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Talentiade 2019:David gegen Goliaths

Im Februar tritt die U17 des SE Freising aus der Bezirksoberliga bei einer bayerischen Hallenmeisterschaft auch gegen Bundes- und Landesligisten an. Am Ende steht eine Riesen-Überraschung: Das Freisinger Team wird Zweiter

Wenn eine Mannschaft aus der Bezirksoberliga, wie die U17 (B-Junioren) des SE Freising, an einer bayerischen Hallenmeisterschaft teilnehmen darf, ist das für sich ja schon eine großartige Leistung. Wenn sich so ein David dann aber auch noch gegen mehrere Landesliga-Teams und sogar zwei Bundesligisten behaupten kann und am Ende Platz zwei belegt, ist das fast sensationell.

Beinahe hätte es sogar zum Titel gereicht, denn die Freisinger verloren das Endspiel gegen den FC Ingolstadt recht unglücklich. Die Mannschaft des SEF hatte ein deutliches Chancenplus, ging in Führung, musste aber per Strafstoß den Ausgleich hinnehmen. Von den drei Schützen im Sechsmeterschießen trafen dann zwei nur den Pfosten, wodurch das Bundesligateam des FC Ingolstadt mit 3:2 bayerischer Meister war.

Bei den Spielern - Jahrgang 2002 - war danach die Enttäuschung riesengroß. Mit hängenden Köpfen schlichen sie aus der Halle. "Gleich gut gewesen und verloren zu haben, das ist bitter", sagt Trainer Marc Klingseisen, "die Burschen sind in ein Riesenloch gefallen". Keiner habe sich darüber freuen können, bayerische Vizemeister zu sein. "Erst jetzt wird ihnen langsam bewusst, was sie an diesem 9. Februar in Herrieden geleistet haben", sagt Klingseisen. Gespielt wurde Futsal. Das ist die vom Bayerischen Fußballverband favorisierte schnelle Variante des Hallenfußballs ohne Bande. Landet der Ball im Aus, muss er innerhalb von vier Sekunden wieder ins Spiel gebracht werden. "Das geht ganz schön an die Kondition", weiß Klingseisen. Begonnen hat alles in Zolling, als der SEF mit sechs Siegen in sechs Spielen Landkreismeister wurden. Danach ging es in Moosburg zur Meisterschaft im Kreis Donau/Isar. Wieder sechs Siege in sechs Spielen, Torverhältnis 18:2. Es folgte die oberbayerische Meisterschaft in Altötting. Dort gab es zwar gegen Wacker Burghausen die einzige Niederlage im gesamten Wettbewerb, aber fünf Siege und ein 3:2 im Finale gegen Rosenheim reichten zum Titel.

Beinahe hätte es beider Hallenmeisterschaft sogar zum Titel gereicht. Die Burschen, Jahrgang 2002, waren anfangs sogar enttäuscht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Und plötzlich war das kleine Bezirksoberliga-Team aus Freising Teilnehmer der bayerischen Meisterschaften. So groß die Freude darüber war, so schwer fiel es dem damaligem Cheftrainer Rafael Malecki, der mittlerweile zur A-Jugend gewechselt ist, und seinen Assistenten Klingseisen und Markus Kleindienst, aus dem 22-Mann-Kader der B-Jugend die zehn auszuwählen, die im Konzert der Großen mitmischen sollten. "Das war nicht einfach", erinnert sich Klingseisen.

Bereits einen Tag vor dem Turnier reiste die Freisinger Truppe mit den drei Betreuern und einer Mutter, sowie den Spielern Maxi Ziegltrum (Tor), Aaron Raith, Leon Klingseisen, David Muhuri, Felix Fischer, Joshua Steindorf, Noah Staudt, Lois Kleindienst, Bekecan Hakim und Lucas Bertsch an. Übernachtet wurde in einem Hotel, schließlich wollte man gut vorbereitet in das Turnier gehen. Gleich im ersten Spiel ging es tags darauf gegen den Bundesligisten FC Ingolstadt. "Alle haben an sich geglaubt, waren wild entschlossen, ans Limit zu gehen", sagt Klingseisen. Lange stand es 1:1, doch Sekunden vor Schluss gelang Aaron Raith der Siegtreffer. Danach ging es munter weiter: Gegen den FC Memmingen und die JFG Frankenwald wurde in den zwölf Minuten Spielzeit je 1:0 gewonnen, gegen den FC Amberg 2:0. Der SEF war ungeschlagen Gruppensieger. Im Halbfinale wartete mit dem FC Augsburg die nächste Bundesligatruppe. Ein früher Rückstand entmutigte die Freisinger nicht, Leon Klingseisen schoss den Ausgleich, Joshua Steindorf den Siegtreffer. Wieder ging es im Endspiel gegen den FC Ingolstadt, mit dem bekannten unglücklichen Ende.

Inzwischen geht es wieder auf dem Rasen um Punkte. Diese Saison ist es nicht so gut gelaufen. Die Freisinger stehen nur im Mittelfeld, können nach oben nichts mehr erreichen und haben nach unten keine Sorgen. "Zu oft haben wir unser Potenzial nicht abgerufen", sagt Klingseisen. Am vergangenen Sonntag wurde wieder gegen Ingolstadt gespielt, den Tabellenführer der Bezirksoberliga. Aber das war nicht der FC, sondern die DJK, und es wurde 1:2 verloren. Klingseisen ist mit seiner Truppe dennoch zufrieden. "Bei uns gibt es keine Stars, wir sind nicht von ein, zwei Leuten abhängig, wir sind eine Mannschaft", sagt er, und lobt deren "großartigen Spirit". Der Kern sei seit der E-Jugend zusammen, sagt er, "bei denen stimmen Teamgeist und Charakter". Vielleicht deswegen wurden bisher auch wenige Spieler von höherklassigen Vereinen abgeworben. Manuel Kainz war einer, der zum FC Bayern wechselte und dort in der B-Jugend-Bundesliga im Tor steht. Nächstes Jahr wird A-Jugend gespielt, hoffentlich in der Landesliga und hoffentlich, sagt Klingseisen, meldet der SEF eine A2 an, damit seine Burschen auch weiter alle Fußball spielen können.

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