bedeckt München 30°

SV Zukunft Freising:Sportlicher Erfolg als Motivationshilfe

Der Paralympiker Wolfgang Sacher macht Schülern Mut

Von Donato Nicolaidi, Freising

Kann man mit nur einer Hand und nur einem Arm Fahrrad fahren und Weltmeister werden? Ja, meint der Paralympiker Wolfgang Sacher. Der Mann, der sich scherzhaft "der letzte einarmige Bandit" nennt, gewann bei der WM in der Schweiz 2006 einen kompletten Satz Medaillen und wurde Weltmeister in der Disziplin Straßenrennen. Vergangenen Donnerstag schilderte er seinen erfolgreichen Weg in die Paralympics. Birgit Mooser-Niefanger und Anne Klein vom SV Zukunft haben diese Veranstaltung und zahlreiche Vorträge von Sacher in Schulen organisiert, da sie Jugendliche motivieren und inspirieren wollen. Normalerweise finden diese Vorträge an den Aktionstagen zum Thema Inklusion rund um den 5. Mai statt. Pandemiebedingt werden sie derzeit nachgeholt.

Wolfgang Sacher wuchs in Penzberg in Oberbayern auf. Gerade als er seine erste Ausbildung, eine Lehre zum Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), als Jahrgangsbester beendet hatte, wurde sein Leben auf dem Kopf gestellt. Am 13. April 1983 erlitt der junge Mann einen schwerer Unfall, den er nur durch ein Wunder überlebte. Der Verlust seines linken Armes hinderte ihn aber nicht daran, eine Lehre als Verwaltungsfachangestellter zu beginnen und Standesbeamter zu werden.

Fast 20 Jahre später sollte sich sein Leben erneut von Grund auf ändern. 2004 lernte Sacher Franz Zisler, den Landessportfachwart des Behinderten- und Versehrtenverbandes Bayern, kennen und entschloss sich dazu, an einem Sichtungslehrgang mit Mountainbike teilzunehmen. Danach wurde er in den bayerischen Kader aufgenommen und ins Trainingslager auf Mallorca eingeladen. Daraufhin machte er beim bayerischen Wettbewerb mit, gewann die bayerische Meisterschaft 2005 in Altenstadt und kurze Zeit später auch die deutsche Meisterschaft in Weil am Rhein. Schließlich wurde er dazu auserkoren, Deutschland bei der Europameisterschaft in Holland zu vertreten, und wurde in den deutschen Nationalkader aufgenommen.

2006 trat er bei der WM in der Schweiz an und wurde Weltmeister in der Disziplin Straßenrennen. Da wurde ein Penzberger Unternehmer auf ihn aufmerksam, Baron Otto von Drachenfels, und schloss mit Sacher einen Sponsorenvertrag ab. Dadurch konnte sich Sacher ein neues Rad, einen Ernährungsberater und einen professionellen Trainer leisten. Um sich auf Peking vorzubereiten, nahm er sich zwei Jahre Urlaub und trainierte in Florida und auf Mallorca mit der deutschen Nationalmannschaft. 2008 wurde er Vizeparalympicsieger im Radsport in Peking. Aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit konnte sich Sacher für die Gleichbehandlung von körperlich unversehrten Sportlern und Paralympikern einsetzen. Hier fuhr Sacher 2012 einen wichtigen Erfolg ein: Seit diesem Jahr erhalten alle Olympiasieger denselben Betrag, unabhängig davon, ob sie ein Handicap haben oder nicht. Wer eine Goldmedaille gewinnt, erhält von der Sporthilfe 20 000Euro. Inzwischen besucht Sacher zahlreiche Schulen und erzählt den Schülern seine Geschichte. Viele Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen sehen in ihm ein Vorbild, lassen sich inspirieren und motivieren. Sacher hält seine Vorträge immer mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass man mit eiserner Disziplin, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und ein kleines bisschen Begabung ein gestecktes Ziel erreichen kann.

© SZ vom 11.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite