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Traurige Nachricht:Aus für Gammelsdorfer Nachtumzug

Wilde Gesellen, wie diese Gruppe von Wikingern aus dem Vorjahr, wird man in Gammelsdorf so schnell nicht mehr sehen. Denn der nächtliche Faschingsumzug findet nun nicht mehr statt, zu hoch waren die Sicherheitsauflagen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Organisatoren können die hohen Sicherheitsauflagen nicht mehr bezahlen.

15 Jahre nach dem ersten Gammelsdorfer Nachtumzug haben die drei Hauptorganisatoren, Markus Riedl, Florian Zellner und Peter Puscher jetzt das Ende bekannt gegeben. Dabei war der Faschingsumzug in der Dunkelheit weithin bekannt, jährlich zog er rund 8000 Besucher in die kleine Gemeinde.

Doch die Sicherheitsauflagen seien von Jahr zu Jahr umfangreicher geworden, 2018 mussten 40 externe Security-Mitarbeiter eingesetzt werden, so Riedl. Die Kosten für die Auflagen fressen inzwischen die gesamten Einnahmen auf. Daran haben auch höhere Eintrittspreise von einem statt zwei Euro nichts geändert. Dazu komme, dass die drei Veranstalter im nächsten Jahr das Fest zum 50-jährigen Bestehen der Narhalla Gammelsdorf vorbereiten und damit ausgelastet sind. Über hundert Ehrenamtliche haben alljährlich bei der Organisation des Nachtumzugs geholfen, mit dem Überschuss wurde die Jugend- und Sportvereinsarbeit unterstützt. Aber wenn bei diesem enormen freiwilligen Engagement für den Verein finanziell nichts mehr übrig bleibe, dann leide auch die Motivation der Helfer, ist Riedl überzeugt.

Bürgermeister Bauer versteht den Entschluss der drei Hauptverantwortlichen, die auch gleichberechtigte Vorstände des Fußballvereins Gammelsdorf sind, dem offiziellen Veranstalter des Nachtumzugs. Bis vor drei Jahren trat die Gemeinde als Veranstalter auf. Da die Kommune den Umzug aber auch genehmigt, war diese Konstruktion nicht mehr zulässig. Der Vereinsvorstand freilich haftet seither mit dem Privatvermögen und muss bei Unfällen nachweisen, dass nicht fahrlässig gehandelt wurde. Auch eine Haftpflichtversicherung nütze nichts, wenn das Strafrecht greife, erklärt Riedl.

Keine ausgelassene Feier, sondern totale Anspannung

Der Faschingsumzug bedeutete für die Hauptverantwortlichen seit 15 Jahren damit keine ausgelassene Feier, sondern totale Anspannung. Dasselbe berichtet auch Bürgermeister Bauer. Er sei jedes Jahr froh, wenn niemand zu Schaden gekommen sei. Andererseits bedauere er es, dass die schöne Tradition vorbei sei. Es sei wichtig, der Jugend etwas zu bieten. Vor jedem Nachtumzug habe ein Gespräch mit der Verwaltungsgemeinschaft, dem Landratsamt, der Polizei Moosburg und den Rettungskräften statt gefunden. Bis 2017 hatten die Verantwortlichen selbst ein Sicherheitskonzept erarbeitet, im vergangenen Jahr wurde aber verlangt, dass dies eine externe Firma übernehme, schildert Riedl.

Zum Konzept gehörte das Aufstellen von Betonblöcken, die verhindern sollten, dass Fahrzeuge in die Menge fuhren. Allein dies sei enorm teuer gewesen. Die Zahl der Besucher sei seit 15 Jahren konstant, aber offensichtlich würden die Ämter immer vorsichtiger, schätzt Riedl. Bisher habe es beim Nachtumzug keine schwer Verletzten, Anschläge oder ähnliches gegeben. In der Ortschaft und natürlich den vielen Besuchern aus nah und fern wird an Fasching der Umzug fehlen: Ungefähr 50 aufwendig gestaltete Wagen zogen bei Dunkelheit durch die Straßen, oft kamen noch Lichtinstallationen dazu. Und nicht nur der Umzug, sondern auch die anschließende Party sind legendär. Im nördlichen Landkreis gibt es damit wieder eine erfolgreiche Veranstaltung, insbesondere für junge Leute, weniger.

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