Tarifvertrag beschlossenStiftung verzichtet auf Leiharbeiter

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Gute Nachrichten für Freisinger Pflegekräfte: Für das Personal der Heiliggeist Dienste GmbH gilt künftig ein Tarifvertrag. Die Vorsitzende des Betriebsrats freut sich.

Sabina Dannoura

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Es sind gute Nachrichten, die Stiftungsleiter Stephan Warsberg am heutigen Dienstag den Mitarbeitern der Heiliggeist Dienste GmbH verkünden kann: Ihren Status als Leiharbeiter sind sie am 1. Juli endlich los. Beschäftigt wird das GmbH-Personal fortan in einer neuen Gesellschaft nach einem von der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Tarifvertrag der Arbeiterwohlfahrt. Die Pflegekräfte profitieren dabei vor allem durch mehr Urlaub und eine geringere Wochenarbeitszeit.

"Das ist ein Fortschritt": Andrea Gurr, die Betriebsratsvorsitzende der Heiliggeist Dienste , freut sich über den Tarifvertrag.
"Das ist ein Fortschritt": Andrea Gurr, die Betriebsratsvorsitzende der Heiliggeist Dienste , freut sich über den Tarifvertrag. Region.FRS

Zwei Pflegeheime, betreute Seniorenwohnungen sowie einen mobilen Pflegedienst bietet die Heiliggeistspital-Stiftung Freising. Ihre umstrittene Leiharbeiter-Praxis hat das soziale Engagement der Stiftung jedoch in den Hintergrund treten lassen: Sie stand seit zwei Jahren wegen Lohndumpings am Pranger. Denn die Gründung der Heiliggeist Dienste GmbH verfolgte einzig den Zweck, billiges Personal engagieren und an die Einrichtungen der Stiftung verleihen zu können. Etwa die Hälfte der Belegschaft, 100 Mitarbeiter, arbeitet für einen niedrigeren Lohn, selbst wenn zum Teil die gleichen Tätigkeiten verrichtet werden.

Dieses vor allem von den Linken im Stadtrat gebrandmarkte Konzept der "Arbeitnehmerüberlassung" ist bald Geschichte. Und erledigt ist damit auch die Zusammenarbeit mit der sogenannten christlichen Gewerkschaft CGZP, der in zwei richterlichen Instanzen die Tariffähigkeit abgesprochen worden war.

"Unsere Mitarbeiter waren bisher auch keine Stiefkinder", versichert Andrea Gurr, Vorsitzende des Betriebsrats der Heiliggeist Dienste GmbH. Es habe natürlich Nachteile gegenüber den Kollegen der Stiftung gegeben, die noch nach dem vorteilhaften Bundesangestelltentarif (BAT) entlohnt worden seien. "Aber ich möchte nicht sagen, dass wir furchtbar ausgebeutet wurden", beteuert Gurr. Zum 1. Juli wechseln die etwa 100 Pflegekräfte in eine neue Gesellschaft, die im Zuge der Umstrukturierung der Stiftung entstanden ist: Diese wird mit dem Aufgabengebiet "stationäre Pflege" betraut; in diese Tochtergesellschaft werden alle Mitarbeiter - in einem Jahr auch die noch bei der Stiftung beschäftigten - überführt. Dafür hat sich die Stiftung auch einen anerkannten Tarifpartner gesucht, wie Stephan Warsberg bestätigt: die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Dem Vernehmen nach wird in der neuen Gesellschaft der Tarifvertrag der Arbeiterwohlfahrt gelten.

"Es gibt schon deutliche Verbesserungen", räumt Gurr ein: Zwei Urlaubstage mehr im Jahr, statt einer 40-Stundenwoche nur mehr 39 Stunden wie bei den Stiftungs-Kollegen und auch ein etwas höherer Lohn. "Das ist ein Fortschritt, aber nicht die Welt", findet Gurr. Die Personalratsvorsitzende der Stiftung, Gundi Streng, bewertet die Entwicklung enthusiastischer: "Es ist nur zu unterstützen und zu begrüßen, dass die Leiharbeit vom Tisch ist und die GmbH-Mitarbeiter jetzt ordentlich bezahlt werden." Auch Stiftungsleiter Warsberg findet: "Das ist definitiv ein Fortschritt."

Das nach dem alten BAT entlohnte Personal betrifft die Neuregelung nur indirekt: Ein Jahr lang haben die Stammkräfte Bestandsschutz. Danach könnten die neuen Konditionen der besser bezahlten Belegschaft übergestülpt werden. "Uns erhebliche Einbußen zuzumuten, kann sich die Stiftung gar nicht leisten", sagt indes Gundi Streng mit Blick auf den Fachkräftemangel und setzt auf konstruktive Verhandlungen in den nächsten Monaten.

© SZ vom 08.06.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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