Tipps fürs FestWeniger hat Mehrwert

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Wer ein bisschen nachhaltiger Weihnachten feiern will, muss in und um Freising nicht lange nach Angeboten und Ideen suchen. Manches kostet nicht einmal Geld

Von Gudrun Regelein, Anais Agudo Berbel und Charline Schreiber, Freising

Die Suche nach Geschenken läuft, genauso wie die nach dem perfekten Weihnachtsbaum. Weihnachten: Zeit des Shoppingwahns, des Konsumrauschs, der vollgestopften Mägen, des Stresses. Eigentlich sollte es aber anders sein. Weihnachten als Zeit der Stille, der Besinnung. Das Weihnachtsfest soll und darf gefeiert werden - aber wer sich wieder stärker auf das Wesentliche konzentrieren will, sollte beim Feiern auch an die Umwelt und das soziale Miteinander denken.

Der Baum

Viele Christbäume werden importiert, die langen Transportwege tragen nicht zum Schutz der Umwelt bei. Auch würden in großen Plantagen oft Pestizide und Dünger verwendet, die den Boden auslaugen und Insekten und Kleintiere vertreiben, erzählt Anton Kaindl vom Hallertauer Christbaumhof. Weihnachtsbäume können also eine große Belastung für die Umwelt sein. Können, müssen aber nicht. Statt einen importierten Baum zu kaufen, kann man seinen Christbaum auch bei Bauern aus der Region finden.

Oft kann man den Baum sogar selber schlagen, was laut Kaindl immer häufiger als gemeinsame Familienaktion geschieht. Auf seinem Christbaumhof in Au in der Hallertau werden die Bäume mit nährstoffstabilisiertem Dünger versorgt. Kaindl erklärt, dass dieser die benötigten Nährstoffe erst nach und nach freisetzt. Das sei nachhaltiger, nur so könnten Boden und Baum wirklich alle Nährstoffe aufnehmen. Das schone die Umwelt und biete für manche Tiere einen attraktiven Lebensraum. Vögel etwa fühlten sich zwischen den Tannen wohl und zögen zukünftige Christbäume den heimischen Wäldern als Brutplätze oft sogar vor.

Der Schmuck

Weihnachtsschmuck sollte kein Einwegprodukt sein. Ihn selbst zu basteln, macht Spaß und ist zudem nachhaltig, wenn möglichst leicht abbaubare, natürliche Materialien wie Holz, Stroh, Bindfaden oder Recyclingpapier verwendet werden. Tannenzapfen oder getrocknete Orangenscheiben eignen sich wunderbar als Baumschmuck. Nach den Feiertagen kann vieles für das nächste Jahr aufbewahrt werden, der Rest kommt in die Bio-Tonne. Das Geschäft mit dem Weihnachtsschmuck stellt eine erhebliche Belastung für die Umwelt dar. 2020 war in Deutschland, wie auch in den Vorjahren, China der wichtigste Lieferant von Christbaumschmuck und anderer Weihnachtsdekoration. Das Einfuhrvolumen belief sich laut der Statistikdatenbanken "Statista" auf etwa 14 400 Tonnen.

Die Beleuchtung

Die Weihnachtsbeleuchtung ist fester Bestandteil der nächtlichen Silhouette. Bei einem Abendspaziergang durch mit Lichterketten geschmückte Gassen kommt unwillkürlich weihnachtliche Stimmung auf. Doch auch hier gilt: Weniger ist mehr. Nach Informationen der "Paten der Nacht", einer Initiative, die sich gegen Lichtverschmutzung und für den Naturschutz einsetzt, gibt es bundesweit fast 20 Milliarden Weihnachtslichter auf Bäumen, Fassaden und Balkonen. Grundsätzlich solle dabei darauf geachtet werden, LED-Lichter zu verwenden, weil diese eine hohe Energieeffizienz aufweisen. Bei einer hohen Anzahl von LEDs summiere sich der Verbrauch aber und somit auch der CO₂-Ausstoß.

Fast alle Leuchtmittel enthalten zudem Weichmacher und Chlorparaffine, die eine erhebliche Belastung sowohl für den Menschen als auch die Umwelt darstellen, wie es von den "Paten der Nacht" heißt. Stark riechende Produkte aus weichem PVC oder dunklem Hartplastik seien oftmals Anzeichen für einen besonders hohen schädlichen Anteil solcher Stoffe. Außerdem weist die Initiative darauf hin, spät nachts die Weihnachtsbeleuchtung abzuschalten, um Energieverschwendung zu vermeiden.

Das Festessen

Es ist inzwischen selbstverständlich, das ganze Jahr über sämtliche Fleisch-, Fisch-, Obst- und Gemüsesorten im Angebot zu haben und zu kaufen. Über die Folgen, die die Tierhaltung, die teilweise extrem langen Transportwege von Lebensmitteln und der nicht saisonale Anbau für die Umwelt haben, wird oft zu wenig nachgedacht. Aber müssen Erdbeeren im Winter wirklich sein? Gans, Knödel und Blaukraut: Das traditionelle Weihnachtsessen zumindest kann auch aus regionalen und saisonalen Zutaten gezaubert werden. Einkaufen kann man diese etwa auf dem Neustifter Markt, dem Wochenmarkt in der Innenstadt, in einem der Bioläden Freisings oder direkt bei einem Bauern.

