Tattoo-Convention in Moosburg Totenköpfe gehen immer gut

Das Stelldichein der Tätowierer und Piercer in der Moosburger Stadthalle verbreitet einen Hauch des Verruchten. Auch eine Motorradausstellung, Tänzerinnen und Silberschmuck gehören zur Tattoo Convention.

Alexander Kappen

- Im Eingangsraum sieht es aus, wie es bei einer Veranstaltung um diese Jahreszeit eben aussieht. Links neben der Tür steht ein mehr oder weniger liebevoll geschmückter Christbaum. Gleich daneben ist ein Glühweinstand aufgebaut. Ein paar Meter weiter, im Inneren der Moosburger Stadthalle, ist dann allerdings Schluss mit vorweihnachtlicher Idylle. Kein Landfrauenchor, der besinnliche Adventslieder trällert und keine Grundschulklassen, die aus ihrer Blockflöte ein stark improvisiertes "Nikolo bum, bum" herauspressen. Stattdessen: Laute Rockmusik und viele bunte Menschen, die von anderen ebenso bunten Menschen noch bunter gemacht werden. Es ist Tattoo Convention.

Bereits zum dritten Mal hat der Verein Tattoo, Bikes and Rock'n'Roll an diesem Wochenende zum großen Stelldichein der Tätowierer und Piercer geladen. Noch bis zum Sonntag werden die 40 Aussteller dort ihre bisherigen Werke präsentieren und zahlreiche neue Motive stechen.

Die Idee zu der Convention "ist aus einer Bierlaune heraus entstanden", sagt Frank Hänsel, der Sprecher des Organisationsteams. Ein paar Leute aus Moosburg, Wartenberg und Umgebung - allesamt mit einem Faible für Tätowierungen, Motorräder und Frauen - gründeten den gleichnamigen Verein und machten sich an die Planung der Messe, "weil es so etwas hier in der Nähe noch nicht gab", so Hänsel. "Jeder Schützen-, Sing- und Tanzverein macht irgendeine Veranstaltung, und jetzt haben wir auch eine." Im ersten Jahr fing das inzwischen 30 Leute umfassende Orga-Team in der Schäfflerhalle am Viehmarktplatz an. Die jedoch war schnell viel zu klein, seit dem vergangenen Jahr pilgern Tätowierer und Tätowierte in die wesentlich größere Stadthalle. Die Anbieter kommen aus ganz Bayern, aber auch aus Mannheim oder Leverkusen - und viele sogar aus dem Ausland. So wie Jacint Szabo aus Ungarn, der gleich am Freitagnachmittag zur Eröffnung eine Menge zu tun hatte und einem jungen, schon am ganzen Oberkörper tätowierten Mann das nächste Motiv verpasste.

Neben Tattoos und Piercings gibt es auf der Convention auch eine kleine Motorradausstellung, weibliche Tänzerinnen, Biker-Klamotten und Silberschmuck. "Eben lauter szenetypische Sachen", sagt Frank Hänsel, der sich bewusst ist, "dass wir mit diesem Hauch des Verruchten in gewisser Weise auch Klischees bedienen". Hänsel & Co. haben kein Problem damit und freuen sich auch über die vielen Messe-Besucher, "die mit dem Ganzen hier eigentlich überhaupt nichts am Hut haben, aber einfach total neugierig sind und sich die Sache mal anschauen wollen". Das sei "ein bisschen wie im Zirkus", sagt er mit einem Augenzwinkern: "Manche Leute kommen eben, um sich mal die Verrückten anzuschauen."

Bereits am Freitagnachmittag, als es noch wesentlich ruhiger zuging als dann wohl am Wochenende, nutzten viele der "Verrückten" die Gelegenheit, um sich in der Stadthalle allerhand Viechereien wie Schmetterlinge und Schwalben, den Namen der eigenen Tochter oder den Motorblock einer Harley Davidson unter die Haut malen zu lassen. Der Phantasie sind bei der Moosburger Convention keine Grenzen gesetzt. Von zeitlosen, verschnörkelten Tribals, über Rockabilly-Motive und japanische Tattoos bis hin zu Porträts von Vater, Mutter oder Hund ist alles zu haben. "Totenköpfe werden auch immer wieder gerne genommen", sagt Hänsel. Stark im Kommen seien zudem dreidimensionale Tattoos, "die etwa auf dem Arm optisch den Eindruck einer räumlichen Tiefe entstehen lassen".

Als besonderen Höhepunkt preisen die Veranstalter einen Stand mit polynesischen Tätowierer an. Die Gruppe um den im ganzen Gesicht tätowierten Tahitianer Toariki Ikihaa macht auf dem Weg von Holland nach Berlin am Wochenende auch in Moosburg Station. "Die klassischen polynesischen Tattoos", erklärt Hänsel, "bekommt man sonst eher selten zu sehen".