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SZ-Adventskalender:Einsamkeit und finanzielle Not

Die Folgen der Corona-Pandemie treffen vor allem alte Menschen

Von Gudrun Regelein, Freising

Einsamkeit und das Gefühl, ausgeschlossen zu sein: Die Corona-bedingten Besuchsverbote und eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten haben gerade alte Menschen schwer getroffen. "Die Pandemie hat unsere Bewohner isoliert - auch wenn es zu ihrem eigenen Schutz geschieht", sagt Björn Kummerow-Fuchs, Leiter des Seniorenzentrums Freising der Heiliggeist-Spital-Stiftung an der Rotkreuzstraße. "Denn der Super-Gau wäre für uns, wenn unter ihnen einer an Covid-19 erkranken würde", sagt Kummerow-Fuchs. Das versuche man, mit allen Mitteln zu verhindern. Während des Lockdowns im Frühjahr gab es bereits sehr früh ein Betretungsverbot für das Heim - beispielsweise für Physiotherapeuten und Logopäden. Später galt das Kontaktverbot auch für die Angehörigen, nur Bewohner, die im Sterben lagen, durften noch besucht werden. Sogar ein Sicherheitsdienst überwachte, dass niemand hereinkam.

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Momentan sind die Besuche auf eine feste Person für jeden Bewohner beschränkt und die Begegnungen finden schon seit Langem nicht mehr in den Zimmern, sondern in dafür eingerichteten Besuchsboxen statt - mit Sicherheitsabstand und Masken. "Wir tun das alles, um unsere Bewohner zu schützen", betont Kummerow-Fuchs. Deshalb schotte man sich ab - auch wenn das für viele der zum Teil hochbetagten Bewohner und auch für deren Angehörige "sehr einschneidend" und schwierig sei.

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Die Einsamkeit, Ängste und Verunsicherung seien das aktuelle Thema. Dauerthema aber sei die finanzielle Not, unter der die meisten der Bewohner leiden. "Sehr viele unserer momentan 146 Senioren sind Sozialhilfeempfänger, schätzungsweise etwa 40 Prozent. Die haben gerade einmal 116,64 Euro Taschengeld im Monat zur Verfügung", berichtet der Heimleiter. Alles für den persönlichen Gebrauch müsse davon bezahlt werden: der Friseur, Zahnpaste, Rasiersachen, die Zeitschrift oder die Tafel Schokolade. Weit komme man damit nicht, sagt Kummerow-Fuchs. Alleine der Friseurbesuch und die Pediküre würden zusammen etwa 70 Euro kosten. Die Bewohner seien zwar gut versorgt, aber: "Vielen ist es nicht möglich, sich auch mal was zu gönnen, wie die Schachtel Pralinen zum Geburtstag oder bei fitteren Senioren den Café-Besuch in der Stadt."

Aber auch bei den Selbstzahlern reiche das Geld häufig nicht aus: Diese müssen im Monat für das Doppelzimmer 2258 Euro zuzahlen, für das Einzelzimmer seien es 2347 Euro. Manche von den Selbstzahlern hätten bei diesen Beträgen sogar weniger Taschengeld als die Sozialhilfeempfänger. "Bis zum Pflegegrad 4 gibt es auch kein Transportgeld - das heißt, der Bewohner muss sich, wenn er irgendwohin will, ein Taxi leisten können."

Bei der Tafel in Freising hat sich die Zahl der Senioren durch die Corona-Krise nicht erhöht, berichtet Zweite Vorsitzende Gundi Kürten. Nach wie vor sind etwa zehn Prozent der Kunden Rentner. "Es sind etwa 20, die jede Woche zu uns kommen." Gundi Kürten ist sich aber sicher, dass es wesentlich mehr Senioren im Landkreis gibt, die eigentlich bedürftig wären und auch den Anspruch hätten, sich bei der Tafel zu versorgen. Den Grund, das nicht zu tun, kennt sie auch: "Sie kommen aus Scham nicht." Gerade bei alten Menschen nämlich sei die Hürde, sich Hilfe zu erbitten, sehr hoch. Viele der Senioren lebten auch alleine, hätten kaum noch Kontakte, wenn die Kinder nicht in der Nähe wohnen - durch die Corona-Krise habe sich das jetzt noch einmal verschärft. "Die sind nun wirklich einsam."

© SZ vom 05.12.2020
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