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SZ-Balkonien:Kommt ein Vogel geflogen

Mit Hilfe eines Schälchens Wasser und Schatten hat sich der stürmische Gast wieder beruhigt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Angelockt vom üppigen Grün, fliegt das Federtier gegen eine Fensterscheibe und bringt sich erst mal in Sicherheit.

Auf einem zur Blühwiese umfunktionierten Balkon landet so manches, mit dem man gar nicht rechnet. Ein kleiner Vogel zum Beispiel. Auf dem Boden, wo man ihn so gar nicht sieht, weil man gerade nur Augen für schöne Blüten und rote Tomaten hat. Für den kleinen Kerl hätte das übel ausgehen können. Mit einem kleinen Satz und einem vorwurfsvollen "Fiiep" kann er sich gerade noch in Sicherheit bringen, als die Wirtschaftsredakteurin zur Tomatenernte schreiten will. Als sie später von diesem Abenteuer erzählt, behauptet sie, dass es wohl eine Heckenbraunelle gewesen sei - und erntet ob dieser Fachkenntnis im Kreis der Kollegen ehrfürchtiges Staunen.

Was also tun mit dem kleinen Besucher, der - womöglich angelockt durch das ungewohnte Grün auf dem SZ-Balkon - gegen eine Scheibe geflattert ist und nun reichlich benommen ein klägliches Bild abgibt. Man hat keine Erfahrungswerte, denn als der Balkon noch grau und trist war, mieden ihn die Vögel, eine brütende Taube einmal ausgenommen. Weil der Vogel sich nicht berappelt, ist die Panik der Wirtschaftsredakteurin mittlerweile fast ebenso groß wie die des Piepmatzes, der sie, in leichter Schieflage, mit großen Augen anschaut. Erst mal die Jalousie ausfahren, um für Schatten zu sorgen, ein Schälchen mit Wasser raus stellen und den Kleinen zur Ruhe kommen lassen. Zurück am Computer googeln, wer sich in Freising um Wildvögel kümmert. Es findet sich immer wieder nur der Verweis auf die Vogelklinik in Oberschleißheim. Könnte man die Arbeit einfach so liegen lassen, um den Patienten dorthin zu fahren? Hätte die Chefin, übrigens Frau Vogel, wohl Verständnis dafür? Könnte man den Termin am Abend einfach sausen lassen? Ein echter Gewissenskonflikt bahnt sich an.

Symbolbild: So sieht eine Heckenbraunelle aus, wie sie womöglich auch auf dem Balkon der Freisinger SZ gelandet ist.

(Foto: H.-J. Fünfstück)

Beim fünften Kontrollgang hat sich der unfreiwillige Balkon-Gast ein wenig bewegt. Beim zehnten: Aufatmen, er ist nicht mehr da, auch zwischen den Blumentöpfen hat er sich nicht versteckt. Mit vielleicht etwas brummendem Schädel hat er das Weite gesucht. Jetzt gehört wieder das ganze Augenmerk der Sonnenblume und den Tomaten - aber immer mit einem kurzen Kontrollblick Richtung Boden.