Fehlende Kindergartenplätze Eltern bangen um ihre Jobs

Die Gemeinde Neufahrn hat ein großes Problem bei der Kinderbetreuung. Es fehlen 50 Kindergartenplätze.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Neufahrn fehlen im neuen Kindergartenjahr mindestens 50 Plätze. Die Gemeinde verweist auf die Personalnot.

Von Alexandra Vettori, Neufahrn

Die Gemeinde Neufahrn hat ein Problem bei der Betreuung von Kindergartenkindern, ein ziemlich großes sogar. Im Rathaus spricht man von rund 50 Kindern, die nach aktuellem Stand im September keinen Platz bekommen, Eltern gehen von mehr als 100 anspruchsberechtigten Kindern aus. Sogar eine Initiative hat sich schon gegründet, um mehr Druck auf die Verwaltung auszuüben. Dort aber ist man hilflos. "Wir können nicht zaubern, es gibt kein Personal ", sagt Wilfried Gast, der im Rathaus für die Kindergärten zuständig ist.

Dass ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz besteht, hilft den Eltern, die darum bangen, ob sie im September noch arbeiten können, wenig. Doch im Rathaus verweist man darauf, dass schlicht nicht genügend Erzieherinnen zu finden sind. Im Vorjahr war die Situation ähnlich, da konnten in letzter Sekunde noch alle 60 Wartelistenkinder untergebracht werden. Jetzt aber ist die Initiative "Eltern in Neufahrn" an die Öffentlichkeit gegangen. "Wir als Eltern fühlen uns von der Gemeinde völlig im Stich gelassen", erklärt Marc Bosch, einer der Väter. Mitte Februar hat es ein Gespräch zwischen Verwaltung und Eltern gegeben, dabei erfuhren Letztere, dass es derzeit 419 Dreijährige mit Kindergartenanspruch in Neufahrn gibt, denen 191 Kindergarten-Abgänger gegenüber stehen. Dass es angesichts dessen nicht mehr möglich ist, einen Wunschkindergarten zu wählen oder dass Geschwister immer die gleiche Einrichtung besuchen, damit haben sie sich schon fast abgefunden. Dass es aber gar keinen Platz geben könnte, wollen sie nicht akzeptieren, sie haben ja einen Anspruch darauf.

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Dass die dürftige Personalsituation in Neufahrn etwas damit zu tun habe, dass die Gemeinde vor einigen Jahren die Trägerschaft an private Verbände abgegeben hat, wie viele Eltern vermuten, verneint nicht nur Josef Eschlwech, der Kindergartenreferent des Gemeinderates: "Auch kommunale Träger haben Probleme." Die Gemeinde tue, was sie könne. Derzeit seien eine weitere Krippe mit Personalwohnungen und ein achter Kindergarten in Planung, aber von heute auf morgen seien die Probleme nicht zu lösen. In sechs Wochen, nach der Schuleinschreibung, soll es erneut ein Gespräch geben. Zu spät, findet Marc Bosch: "Familien weitere sechs Wochen im Ungewissen zu lassen, ist fahrlässig, warum sollten sich die Zahlen und Umstände in den nächsten Wochen drastisch ändern?" Er wünscht sich einen Notfallplan. Wie der aussehen könnte, weiß im Moment niemand.

Wilfried Gast ist skeptisch, dass Eltern auf eigene Initiative tägig werden können. Und das, obwohl am Kindergarten Keltenweg der im vergangenen Jahr kurzfristig organisierte Container nach wie vor aus Personalmangel leer steht. "Die gesetzlichen Vorgaben verlangen qualifizierte Betreuer, auch bei Eltern-Initiativen", erklärt er. So bleibt nur die Hoffnung auf viele Karteileichen in den Wartelisten und dass möglichst viele Vorschulkinder in die Schule wechseln.