Talentiade 2019 Einfach nur tanzen

Anastasia Menzel nimmt in einem Moment einen traurigen, im nächsten einen wütenden Gesichtsausdruck an. Tanzen sei wie schauspielern, sagt sie.

(Foto: oh)

Anastasia Menzel, 12, vom TSC Dance Gallery Eching/Königsbrunn hat mittlerweile 75 Pokale daheim stehen und war schon Vizeweltmeisterin. Hauptsächlich gehe es ihr jedoch nicht um Medaillen, sondern den Spaß, sagt sie.

Von Laura Dahmer, Eching

"Kommt rein, zieht euch um, und dann bitte schnell und leise in die Halle", ruft Anastasia Menzel den jungen Mädchen zu, die sich im Laufschritt der Turnhalle der Imma-Mack-Realschule nähern. Das Training hat gerade angefangen, aber die Trainerin ist noch nicht da. Menzels Mutter steht im Stau, deshalb muss sich die Tänzerin selbst um die Sechs- bis Zehnjährigen des TSC Dance Gallery Eching/Königsbrunn kümmern. Sie steht auf Socken in der Tür zur Halle, ihre Haare stecken in einem wuseligen Zopf. Sie hat gerade Pause von der eigenen Tanzstunde. Anastasia Menzel ist zwölf Jahre alt und eine der besten Tänzerinnen ihrer Altersklasse. Bei Wettbewerben hat sie schon unzählige Preise abgeräumt, 2017 wurde sie Vizeweltmeisterin im Jazz Dance.

"75 Pokale sind es mittlerweile, unser ganzer Keller steht voller Kisten", sagt Mutter und Trainerin Natalya Menzel stolz. "Mir geht es nicht um Medaillen, sondern um die Bühnenerfahrung - und um Spaß", wirft ihre Tochter ein. Trotzdem hat die Tänzerin immer den Ansporn, sich zu verbessern, mehrmals in der Woche bleibt sie nachmittags in der Imma-Mack-Realschule, die sie selbst besucht und wo ihr Verein trainiert. Gerade ist der serbische Choreograf Miloš Isailović da, mit dem sie neue Tänze einstudiert. Dann ist jeden Tag Training angesagt. Dreimal die Woche hat die Echingerin außerdem Balletttraining an einer Ballettschule, "für die Technik". Ist ihr das nicht zu viel? Menzel schüttelt energisch den Kopf. "Tanzen ist eine Hälfte von mir." Natalya Menzel kann das bestätigen: "Sie ist quasi jede freie Minute in der Halle. Und wenn sie gerade nicht selbst trainiert, dann kümmert sie sich um die Kleineren." Für die steht nach dem Umziehen erst einmal das Aufwärmen an, noch ist die Zwölfjährige mit ihnen allein in der Halle. Mit ruhiger, fester Stimme weist sie die Mädchen, die kaum jünger sind als sie, ein. "Lucia, bind deine Haare bitte so zusammen, dass du tanzen kannst. So, und jetzt lauft euch drei Runden warm, nicht zwischendurch schlappmachen." In der TSC Dance Gallery hat Disziplin oberste Priorität, Menzel ist damit aufgewachsen.

Anastasias Mutter war früher selbst Profitänzerin

Die Begeisterung für den Tanz liegt in der Familie: Ihre Mutter Natalya, früher selbst Profitänzerin, leitet das Training im Jazz und Modern Dance der TSC Dance Gallery. Anastasias Großmutter war Balletttänzerin am berühmten Bolschoi-Theater in Moskau. Bei ihr stand Anastasia schon mit zwei Jahren auf wackeligen Beinen im Kinderballett. "Auf dem Wickeltisch hat ihre Oma schon mit ihr Spagat geübt", erinnert sich ihre Mutter lachend. Mit Erfolg: Mit fünf Jahren kam die Echingerin regelmäßig mit Natalya Menzel ins Training, mit sechs Jahren ging sie an die staatliche Ballettschule in München. "Wir haben sie nie zum Tanzen gedrängt, das kam von Anastasia aus", sagt ihre Mutter. Von ihren Geschwistern ist sie die einzige, die sich für den Sport entschieden hat. Ihr Durchbruch, sagt die Tänzerin selbst, war der Vizeweltmeistertitel in Polen 2017. "Wenn du zu deinen ersten internationalen Turnieren kommst, bist du ein Niemand. Keiner kennt dich", erklärt die Zwölfjährige. Nach dem zweiten Platz in Polen fand den Weg zu Isailović, mit dessen Tänzen sie etliche Wettbewerbe gewann. Wenn Anastasia Menzel die Tanzfläche betritt, sieht man, warum. Ihr Blick wird ernst, jeder Schritt wirkt kontrolliert und doch natürlich. Ohne Probleme geht sie vom Sprung in die Drehung, nimmt im einen Moment einen traurigen, im nächsten einen wütenden Gesichtsausdruck an, immer im Einklang der Musik. "Tanzen ist ein bisschen wie schauspielern", sagt Menzel. Sie tanzt sowohl Solo als auch Duo, Small Groups und Formation.

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Dass die Zwölfjährige so viel auf Tanzwettbewerben unterwegs ist, macht ihr in der Schule keine Probleme. "Ich versuche, so wenig wie möglich zu fehlen", sagt sie. Bei den großen Turnieren zeigt sich ihre Schule aber kooperativ. "Ich habe schon einmal schnell vor der Abfahrt noch eine Schulaufgabe geschrieben, die ich extra früher machen konnte", erinnert sie sich. Auf die Frage, ob sie gerne mal Profitänzerin werden will, reagiert Menzel erst mit ungläubigem Blick, dann fängt sie an zu lachen. Zum ersten Mal kommt etwas Kindliches aus ihr heraus. "Ich bin zwölf, das weiß ich doch nicht!" Im Moment möchte sie einfach nur tanzen.

Mit der Talentiade 2019 zeichnet die SZ zum zehnten Mal die Leistung junger Sporttalente (bis Jahrgang 2000) aus München und den umliegenden Landkreisen aus sowie die hervorragende Nachwuchsarbeit ihrer Vereine. Wir suchen deshalb junge Sportlerinnen und Sportler, die in den vergangenen beiden Jahren - unabhängig von Sportart, Meisterschaften oder Titeln - besonderes sportliches Engagement gezeigt haben. Vergeben werden unter anderem neun Förderpreise à 1500 Euro. Bewerbungen und Vorschläge unter sz.de/talentiade2019. Einsendeschluss ist Dienstag, 18. Juni.

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