Bericht aus dem Trainingslager:Hochleistungssport unter dem Vulkan

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Bericht aus dem Trainingslager: Triathlet Niklas Ludwig verbrachte vier Monat im Trainingslager auf Fuerteventura. Besonders die Möglichkeit im offenen Meer zu trainieren, habe sein Leistungsniveau gesteigert.

Triathlet Niklas Ludwig verbrachte vier Monat im Trainingslager auf Fuerteventura. Besonders die Möglichkeit im offenen Meer zu trainieren, habe sein Leistungsniveau gesteigert.

(Foto: Peter Teichmann/privat)

Der Freisinger Triathlet Niklas Ludwig hat die vergangenen vier Monate auf Fuerteventura für die kommende Saison trainiert. Im Mai bestreitet er die erste Herausforderung in diesem Jahr auf der Mitteldistanz in der Slowakei.

Von Charline Schreiber, Freising

Auf Fuerteventura hat sich der Freisinger Triathlet Niklas Ludwig in den vergangenen vier Monaten in Bestform gebracht. Unter Palmen und bei sonnigen 20 Grad Celsius bereitete sich der 19-Jährige in den drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen auf die neue Saison vor. Im April kommt er wieder zurück nach Deutschland.

Vor seiner Rückreise am 3. April startet Ludwig aber einen Tag zuvor in seinen ersten Wettkampf in diesem Jahr. Dafür geht es für ihn am Donnerstag mit der Fähre über den atlantischen Ozean von Fuerteventura nach Gran Canaria, um dort die olympische Distanz zu bestreiten - 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Für Ludwig selbst ist das mehr ein Formtest und der Abschluss des intensiven Trainingslagers auf Fuerteventura.

Die Insel hat er sich der junge Triathlet ausgesucht, weil er hier unter optimalen Bedingungen und stabilen Wetterverhältnissen trainieren konnte. Untergekommen ist Ludwig im Sportresort Las Playitas. Bis Anfang Januar hat er hier sogar noch für Hannes Hawaii Tours, einem Reiseanbieter für Triathleten, gearbeitet. Mitte Januar sei die Zusammenarbeit aber beendet worden, den Grund dafür möchte Niklas Ludwig nicht nennen. Geblieben ist er aber trotzdem, seither trainiere er in Vollzeit für den Triathlon.

Der ehemalige DDR-Leistungsschwimmer Axel Mitbauer trainierte Ludwig im Freiwasser

Und das nicht allein: Am Pool des Hotels traf der Leistungssportler zufällig Elias Knoll, Kurzdistanz-Athlet der 2. Bundesliga vom TSG 08 Roth. Beide wohnen aktuell gemeinsam in einer Wohngemeinschaft auf Fuerteventura, trainieren zusammen und fordern sich gegenseitig heraus. "Wenn ich in den harten Einheiten jemanden dabeihabe, mit dem ich gemeinsam leide, dann macht es das Training deutlich leichter." Denn zeitweise trainierte der ehemalige DDR-Leistungsschwimmer Axel Mitbauer sowohl Ludwig als auch Knoll und brachte die jungen Triathleten im Freiwasser an ihre Leistungsgrenzen. Bekanntheit erreichte Mitbauer unter anderem durch seine Flucht aus der DDR 1969, bei der er 25 Kilometer durch die tobende Ostsee von Boltenhagen nach Lübeck in die Bundesrepublik Deutschland schwamm. In den vergangenen Jahren habe sich Ludwig im Freiwasser noch nicht so wohl gefühlt, wie er es sich gewünscht hätte. Die Möglichkeit auf Fuerteventura direkt im Meer zu trainieren, habe ihm dahingehend neues Selbstbewusstsein gegeben.

Bericht aus dem Trainingslager: Die Straßen Fuerteventuras eigneten sich optimal für das intensive Training.

Die Straßen Fuerteventuras eigneten sich optimal für das intensive Training.

(Foto: Peter Teichmann/privat)

Allgemein habe ihm das Trainingslager viel Selbstvertrauen für die kommende Saison verliehen. Seinen Fitnesshöhepunkt aus dem vergangenen Jahr habe er in allen drei Disziplinen steigern können. Auch wenn seine Rennergebnisse zeigen, dass seine stärkste Disziplin das Radfahren ist, könne er auch in den anderen beiden Disziplinen überzeugen. "Ich traue mir in jedem Fall zu, dass ich jetzt auch im Schwimmen und Laufen Akzente setzen kann."

Die Herausforderungen, die er besonders im Laufen erlebe, wolle er mit einer passenden Verpflegung mildern. Dafür unterziehe er sich in den kommenden Wochen Labor-Tests, die ihm zeigen, wie viele Kohlenhydrate er verbraucht und wie eine optimale Ernährung seine Defizite ausgleichen kann.

Im Mai bestreitet der 19-Jährige die Mitteldistanz in Šamorín

Ludwigs erstes Highlight in diesem Jahr wird "The Championship" am 22. Mai in der slowakischen Kleinstadt Šamorín sein, erzählt er. In der Weltmeisterschaft vom Veranstalter "Challenge" über die Mitteldistanz, wird Ludwig dann 1,9 Kilometer schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer laufen.

Für das zweite Halbjahr dieses Jahres, plant er beim Ironman 70.3 in der norditalienischen Region Emilia-Romagna anzutreten. Hier möchte er die Qualifikation für den Ironman 70.3 im finnischen Lahti 2023 lösen. Was genau in diesem Jahr auf den 19-Jährigen zukommt, hänge aber auch davon ab, wie er Ende Mai in Šamorín abschneide. Die tatsächliche Zeit sei hier nicht ausschlaggebend, erzählt Ludwig, ihm gehe es um nicht weniger als den Amateurweltmeistertitel.

Bericht aus dem Trainingslager: Der 19-Jährige möchte seine Leistung im Laufen durch Labor-Tests noch weiter verbessern.

Der 19-Jährige möchte seine Leistung im Laufen durch Labor-Tests noch weiter verbessern.

(Foto: Peter Teichmann/privat)

In seinem Leben verfolgt der junge Triathlet nach eigenen Worten folgende zentrale Werte - Lebensfreude, Leidenschaft, Offenheit und Zielstrebigkeit. Es sei ihm wichtig, dass jeder Mensch seine Visionen leidenschaftlich verfolgt. Jeden Montag bietet Ludwig deswegen in einem Videomeeting eine 30-minütige Gesprächsrunde an, zu der sich Interessierte kostenfrei zuschalten können. Dabei gehe es ihm um den Austausch und den Diskurs über den Sport. Das Alter spiele dabei keine Rolle, sagt er.

"Ich glaube, ich bin alle Straßen der Insel mindestens einmal abgefahren."

Die Zeit auf der Insel hat Ludwig zu schätzen gewusst. "Ich muss schon sagen, Fuerteventura kenne ich jetzt sehr gut", sagt er lachend. "Ich glaube, ich bin alle Straßen der Insel mindestens einmal abgefahren." Auch wenn die Vulkaninsel eher kahl und wenig begrünt ist, sei es "unglaublich, im Winter unter Palmen und Sonne trainieren zu dürfen." Ludwig freue sich aber dennoch auf die Rückreise nach Deutschland, die gewohnte Umgebung und sein Zuhause.

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