Tour durch Eching Wahlkampf auf zwei Rädern

Vom Echinger Bahnhof aus sind die Grünen mit ihrem prominenten Gast Anton Hofreiter (Mitte) durch die Gemeinde geradelt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bundespolitiker Anton Hofreiter fährt mit den Grünen zu neuralgischen Punkten für Radfahrer. Er fordert den Rechtsabbiegepfeil und eine Ausweitung der Lastwagen-Maut.

Von Katharina Horban, Eching

Die Fahrräder stehen dicht an dicht auf dem Bahnhofsplatz, die Sonne brennt auf den Asphalt. Auf Mountainbikes, Stadträdern und sogar in einer Rikscha ist man am Mittwochnachmittag zu der Grünen-Veranstaltung "Toni vor Ort" gekommen. Aus dem Landkreis sind neben dem Echinger Fahrradbeauftragten Leon Eckert auch Landtagskandidat Johannes Becher und Bezirkstagskandidatin Siglinde Lebich dabei. Und zur Unterstützung ihres Herzensanliegens Fahrradmobilität, ist eben "der Toni" - der Bundespolitiker Anton Hofreiter - aus Berlin angereist.

"Die Verbindung in Nachbarkommunen wie Neufahrn oder Garching ist mit das größte Problem für Fahrradfahrer", kritisiert Eckert. "Denn wer will schon an Lastwagen vorbei durchs Gewerbegebiet?". Fahrrad zu fahren soll für ihn ohne Matsch und Dreck möglich sein. Becher betont, dass eine nachhaltige Mobilität der beste Beitrag für mehr Klimaschutz sei. Man müsse die Stärken des Fahrrads nutzen und sich auch bayernweit für eine vernünftige Fahrradinfrastruktur einsetzen: "Wir dürfen die Kommunen nicht allein lassen."

Laut Hofreiter, der Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag ist, kann gerade im Kleinen die Lebensqualität in den Kommunen verbessert werden, wenn man aufs Fahrrad umsteigt. "Die Straßenverkehrsordnung ist rein aus Sicht der Windschutzscheibe geschrieben", beklagt er und bringt den grünen Rechtsabbiegepfeil für Fahrradfahrer ins Gespräch. Das Verkehrsministerium habe in dieser Angelegenheit noch viel zuwenig getan.

Nicht alles geht sofort, aber Verbesserung muss her

Eckert schwingt sich auf sein Fahrrad und dann geht es zu den Echinger Problemstellen im Fahrradverkehr. An der Kreuzung Paul-Käsmaier-Straße und Unterer Hauptstraße wird schnell klar, was schief läuft. Die Gruppe hat mit den Fahrrädern Mühe, auf dem Gehweg Platz zu finden. Der 23-Jährige muss gegen den Lärm des Verkehrs anreden, ein enger Fahrradweg an der Paul-Käsmaier-Straße hört vor der viel befahrenen Kreuzung auf. "Hier gibt es 12 000 Bewegungen an einem Tag und die Straße ist nicht mal breit genug für einen Fahrradschutzstreifen", klagt Eckert. Durch diverse Gutachten will er erreichen, dass sich die Situation an der Kreuzung am Ortseingang von Eching entspannt. Jedoch muss er zugeben: "Nicht alles geht sofort." Ein weiteres Thema an der Kreuzung sind die großen Lastwagen, für die zumindest ein Nachtfahrverbot in der Gemeinde gilt. Hofreiter würde die Lastwagen-Maut auf möglichst viele Teile des Straßennetzes ausweiten - und: "Wo mehr Menschen betroffen sind, sollte die Maut höher sein."

Auch an der Blauen Brücke am Echinger See hält Eckert an und erklärt das Vorhaben, einen Fahrradweg nach Garching zu bauen: "Wir hoffen, dass wir es bis 2020 noch erleben werden." Ein Enteignungsverfahren verzögert ihm zufolge die Baumaßnahmen seit etwa zweieinhalb Jahren. Markierungen kurz vor der Brücke sind eine Notlösung, dauerhaft hoffen die Grünen auf den Fahrradweg.

Im abschließenden Gespräch macht Detlev Harms vom ADFC klar, dass niemand etwas gegen die Autofahrer aufbauen wolle. Es müsse gleiches Recht für alle gelten. Laut Hofreiter wurde das erste Mobilitätsgesetz in Berlin vor allem durch das Engagement der Zivilbevölkerung und die grüne Regierungsbeteiligung möglich. "Und in Bayern brauchen wir eine andere Regierung", schiebt er hinterher. Neben den Sticheleien gegen die CSU appelliert Hofreiter an das Demokratieverständnis der Zuhörer: "Machen Sie sich bewusst, dass Sie mit dem Kreuz eine Machtentscheidung treffen." Das Schlusswort liegt bei Becher, dem es ein Anliegen ist, auf das Engagement von Eckert hinzuweisen: "Ich weiß, wie das ist, wenn man als Junger in so einem Gremium sitzt. Da braucht man ein dickes Fell." Doch es sei wichtiger denn je, dass sich junge Leute politisch engagieren.

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