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Kritik von Sozialverbänden:Geteilte Resonanz auf Teilhabepaket

Kindergarten in Brandenburg

Lernförderung, Mittagessen, Klassenfahrten: Bedürftige Familien können die Zuschüsse aus dem Teilhabepaket für verschiedene Zwecke anfragen (Symbolbild).

(Foto: dpa)

Seit acht Jahren gibt es die Zuschüsse für arme Kinder. Während sie bei Vereinen selten beansprucht werden, hat der Landkreis für Lernförderung, Mittagessen und Klassenfahrten allein 2018 knapp 350 000 Euro ausgezahlt.

Gut acht Jahre ist es her, dass der Rechtsanspruch auf Bildung und aufs Mitmachen in Vereinen oder beim Musikunterrichtes unter dem Titel Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt worden ist. Dadurch sollten bedürftige Kinder aus Geringverdienerfamilien mehr Zukunftschancen bekommen. Doch die Kritik an diesem Paket reißt nicht ab: Jüngst kritisierte der Paritätische Wohlfahrtsverband, dass mindestens 85 Prozent der grundsätzlich Berechtigten in Deutschland nicht von dieser Leistung profitieren. Die Zahlen seien vernichtend, das Paket sei und bleibe Murks, hieß es. Es wäre besser, das Paket und die Gutscheine abzuschaffen und stattdessen an ärmere Familien pauschal 15 Euro auszubezahlen, forderte der Wohlfahrtsverband.

Ein Flop ist das Paket für die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Freising, Eva Bönig, zwar nicht unbedingt. Aber so richtig überzeugt sei sie davon auch nicht. "Im Ansatz ist es ja eigentlich gut", sagt sie. Aber noch immer wüssten tatsächlich viele Berechtigte nichts von diesem Angebot, "da müsste noch viel mehr Aufklärungsarbeit geschehen", fordert Bönig. Für manche Familien bedeute das Ausfüllen der Formulare aber auch Stress, andere seien vielleicht zu phlegmatisch. Und dann spiele manchmal sicher auch die Scham eine Rolle, "die Scham zu sagen, dass man arm ist und um Unterstützung bitten muss", sagt Bönig.

Eva Bönig (2)

Kinderschutzbund-Vorsitzende Eva Bönig fordert mehr Aufklärungsarbeit beim Thema Teilhabepaket.

(Foto: Marco Einfeldt)

An der Musikschule wird der Zuschuss nur vereinzelt angefordert

Tatsächlich wird dieser Zuschuss an der Musikschule der Stadt Freising nur sehr vereinzelt in Anspruch genommen, berichtet Musikschulleiter Odilo Zapf. Früher gab es zehn Euro im Monat für die musikalische Frühförderung oder den Musikunterricht, seit diesem August sind es 15 Euro. Diesen Zuschuss beanspruchen von den insgesamt gut 1000 Schülern aber nur wenige, "das liegt im Promillebereich", sagt Zapf. Ein Grund dafür könne die Sozialermäßigung sein, die es an öffentlichen Musikschulen ohnehin gebe. Ähnlich ist es beim Deutschen Alpenverein (DAV) Freising, dem größten Verein der Stadt. In der Halle klettern viele Kinder und Jugendliche, die meisten von ihnen in Gruppen. Aber: "Bei uns wird der Zuschuss nur äußerst selten in Anspruch genommen. Soweit ich mich erinnere, kam das Formblatt ein einziges Mal ins Spiel", sagt Vorsitzender Christian Rester.

Ganz anders hört sich dagegen an, was Eva Zimmerhof, Pressesprecherin des Landratamtes, sagt. Im Landkreis werde das Paket durchaus in Anspruch genommen. "Bei uns ist es nicht gefloppt", so Zimmerhof. Aktuell gibt es 4351 Kinder, die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets beziehen - und die Zahlen der vergangenen Jahre belegten trotz Schwankungen eine steigende Nachfrage. Im Jahr 2011, zu Beginn, hat es 2170 Anträge gegeben, 2014 waren es bereits 3292. 2017 dann gab es mit 4319 die meisten Anträge, im vergangenen Jahr zählte das Landratsamt 3955. Die Leistungen für Bildung und Teilhabe umfassen Zuschüsse oder Kostenübernahmen für Tagesausflüge, Klassen- und Kitafahrten, gemeinsame Mittagessen, Sport, Kultur und Freizeit. Daneben gibt es Geld für die Lernförderung, den persönlichen Schulbedarf und Fahrten zur Schule.

In diesem Sommer wurden die Zuschüsse erhöht

Insgesamt wurden 2018 knapp 350 000 Euro an Zuschüssen ausbezahlt. Der größte Betrag, knapp 110 000 Euro, für das Mittagessen, gefolgt vom Schulbedarf mit gut 105 600 Euro. Platz drei nahmen die mehrtägigen Klassenfahrten ein (knapp 60 000 Euro), knapp 38 000 wurden für die Lernförderung ausbezahlt. Für die Teilhabe, wie den Sport- oder Musikunterricht, waren es nur knapp 30 000. In diesem August wurden übrigens die Zuschüsse erhöht: so gibt es nun beispielsweise 150 statt 100 Euro für den Schulbedarf und 15 statt zehn Euro für Kultur und Sport. Auch entfiel der Eigenanteil für das Mittagessen.

Leistungen beantragen können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 25. Geburtstag (bei Leistungen für Kultur, Sport und Freizeit bis 18), beziehungsweise deren Eltern bei Bezug von Sozialhilfe, von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, von Wohngeld, von Kinderzuschlag oder bei vergleichbar geringem Einkommen. Im Landkreis wurden laut Statistik für die Wohngeldempfänger und die Gruppe mit Kinderzuschlag die meisten Bescheide erstellt. Danach kommen Familien, die Hartz-IV beziehen.

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