um neuartige grüne Infrastrukturen zu entwickeln". Solche interdisziplinären Arbeitsweisen seien "für die erfolgreiche Lösung der komplexen Herausforderungen moderner Städte, etwa im Klimawandel, auch dringend erforderlich", sagt Pauleit. Denn dafür sei ein tiefergehendes Wissen über die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen in ihrer gemeinsamen städtischen Umgebung notwendig.

Zu Ökosystemen, die sich positiv auf das Stadtklima auswirken, zählen Grünflächen wie Parks, Stadtwälder, Gärten, aber auch Straßenbäume oder begrünte Dächer. Sie bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere und können an heißen Tagen dazu beitragen, dass die Luft durch Verdunstung und Verschattung gekühlt wird oder aber dass Regenwasser versickern kann. Außerdem isolieren grüne Dächer und bepflanzte Fassaden Gebäude auf natürliche Weise. Für Pauleit zählen aber auch andere Aspekte wie die Bedeutung von Grünflächen als Erholungsort oder Treffpunkt.

Eng zusammenarbeiten wollen die Forschenden mit Partnern aus der Praxis, etwa dem Planungsreferat und dem Klima- und Umweltschutzreferat der Stadt München. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt forschte ein interdisziplinäres Team unter Federführung des Weihenstephaner Lehrstuhls bereits drei Jahre lang in sechs unterschiedlichen Quartieren in München zur Bedeutung des Grüns für das Stadtklima. Das Projekt fand nationale Beachtung, das Wissenschaftler-Team zählte erst kürzlich zu den drei Finalisten für den deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Die Arbeit des Graduiertenkollegs sei damit thematisch "eng verwandt", sagt Pauleit, ein regelmäßiger Austausch der Erkenntnisse werde angestrebt, ebenso mit anderen Stadtforschungsprojekten an TUM-Lehrstühlen. Am Graduiertenkolleg sind elf Professorinnen und Professoren der TUM School of Life Sciences in Weihenstephan und der School of Engineering and Design beteiligt, außerdem Wissenschaftler der Universität Augsburg und des Helmholtz-Zentrums München.

Die Transformation der Städte und ihrer Freiräume ist laut Pauleit dringend notwendig, damit an heißen Tagen, die durch den Klimawandel weiter zunehmen werden, "die Menschen nicht gesundheitlich gefährdet werden, das Regenwasser bei Starkregen nicht die Keller und Unterführungen überschwemmt". Durch den Kontakt mit der Natur könnten die Stadtbewohner zudem gesünder leben und müssten sich nicht ins Auto setzen, um ins Umland zu fahren. Oder die Stadt gleich ganz verlassen und damit die Zersiedelung der Landschaft vorantreiben. Ohne diese Veränderungen, bilanziert Pauleit, "werden wir nicht zu einer nachhaltigeren und an den Klimawandel angepassten Stadtentwicklung kommen".

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