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Tassilo:Zwei Generationen auf einer Wellenlänge

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Weg von zu viel Technik, hin Richtung Straßenmusik - Julian Hobmeier und Marc Hanow bauen als Künstler-Duo Apollon's Smile vor allem auf ihre zwei Gitarren und zwei Stimmen.

(Foto: Manuel Glück - Crapula-Colorum/oh)

Obwohl Marc Hanow und Julian Hobmeier viele Lebensjahre trennen, eint sie ihr gemeinsames Verständnis von Musik. Als Singer-Songwriter-Duo Apollon's Smile haben sie sich im Landkreis Freising einen Namen gemacht und trotzen mit neuen Ideen der Pandemie

Von Johanna Pichler

Sie sitzen mit ihren Gitarren im Schafhof, die Sonne scheint und es erklingt ein Lied namens "Postcards from Paraguay". Für einen kleinen Moment vergisst man alles um sich herum und reist gedanklich an einen anderen Ort. Marc Hanow und Julian Hobmeier vermitteln diese Stimmung im neuesten Musikvideo ihrer "Happy New Morning Song"-Reihe. Jeden Samstag stellt das Singer-Songwriter-Duo Apollon's Smile einen neuen Song online und lässt die triste Corona-Laune für einen Moment vergessen. Nun ist Apollon's Smile für den Tassilo-Kulturpreis der SZ nominiert. Marc Hanow ist bereits in seinen Sechzigern, Julian Hobmeier gerade einmal 33 Jahre alt. Zwei Generationen, die gemeinsam Musik machen, Lieder schreiben und sich auch ohne viele Worte verstehen. Als Julian Hobmeier 18 oder 19 Jahre alt war, spielte er in einer Vorband von Midlife or Crisis?, einer Blues-Rock-Band, in der Marc Hanow Mitglied ist. "Man hat sich schon länger gekannt und als ich nach einem neuen Solo-Gitarristen für meine Band gesucht habe, sind wir auf den Julian gekommen", erzählt Hanow. 2011 stieg er also in die Band mit ein und ist bis heute Mitglied. "Marc hatte ein Herz für junge Nachwuchstalente. Wir haben dann angefangen, gemeinsam Songs für die Band zu schreiben und gemerkt, dass wir neben dem Blues auch andere Sachen mögen und gut harmonieren", sagt Julian Hobmeier.

Das gemeinsame Schreiben war das erste Bindeglied zwischen den beiden Musikern, aus dem sich schließlich das Singer-Songwriter-Duo Apollon's Smile entwickelte. "Wir sind zwei verschiedene Generationen, umso erstaunlicher war es, dass wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben", sagt Hanow. "Wir wollten weg von zu viel Technik, wieder hin Richtung Straßenmusik mit unseren zwei Gitarren und zwei Stimmen". Ihr erster Aufritt als Duo fand auf den Treppen vor dem Freisinger Lindenkeller statt, mit einer noch eher geringen Zuschaueranzahl. "Unser erstes Konzert war vor drei Leuten. Apollon's Smile kannte damals natürlich noch keiner. Aber wir haben uns erstaunlich schnell entwickelt. Das zweite Konzert war dann schon vor 20 Leuten, das ging rasant bergauf", erzählt Marc Hanow.

Wie die beiden auf den Namen Apollon's Smile gekommen sind? Man könnte sagen, es war ein inspirierender Moment Hanows während seiner morgendlichen Dusche. Live-Auftritte sind das Steckenpferd der beiden Gitarristen und der persönliche Kontakt zu den Zuschauern ist ein zentrales Element eines jeden Auftrittes. "Wir gehen nicht hin, spielen und bauen wieder ab. Wir lassen uns Zeit, sitzen danach noch mit den Leuten zusammen und sind immer welche der Letzten", schildert Julian Hobmeier. Mit der Corona-Pandemie, welche die Live-Auftritte zu Nichte machte, mussten also neue Ideen wie die "Happy New Morning Song"-Reihe her. "Alle Künstler im Lockdown jammern zu recht, aber das ist nicht unsere Art", denkt Marc Hanow. Das Künstler-Duo hat seine Lösung mit professionell produzierten Musikvideos gefunden und hält so die Verbindung zu seinem Publikum aufrecht. "Wir suchen immer wieder nach neuen Lösungen, auch wenn etwas unmöglich erscheint. Oft reißt man dabei auch andere Leute mit", erzählt Hanow. "Die Pandemie hat uns bestärkt und wir sind motiviert. Motivierter denn je, wenn es wieder losgehen kann", stimmt ihm Julian Hobmeier zu. Die beiden sind froh, trotz Krise ein paar Highlights erlebt zu haben. Kurz vor dem November-Lockdown brachten sie noch eine neue CD auf den Markt. "Freising hat eine interessante Musikszene. Wer hier ernsthaft Kultur machen will, der muss es wollen und unglaublich viel Arbeit reinstecken, aber die Möglichkeiten sind da", denkt Marc Hanow. Kultur wollen die beiden nicht nur alleine gestalten, sondern auch andere miteinbinden und ihnen eine Bühne geben. "Dass Kulturschaffenden gerade jetzt mit dem Tassilo-Preis eine Bühne gegeben wird, das finde ich nicht nur gut. Da sind wir mit dem Herzen dabei."

© SZ vom 06.05.2021
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