Traditionsgasthaus macht zu Jetzt muss gred werdn

Der Gasthof zur Gred macht zu. Wie es mit dem denkmalgeschützten Gebäude weitergeht, ist ungewiss.

(Foto: Marco Einfeldt)

Eine weitere Freisinger Traditionswirtschaft schließt. "Solidarität mit der Gred!" und was das für Folgen hat.

Kolumne von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Wir müssen reden! Besser gesagt: "Gred werdn muss jetzt endlich". Über die "Gred" nämlich, wieder mal eine Traditionsgaststätte aus dem Portfolio von Guy Graf von Moy, der in solchen Sachen ja Kummer gewohnt ist. Die Gred ist jetzt also zu, ihre Zukunft ist ungewiss. Sicher ist nur eins, nichts wird dort mehr so sein wie früher, nur teurer. Aber mit der Gred hat sozusagen das gesamte linke Proletariat in Freising, das sich schon über Jahrzehnte gegen die ausbeuterischen Unterdrückungsmethoden des Großkapitalismus zur Wehr setzt, seine angestammte Heimat verloren. Das geht so nicht. GEW, DBG, die Linken, der Bund der Antifaschisten. Sie alle haben sich nämlich in der Gred bei ihren konspirativen Sitzungen stets sicher fühlen können. Übrigens auch der Landesbund für Vogelschutz, der von seiner Grundausrichtung her den Thesen des Kapitalismus wohl auch nicht besonders nahe steht. Vogelschutz und Rendite vertragen sich nicht besonders gut.

Weil man aber unbedingt der globalen Profitmaximierung mit arbeitnehmerfeindlichen Synergieeffekten auch weiterhin etwas entgegensetzen muss, müssen wir die Gred retten. Die Sache läuft auch schon. Wie aus üblicherweise gut informierten Kreisen zu erfahren war, hat sich bereits eine Unterstützergruppe formiert, die zunächst einmal unter dem Arbeitstitel "Solidarität mit der Gred" ihre Arbeit aufgenommen hat und bald ihre offizielle Vereinsgründung verkünden wird. Auch ein Chor soll gegründet werden. Der erste Auftritt ist bei der nächsten Stadtratssitzung geplant. Im Repertoire haben will man bis dahin auf jeden Fall "Die Internationale", weitere Arbeiterlieder sollen folgen. In Vorbereitung sind auch bereits die ersten Merchandising-Artikel. Passend zu den derzeitigen Wetterbedingungen will man demnächst mit handgestrickten Unisex-Mützen aus fair produzierter Wolle, an denen beidseitig Gredchen-Zöpfe angebracht sind, in den Verkauf gehen.

Unterstützung findet die Aktion auch in den Reihen der Kommunalpolitik. Die örtliche Sozialdemokratie, die aus eigener leidvoller Erfahrung in jüngster Zeit Rettungsversuchen jeglicher Art offen gegenübersteht, will die Gredchen-Zopf-Mützen beim nächsten Freisinger Wochenmarkt an einem Infostand feilbieten. Die Genossen wollen dann auch selbst als Werbeträger auftreten und die Mützen auch aufsetzen, aber nur rote. Arbeiterlieder singen darf man auch.

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