Kies und BetonFriedhof des Grauens

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Viel Grau, kein Grün: Das Urnengräberfeld am Kirchdorfer Friedhof ist dem Macher des Blogs „Gärten des Grauens“ negativ aufgefallen.
Viel Grau, kein Grün: Das Urnengräberfeld am Kirchdorfer Friedhof ist dem Macher des Blogs „Gärten des Grauens“ negativ aufgefallen. Marco Einfeldt
  • Der Kirchdorfer Friedhof erhält den „Terror-Gardening-Award" des Blogs „Gärten des Grauens" für sein neues Urnengräberfeld mit viel Kies.
  • Bürgermeister Uwe Gerlsbeck kann die hämischen Kommentare nicht nachvollziehen und betont, dass noch Bodendecker und Bäume gepflanzt werden.
  • Blogger Ulf Soltau kritisiert den Trend zum Ausschluss der Natur aus Gärten und Grünanlagen, der sich auch auf Friedhöfe ausweitet.
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Der Kirchdorfer Friedhof erhält den „Terror-Gardening-Award“ des Blogs „Gärten des Grauens“ für sein Urnengräberfeld. Bürgermeister Uwe Gerlsbeck kann die teils hämischen Kommentare in den sozialen Medien nicht nachvollziehen.

Von Petra Schnirch, Kirchdorf

Es ist eine zweifelhafte Auszeichnung, nach der niemand strebt. Für seine Bücher über „Gärten des Grauens“ und den gleichnamigen satirischen Blog ist der Berliner Biologe Ulf Soltau immer auf der Suche nach Negativbeispielen der Gartenkultur. Fündig geworden ist er auch im Landkreis Freising. Der „Terror-Gardening-Award“ geht im November nach Kirchdorf.

Diesmal ist es nicht etwa ein Privatgarten, der es auf die Liste des Grauens geschafft hat, sondern der Friedhof mit seiner neuen Urnengrabanlage – und sehr viel Kies. „Wir sind tief beeindruckt von diesem ‚Friedhof-Kleinod‘, das den Tod nicht nur vor Augen führt, sondern ihn mit jeder Ader eiskalt spürbar macht – eine wahre Symphonie aus Beton, Kies und Totentanz! Chapeau, Kirchdorf!“, steht dazu süffisant auf der Facebook-Seite der „Gärten des Grauens“ sowie auf Instagram. „Selten wurde ästhetische Endgültigkeit so konsequent bis zum Verblassen durchexerziert.“ Darunter finden sich mehrere hundert mehr oder weniger originelle Kommentare.

In der Gemeinde zeigt man sich eher verwundert über so viel Aktivität. Er sei nicht viel auf Social Media unterwegs, sagt Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) und – das habe er jetzt wieder festgestellt – er wisse auch warum, angesichts der sinnlosen und „fast schon unverschämten“ Kommentierungen. „Es ist traurig, dass die Leute nichts anderes zu tun haben.“

Aus der Ortschaft selbst habe er noch keine kritischen Stimmen vernommen. Der Friedhof sei jetzt barrierefrei zugänglich. Auf der wassergebundenen Deckschicht zwischen den Urnenfeldern könne man sich selbst mit Rollator ohne Probleme bewegen. Die „Ehrung“ hält Gerlsbeck ohnehin für unangebracht: Der Bereich zwischen den Urnengräbern wird noch mit Bodendeckern bestückt. Bereits in den kommenden Tagen werden Bäume gepflanzt, die künftig Schatten spenden sollen. Das sei in den Berichten über die Neugestaltung so auch betont worden. Der Friedhof werde grün und bunt – und deutlicher schöner als vorher sein.

Ulf Soltau beobachtet auch auf Friedhöfen den Trend, die Natur auszuschließen

Mit seinen Büchern und dem Blog will Ulf Soltau grundsätzlich ein Problembewusstsein dafür schaffen, dass die in den vergangenen Jahren um sich greifenden Schotterflächen weder ökologisch noch pflegeleicht sind. Er beobachte den „für unsere natürliche Umwelt verheerenden Trend des nahezu vollständigen Ausschlusses der Natur aus Gärten und Grünanlagen“, der sich zunehmend auch auf Friedhöfen fortsetze. Einst seien sie „Oasen des Lebens“ gewesen und „im Sommer kühlende Inseln innerhalb asphaltierter und zubetonierter Kommunen“.

Bis zu zwölfmal im Jahr verleiht „unsere hochkarätig besetzte, einköpfige Jury“ den Award, erklärt Ulf Soltau gewohnt humorvoll. Als Entscheidungsgrundlage dienten ausreichend aussagekräftige Fotografien und Pressemitteilungen. Im Fall des Kirchdorfer Friedhofs sei der Jury jener inzwischen aus vielen Privatgärten bekannte „extrem cleane, fast antiseptische Look der neugestalteten Teilfläche“ aufgefallen, begründet er die Wahl. Vielleicht können die Kirchdorfer den skeptischen Juror in einigen Monaten oder Jahren ja mit neuen Fotos vom Gegenteil überzeugen.

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