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Tassilo-Kulturpreis der SZ:Kreativer Haufen

Die Theatergruppe "Opodeldok" hat im Frühjahr das orientalische Märchen "Ali der Meisterdieb" aufgeführt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Theatergruppe "Opodeldok" ist für den Tassilo-Kulturpreis nominiert. Mit ihren Aufführungen überzeugt sie jedes Jahr aufs Neue.

Von Jenny Schößler, Freising

Opodel. . . was? Die Freisinger Theatergruppe "Opodeldok" hat sich einen etwas ungewöhnlichen Namen zugelegt. Dabei nennt sich die 30-Mann starke Truppe schon seit zwölf Jahren so. Mit einem Klassiker von Shakespeare über einem schwarz-weiß Krimi bis hin zu Loriot hat sich die bunt durchmischte Gruppe über die Jahre von einem Laientheater zu einer professionellen Gemeinschaft entwickelt. Nun sind die "Opodeldoks" für den Tassilo-Kulturpreis nominiert.

Angefangen hat alles im Jahr 2003, im "Jahr der Bibel", in dem der damalige Diakon, Michael Soergel, der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Freising den Wunsch hatte, ein Theaterstück über die Vertreibung der Protestanten in der Renaissancezeit aufzuführen. Kurzerhand schrieb Barbara Hofmann, heute Leiterin der Theatergruppe, ein Stück namens "Außedeifed" und der Grundstein der Theatermannschaft war gelegt. Auf ihren ungewöhnlichen Namen stieß die Gruppe aber erst ein Jahr später. In ihrem zweiten Stück "Turandot" will ein Eunuch namens Truffaldino einem schlafenden Prinzen seinen Namen entlocken. Dieser stöhnt während des Schlafes aber nur Laute wie "O" und "po", was Truffaldino schließlich als dessen Namen "Opodeldok" - wie das Mittel gegen Glieder- und Rheumaschmerzen - interpretiert. "Diese Szene aufzuführen fanden die Schauspieler so lustig, dass wir den Namen einfach übernommen haben", erzählt die mittlerweile 55-jährige Leiterin lachend.

Einige der Schauspieler von damals sind auch heute noch dabei und sorgen damit für eine Erfahrungsbasis als auch für Vielfalt im Team. Von den ganz Kleinen mit gerade mal neun Jahren bis hin zum ältesten Schauspieler mit 70 Jahren sind fast alle Altersklassen vertreten. "Das finde ich persönlich ist der wichtigste Punkt, dass man von einander lernt, auch über Generationen hinweg. Da gibt es dann zum Beispiel kleine Jungs, die die großen Jungs zum Vorbild haben," erzählt Barbara Hofmann ganz stolz. Zusammen mit ihrer rechten Hand, Andrea Henze, die den gesamten "Fundus" der Gruppe verwaltet, kümmert sie sich um alles. Der "Fundus", wie Hofmann ihn nennt, besteht aus in 13 Jahren gesammelten Kostümen, Kleidern, Bühnenrequisiten und insgesamt über 80 Perücken. Untergebracht ist alles in einem Zimmer im Pallotti-Haus, welches der Theatergruppe den Platz als nutzbaren Raum überlassen hat. Dass sie das Pallotti-Haus nutzen können, ist für die Theatergruppe von allerhöchster Bedeutung, was sie auch dazu veranlasste sich seitdem das Pallotti-Theater-Ensemble "Opodeldok" zu nennen.

Immer wieder Neues: wie ein komplett in Grautönen gespielter Krimi von Agatha Christi

Trotz festen Sitzes sei aber eine der größten Herausforderungen die jährliche Stückauswahl, wie Hofmann erzählt. "Das stellt einen manchmal vor die schier unmögliche Aufgaben, alle zu integrieren." Mit "Ali der Meisterdieb" im Frühjahr, Szenen aus Loriot, "Achtung Deutsch" und einem komplett in Grautönen gespielten Krimi von Agatha Christie ließ sich die Theatergruppe aber bisher jedes Jahr etwas Neues einfallen. Zwischen einfachen Klassikern und purer Unterhaltungslust haben die Stücke zum Teil auch politische Themen, so wie in diesem Jahr. Mit der bunten und lebendigen Inszenierung des orientalischen Stückes "Ali der Meisterdieb" war es der Gruppe wichtig, das hohe Kulturgut des Nahen Ostens ins Bewusstsein der Zuschauer zu rücken. So ist es immer ein Ziel der Gruppe zu unterhalten, aber gleichzeitig dem Publikum auch etwas zu vermitteln, was sie selber zum Nachdenken anregen soll.

Dass ihre Stücke gut ankommen, zeigt die vielfache positive Resonanz der Besucher sowie die ausverkauften Plätze bei allen Aufführungen. Vor zwei Jahren gewannen die "Opodeldoks" sogar den Jugendkulturpreis des Landkreises Freising. Dass sie jetzt auch für den Tassilo-Preis nominiert sind, freut die Gruppe ungemein. Mit dem Preisgeld könnte Hofmann sich vorstellen, eine Theaterfreizeit zu organisieren und ein Wochenende mit ihren großen und kleinen Schützlingen ganz dem Theater zu widmen. Das würde sie ihrem kreativen und bunten Haufen wünschen. "Eine Truppe, die so vielseitig ist wie das Leben."

© SZ vom 03.06.2016/zim

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