ErnährungTagwerk kämpft um Zukunft der Bio-Metzgerei

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In Niederhummel betreibt die Tagwerk-Genossenschaft eine Biometzgerei mit eigener Schlachtung.
In Niederhummel betreibt die Tagwerk-Genossenschaft eine Biometzgerei mit eigener Schlachtung. (Foto: Marco Einfeldt)
  • Die Tagwerk-Biometzgerei in Niederhummel ist in die roten Zahlen gerutscht und benötigt eine Finanzspritze der Genossenschaft sowie neue Absatzwege.
  • Explodierte Preise für konventionelles Rindfleisch seit Ende 2024, die Pleite der Biomarktkette Basic und größere Konkurrenz führten zu sieben Prozent Umsatzrückgang.
  • Ab April verkauft Tagwerk Fleisch- und Wurstprodukte auf dem Augsburger Stadtmarkt und plant weitere kleine Metzger-Läden in Augsburg und München.
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Die Genossenschaft sucht neue Absatzwege, um den Betrieb in Niederhummel erhalten zu können. Für viele Öko-Landwirte in der Region ist es essenziell, ihre Tiere nicht zu industriellen Schlachthöfen transportieren zu müssen.

Von Petra Schnirch, Langenbach

Hinter der Tagwerk-Biometzgerei liegt ein schwieriges Jahr. Gleich mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass sie in die roten Zahlen gerutscht ist. Weitergehen kann der Betrieb nur mit einer Finanzspritze der Genossenschaft und der Erschließung neuer Absatzwege, das macht Reinhard Gromotka in seiner Jahresbilanz deutlich. Einige konkrete Ideen, wie dies gelingen könnte, haben die Verantwortlichen bereits, vorgestellt werden sie am Montag, 26. Januar, bei einer außerordentlichen Generalversammlung in Freising.

Für Gromotka ist der vor zehn Jahren eröffnete Betrieb in Niederhummel bei Langenbach im Landkreis Freising unbedingt erhaltenswert. Neben den Herrmannsdorfer Landwerkstätten sei es in Bayern die einzige Metzgerei im Bio-Bereich, die selbst schlachte, erklärt er bei einem Gespräch in seinem Tagwerk-Laden „Frisch & Fein“ in Landshut. Die meisten Tiere aus ökologischer Haltung landeten in industriellen Schlachthöfen. Diesen Weg wollten die Tagwerk-Landwirte nicht länger mitgehen. Deshalb gründete die Genossenschaft mit Sitz in Dorfen, die im Großraum München mehrere Bioläden mit regionaler Ware sowie Stände auf Wochenmärkten betreibt, 1995 eine eigene Biometzgerei.

Einige Landwirte hätten bereits signalisiert, dass sie die Tierhaltung aufgeben würden, sollte es den Betrieb nicht mehr geben, schildert Gromotka. Auch nach seinem Verständnis passt es nicht zusammen, wenn man Tiere artgerecht halte und sie dann zu einem großen Schlachthof transportiere. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Gründe für die finanzielle Schieflage gibt es gleich mehrere. Die Preise für konventionelles Rindfleisch, an denen man sich orientiere, seien seit Ende 2024 explodiert, erklärt Gromotka. Es sei unmöglich gewesen, höhere Preise so schnell und in vollem Umfang durchzusetzen.  Zudem sei wegen der Pleite der Biomarktkette Basic ein Abnehmer weggefallen. Die Konkurrenz um die wenigen Biofleisch-Theken in München sei größer geworden. Den Umsatzrückgang beziffert Geschäftsführer Gromotka auf etwa sieben Prozent. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich. Die Biometzgerei benötige nicht zehn Filialen, „wir brauchen aber eine Handvoll gut gehender Theken, die wir direkt beliefern können“.

Seit zehn Jahren gibt es die Tagwerk-Biometzgerei in Niederhummel im Landkreis Freising.
Seit zehn Jahren gibt es die Tagwerk-Biometzgerei in Niederhummel im Landkreis Freising. (Foto: Marco Einfeldt)

Das erste Projekt steht bereits. Auf dem Augsburger Stadtmarkt gibt es von April an Fleisch- und Wurstprodukte von Tagwerk zu kaufen. Dafür will die Genossenschaft eine Tochter-GmbH gründen. In Augsburg habe man schnell gutes Personal gefunden, sagt Gromotka. Deshalb gibt es bereits Überlegungen, das Geschäft dort auszuweiten und kleine Metzger-Läden zu eröffnen, eventuell ergänzt um regionale Produkte und ein Frischesortiment. Für München soll dies ebenfalls geprüft werden. Zur Höhe der geplanten Investitionen will sich der Geschäftsführer nicht äußern.

Wichtig sei, „das Thema an die Menschen zu bringen“, Werbung für das Besondere der Tagwerk-Biometzgerei zu machen. „Die Leute müssen wissen, was dahintersteckt.“ Das Projekt stehe für Ansprüche wie Tierwohl und Qualität. Nach einer schonenden Anlieferung aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern kämen die Tiere in Niederhummel erst einmal über Nacht in einen großen Laufstall, damit sie möglichst entspannt bleiben. Da das Fleisch gleich weiterverarbeitet wird, müsse man kein Phosphat und Nitritpökelsalz zugeben.

Die Genossenschaft betreibe die Metzgerei nicht, um Gewinne zu erzielen. Da stecke viel Idealismus dahinter. „Die schwarze Null aber sollte stehen.“ Reinhard Gromotka gibt zu: „Wenn wir gewusst hätten, wie schwierig das ist, hätten wir es nicht gemacht.“ Dennoch sei es der richtige Weg für den Erhalt der Kreislaufwirtschaft in der ökologischen Landwirtschaft.

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