Anruf bei Brigitte Waldhauser, sie ist seit 31 Jahren Inhaberin des Tagwerk-Biomarkts in Freising. Nicht nur an Weihnachten solle man möglichst bio und regional einkaufen, sagt sie, sondern am besten das ganze Jahr über. Aber vielleicht sei das Weihnachtsfest für manche ja auch der Einstieg in ein neues Konsumverhalten. Was man für das nachhaltige Festessen braucht, bekomme man alles bei Tagwerk. "Wir beziehen direkt von über 100 Bauern." Auch Geflügel gibt es in der Biometzgerei in Niederhummel, Ente sei allerdings schon aus, heißt es dort. Das Blaukraut kann man selber kochen oder fertig kaufen, gleiches gilt für die Knödel: entweder aus Kartoffeln selber machen oder ökologisch gefertigten Teig kaufen - der allerdings aus Franken kommt.

Das Schenken

Am nachhaltigsten wäre es zwar, gar nichts zu schenken. Aber Geschenke machen schließlich Freude. Man könnte etwa Zeit für gemeinsame Aktivitäten verschenken oder Gutscheine - beispielsweise für ein besonderes Essen bei sich zu Hause. Daneben gibt es die Möglichkeit zu basteln, backen oder upcyclen - und es gibt viele Geschenke, die in ihrer Herstellung wenig ökologischen und sozialen Schaden verursachen, die nützlich und langlebig sind.

Günther Sesselmann, Inhaber des Fairtrade-Geschäfts "Fashion&More", findet, dass nachhaltiges Schenken nicht nur ein Anliegen an Weihnachten sein sollte. Wer aber heuer an Weihnachten auf seinen ökologischen Fußabdruck achten möchte, könne in der Sektion der Bioprodukte des Ladens viele regionale Artikel finden, unter anderem aus der Hallertau, erzählt Sesselmann. Auch Naturkosmetik, Rasierseifen und Bio-Weine seien nachhaltige Geschenkideen. Generell empfiehlt Sesselmann, unverpackt einzukaufen und lokale Produkte zu unterstützen.

Alternativ kann eine Reparatur für Dinge verschenkt werden - in Freising gibt es beispielsweise das Repair-Café der Caritas - oder vieles wie Kinderspielzeug oder Bücher gebraucht gekauft werden. Daneben gibt es viele nachhaltige Projekte, die man unterstützen kann und womit man gleichzeitig etwas Gutes tut, indem man beispielsweise einen Baum pflanzen lässt.

Die Verpackung

Jedes Jahr verursacht das Weihnachtsfest unvorstellbare Mengen an Abfällen. Manuela Gaßner ist Autorin und Moderatorin zu Themen wie Zero Waste und Konsumverhalten. Sie empfiehlt, Geschenke sowie Lebensmittel nach Möglichkeit schon verpackungsfrei einzukaufen. Beim Geschenkpapier könne man sich nach dem blauen Engel richten, dem Umweltzeichen der Bundesregierung. Es gibt aber auch leicht umsetzbare, nachhaltige Alternativen zum herkömmlichen Geschenkpapier.

Gaßner schlägt vor, Stofftaschen, Bienenwachspapier, Obst- oder Brotzeitbeutel zu verwenden, da diese außer der Verpackung noch eine andere Funktion hätten und somit weiterverwendet werden. In Japan werden traditionell sogenannte Furoshiki als Geschenkverpackung verwendet. Dabei handelt es sich um quadratische Tücher aus Leinen, Baumwolle oder Seide, mit denen sich sperrige Geschenke leicht verpacken lassen. Wiederverwendbar sind benutztes Geschenkpapier und Geschenkband, Zeitungen und Magazine sowie Paketpackpapier oder Papiereinkaufstüten. Das alte Papier alleine gefällt vielleicht nicht jedem, aber Stempel aus Kartoffeln, Moosgummi oder Holz sind simpel zu basteln und können jedes Jahr wiederverwendet werden. Wasserfarben sind optimal geeignet, um großflächige Muster zu malen. Zur Verzierung kann man einen Blick in die Natur werfen. Getrocknete Blumen oder Blätter, Hagebutten sowie Tannenzapfen und -zweige können einfach auf Geschenke geklebt oder gebunden werden.

Ganz wichtig sei am Ende, darauf zu achten, wie der doch entstandene Verpackungsmüll entsorgt werde, erklärt Gaßner. Mögliche Überreste von Metall oder Klebeband sollten beispielsweise nicht mit in die Papiertonne geraten, sonst sei es schwer, das Altpapier zu recyceln.

© SZ vom 20.12.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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