SZ-Kulturpreis Tassilo:"Ich hatte immer nur Musik im Kopf"

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Claus Koch (vorne) beim einem Auftritt mit dem Claus-Raible-Trio in der Münchner Unterfahrt.

(Foto: Privat)

Der Freisinger Saxofonist und Musiklehrer Claus Koch ist schon in der ganzen Welt herum­gekommen. "Mit angezogener Handbremse" wartet der Jazzmusiker, der für den Tassilo-Kulturpreis der SZ nominiert ist, bis er endlich wieder live auftreten kann.

Von Johanna Pichler, Freising

Als Kind lieh er sich Platten aus, um Musik hören zu können. Mittlerweile ist Claus Koch ein bekannter, vom Bop beeinflusster Saxofonist und ein wichtiger Teil der süddeutschen Jazz-Szene. Der 53-Jährige ist in Koblenz aufgewachsen, studierte in Graz, ging anschließend nach Berlin und New York und landete durch Zufall in München. Seit 2012 lebt er in Freising und unterrichtet auch an der Musikschule 3klang. Nun ist Claus Koch für den Tassilo-Kulturpreis der SZ nominiert.

"Schon in meiner frühen Jugend hatte die Musik eine Art Faszination für mich. Erst lieh ich mir nur Platten aus, um Musik zu hören. Dann mit 13 oder 14 bin ich zum Jazz gekommen und habe angefangen, Saxofon und Querflöte zu spielen", erzählt Koch. Neben dem Jazz interessierte er sich für klassische Musik. "Das hat mich beides fasziniert und war kein Widerspruch in sich. Die Linienführung beider Musikrichtungen hat mich interessiert". Der Impuls, Musik machen zu wollen, kam von Koch selbst, seine Eltern unterstützten ihn und bezahlten den Musikunterricht. Der Wunsch, Berufsmusiker zu werden, entstand dann nach dem Abitur.

"Die Musik war schon immer Teil meines Lebens"

"Ich habe schon während meiner Schulzeit aktiv Musik gemacht und war in einer kleineren Jazzband. Die Musik war schon immer Teil meines Lebens", erzählt der 53-Jährige. "Während des Zivildiensts habe ich gemerkt, dass ein "normaler" Beruf auf Dauer nichts für mich wäre. Ich hatte immer nur Musik im Kopf". Nach seiner Zeit an der Musikhochschule in Graz und einer kurzen Zeit in Berlin entschied er sich, nach New York zu gehen und studierte dort bei Altmeister Barry Harris. "New York war damals schon das Zentrum des Jazz. Ein Ort, an dem meine musikalischen Helden auftraten. Ich wollte mehr hören und das Umfeld und die Atmosphäre aufsaugen", erzählt Claus Koch. Danach ging es für den Musiker nach München.

Seitdem spielt er in der Region, in ganz Deutschland und auch im Ausland in unterschiedlichen Besetzungen. Seit der Corona-Pandemie fallen die Livekonzerte jedoch weg. "Es werden zum Teil Streaming-Konzerte veranstaltet. Das ist besser als nichts. Wenn immer es möglich ist, trifft man sich auch mit anderen Musikern unter den Auflagen zum Proben. Jetzt warten wir gespannt und mit angezogener Handbremse, bis es wieder weitergehen kann", sagt Koch. Seine Tätigkeit als Musikschullehrer kann er immerhin noch online weiterführen. "Die Jugendlichen sind das von der Schule schon gewohnt. Es ist nicht toll, aber wir müssen es durchziehen".

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Während der Zivildienstzeit hat der heute 53-jährige Koch gemerkt, dass ein „normaler“ Beruf auf Dauer für ihn nichts sein kann.

(Foto: privat)

"Ich übe jeden Tag und komponiere. Wenn es wieder losgeht, bin ich bereit"

Claus Koch bleibt trotz aller Schwierigkeiten seiner Leidenschaft als Musiker treu. "Ich übe jeden Tag und komponiere, mache mir Gedanken über zukünftige Projekte. Wenn es wieder losgeht, bin ich bereit." Einen anderen Beruf auszuüben, das kann sich Claus Koch nicht vorstellen. "Ich habe schon so viele Höhepunkte in meiner Karriere erlebt und bin mit verschiedenen Bands viel in der Welt rumgekommen", sagt er. Egal ob in den USA, der Mongolei, Montenegro, Polen oder den Niederlanden - tolle Begegnungen mit anderen Musikern hatte Claus Koch schon in vielen Ländern. "Beim Jazz gibt es ein Standardrepertoire auf der ganzen Welt. So kann man auch mit Musikern aus anderen Ländern, ohne zu sprechen, einfach miteinander spielen. Nach Konzerten gibt es oft Jamsessions, die die ganze Nacht andauern".

Lampenfieber hat Claus Koch nur selten und wenn nur auf sehr großen Bühnen. "So etwas kann ungewohnt sein, aber wenn ich vor Ort bin, dann weiß ich, dass alles funktionieren wird. Aufgeregt bin ich wenn, dann vorher, wenn ich mich frage, ob ich auch ja alles dabei habe und pünktlich ankomme", erzählt der Musiker und schmunzelt.

"Ich wünsche mir, dass es wieder viel Live-Musik geben kann und dass viele Menschen Lust haben hinzugehen"

Um Auftrittsmöglichkeiten in Freising zu bekommen, muss man sich laut Claus Koch "selbst kümmern und umtriebig sein". "Das ist überall so. Diese sind begrenzt und es herrscht Konkurrenzdruck. Ich habe aber das Gefühl, dass die Freisinger aufgeschlossen sind", sagt Koch. "Die Stadt Freising ist immer sehr hilfreich und kooperativ, wenn wir zum Beispiel unser jährliches Jazzfestival mit der Musikschule organisieren". Der Musiker macht sich Sorgen, dass nach Corona viele Clubs dichtmachen müssen und so vielleicht noch mehr Auftrittsmöglichkeiten wegfallen. "Ich wünsche mir, dass nicht allzu viel kaputtgegangen ist, dass es wieder viel Live-Musik geben kann und dass viele Menschen Lust haben hinzugehen. Dass es einfach wieder möglich ist zu spielen".

Wenn Sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den SZ-Kulturpreis vorschlagen wollen, schreiben Sie bitte bis 30. April eine E-Mail an lkr-freising@sz.de oder tassilo@sz.de.

© SZ vom 28.04.2021/ilos
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tanja maria froidl

SZ-Kulturpreis Tassilo
:Das Multitalent

Die Freisingerin Tanja Maria Froidl kann Klassik und Musical. Sie ist Kabarettistin, Moderatorin, Autorin, Regisseurin, Gesangslehrerin und dank Corona derzeit auch Bioladen-Verkäuferin. Jetzt ist sie für den Tassilo-Preis nominiert.

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