SZ-Serie: inhabergeführte Geschäfte Bohnen aus eigener Röstung

Zwar ist "Junkers CafeRösterei" an der Fischergasse noch relativ jung in der Freisinger Geschäftswelt, über fehlende Kundschaft müssen sich Nina und Michael Junker dennoch nicht beklagen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nina und Michael Junker haben sich an der Freisinger Fischergasse einen Traum erfüllt. Sie verkaufen dort hochwertige Kaffeesorten. Genießen kann man diese auch im Café mit Terrasse an der Stadtmoosach

Von Raphael Ostertag, Freising

Eigentlich die perfekte Lage - nur eine Gehminute vom Marienplatz entfernt und dabei in einer der schönsten und gemütlichsten Gassen Freisings gelegen: "Junkers Café Rösterei" hat sich vergangenes Jahr an der Fischergasse niedergelassen. Vor den Glasfenstern des gelb-weißen Altbaus plätschert die Stadtmoosach vor sich hin, Tische und Stühle stehen in den warmen Monaten am Geländer des Bachs, wo die Gäste den Kaffee von Michael Junker genießen können. Angeboten werden außerdem selbstgebackene Kuchenstücke und kleine Snacks.

In den Räumlichkeiten, welche die Jahre zuvor das traditionsreiche "Calafati" - zuletzt als Tapas-Bar - beherbergten, befindet sich seit eineinhalb Jahren eine familiengeführte Kaffeerösterei, betrieben von Michael Junker und Tochter Nina. Der Besucher merkt schnell, dass es sich beim "Junkers" um kein gewöhnliches Café handelt, denn sowohl Rösterei als auch Verkaufsstelle für den eigenen Kaffee befinden sich unter dem gleichen Dach. Nicht nur diese Dreiteilung ist einzigartig, auch die Atmosphäre unterscheidet sich von vielen anderen Cafés. In "Junkers Café Rösterei" geht es persönlich zu, man betritt den Laden und fühlt sich gleich willkommen. In der Ecke steht eine große Maschine, in der die Bohnen aus Indien, Honduras, Brasilien, Guatemala und Kolumbien vom Besitzer geröstet werden.

Zusammen mit einem Team von vier festangestellten Mitarbeitern managen Nina und Michael Junker das gemeinsame Geschäft. Die Aufgaben sind dabei klar verteilt: Während sich Michael Junker als Kaffeeexperte und ausgebildeter Röster mit Bestellung, Röstung, Trocknung und Abfüllung beschäftigt, kümmert sich seine 27-jährige Tochter Nina als Geschäftsführerin um den Ablauf im Familienunternehmen. Ihre Aufgaben sind dabei so vielfältig wie die des Vaters: Sie bereitet den Kaffee zu, arbeitet an der Theke mit den Kaffeeschütten und bedient die Gäste im Freien. Beide sind ein eingespieltes Team, jeder kann auch mal die Aufgaben des anderen übernehmen.

Michael Junker erzählt, dass er ursprünglich auf der Suche nach einer kleinen Lokalität gewesen sei, wo er seinen Kaffee rösten und verkaufen kann. "Eigentlich sollte es nicht so groß werden, eher in Richtung Stehcafé." Seine Arbeit als Physiotherapeut habe er beendet, um etwas zu machen, das ihm wirklich Spaß bereite, erzählt er. Nina, seine älteste Tochter, die ihren Vater schon bei seinem vorherigen Job an der Rezeption unterstützte, half ihm beim Suchen nach einer passenden Immobilie, bis sie auf diese Räumlichkeiten an der Fischergasse stießen.

"Am Anfang war hier nichts, kein Fußboden, keine Decke, keine Toiletten; es war wirklich nur ein Rohbau." Diesen galt es dann erst einmal in Eigenregie herzurichten, erzählen die beiden Besitzer. Ziel war es, die Einrichtung des Geschäfts gemütlich und anspruchsvoll zu gestalten, beispielsweise mit dem Eichenboden und den Holztischen, erklärt Michael Junker. "Wir haben hier viel Geld reingesteckt und uns gut überlegt, wie unser Konzept aussehen soll".

Das Konzept kann man unter den zwei Wörtern Kundenkontakt und Nachhaltigkeit zusammenfassen. Wichtig sei, mit den Gästen zu reden, zu zeigen, dass man kein Coffee-to-Go-Laden mit anonymer Laufkundschaft sei und bei Fragen rund um den Kaffee individuell zu beraten. Zum anderen sei man sehr darauf bedacht, nachhaltig und ökologisch zu handeln. "Der Kaffee ist in der Regel Fairtrade und biozertifiziert", sagt Michael Junker. "Darauf schauen wir sehr". Jedoch wolle man das nicht groß an die Glocke hängen. Man wolle diese Nachhaltigkeit einfach leben, weil es wichtig sei. Dabei gebe es eine Menge Maßnahmen, die ein Café-Besitzer laut Junker ergreifen kann. Die Milch zum Beispiel, von der er alleine für den Cappuccino bis zu 40 Liter wöchentlich braucht, werde von einem nahegelegenen Biobauern bezogen, der die Milch wie früher in braunen Milchflaschen vorbeibringt.

Geöffnet ist das Café mit angeschlossener Rösterei und Verkaufsstelle von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bei der Kundschaft kommt das offenkundig an. "Wir haben einen Blitzstart hingelegt", sagt der 57-Jährige begeistert. An den Wochenenden sei besonders viel los und an manchen Sonntagen laufe es so gut in ihrem Café, dass kein freier Platz mehr vorhanden sei, sodass Gäste wieder gehen müssten. Und das obwohl man aktuell ein wenig eingeschränkt sei wegen der Baustelle am Asamgebäude. In dieser Sache sind sich die beiden Besitzer einig: Die Fischergasse werde in Zukunft noch besser besucht werden.

Vielleicht auch deshalb zog Geschäftsführerin Nina Junker vergangenes Wochenende nach Freising. Die Junkers kommen aus Ismaning, Michael Junker kennt die Domstadt aber schon länger, damals leistete er seine Wehrpflicht in der General-von-Stein-Kaserne. Da es hier noch keine Kaffeerösterei gab, entschieden sich die beiden für den Standort in der Altstadt. "Genau das hat Freising gebraucht", sagt der Kaffeeröster.

Der Umbau der Freisinger Innenstadt läuft auf Hochtouren. Für die Geschäftsleute bedeutet das harte Zeiten mit wechselnden Baustellen oft direkt vor der Tür und teilweise ausbleibender Kundschaft. Beim Freisinger Werbeverein Aktive City baut man darauf, dass vor allem die traditionsreichen, inhabergeführten Geschäfte der Altstadt die bevorstehenden schwierigen Monate gut überstehen. Die SZ stellt diese Geschäfte in loser Folge vor.