Surfpark am Hollerner See Vielleicht ein bisschen Wellenreiten

Ein schöner Badesee soll der Hollerner See bleiben, nicht mehr und nicht weniger. Die meisten hochtrabenden Pläne wurden inzwischen begraben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Am Hollerner See sind schon viele Ideen krachend gescheitert. Ein letzter Anlauf wird nun mit einem Surfpark unternommen.

Von Klaus Bachhuber, Eching

An der Südwestecke des Hollerner Sees kann man an einem sauber angelegten Strand baden, an der Nordwestecke immerhin unbehelligt ins Wasser springen. Am gesamten Ostufer wird 2019 weiter gewerkelt und das Gelände gestaltet, damit dort vielleicht noch im Sommer 2020 oder zumindest 2021 der größte Erholungsstrand weit und breit genutzt werden kann. Und derzeit läuft noch die grundsätzliche Klärung, ob etwas südlich des Sees ein gigantisches Wasserbecken zum künstlichen Surfen eingelassen werden kann.

Aber das scheint es dann gewesen zu sein mit der Entwicklung des Sees. Eine Therme internationalen Zuschnitts oder eine Seesauna, ein paar Nummern kleiner? Tabuthema, längst passé. Die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs unter Echings Bürgern und eines Bürgerworkshops? Alle vergessen. Das für einen sechsstelligen Betrag inszenierte Plangutachten mit Projektideen von drei Planungsbüros? Ungenutzt in den Schubladen verschwunden.

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Die Entwicklung des Hollerner Sees war jahrelang der kommunalpolitische Dauerbrenner in Eching, zumindest für ein Jahr, dem des Bürgerentscheids, einem Aufreger in Unterschleißheim - und demnächst wird er in Schwarzbücher eingehen als Fanal kommunalen Planungsversagens.

Dem Erholungsflächenverein sind drei Viertel des Ufers anvertraut

Nichts machen am See - das hätte man auch einfacher und billiger haben können. Etwa drei Viertel des Ufers, das nach der Rekultivierung durch die Münchner Kiesunion entsteht, sind seit jeher dem Münchner Erholungsflächenverein anvertraut, der dort einen Badestrand mit der üblichen Infrastruktur aus Rettungswache, Gastronomie und Sanitäranlagen anlegt. Und die verbleibende Nordwestecke, nacheinander potenzieller Thermenstandort und dann Ideenraum für bezahlte Planer, engagierte Bürger und politische Parteien und Gruppierungen, wird wohl Grünfläche plus Radweg bleiben.

"Alles andere wäre vergeudete Liebesmüh", sagt Echings Bürgermeister Sebastian Thaler mit einem Schulterzucken. Während sein Vorgänger Josef Riemensberger nach dem Fiasko mit der an die Wand gefahrenen Thermenplanung seine restliche Amtszeit mit Rückzugsgefechten um die Zukunft des Sees hatte verstreichen lassen, hat Nachfolger Thaler aus der verfahrenen Situation die Konsequenzen gezogen und alle denkbaren Aktivitäten eingestellt. Eine Erschließung für die Nordwestecke scheint nicht genehmigungsfähig, eine kommerzielle Nutzung lässt Grundeigentümer Unterschleißheim nicht zu - also was soll's?

Einzig offene Frage ist jetzt offenkundig noch, ob auch dieses Uferstück dem Erholungsflächenverein übertragen wird. Aber das ist nur eine formale Entscheidung, dabei steht wenig mehr im Feuer als die Kosten für die Errichtung eines weiteren WCs. Die großen Visionen aus dem Plangutachten, das Riemensberger angestoßen hatte, von der Brücke über den See bis zur Radfahrerbrücke zum Mallertshofener Holz, will Thaler jedenfalls nicht anrühren: "Das wären wohl unverhältnismäßige Investitionen."

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25 000 Kubikmeter Wasser auf zwei Hektar

Aktuell ist das Rathaus bei den Behörden vorstellig geworden, um die mögliche Ansiedlung des Surfparks südlich des Sees abzuklopfen. In Ufernähe will ein spanisches Unternehmen auf zwei Hektar ein künstliches Becken mit 25 000 Kubikmeter Wasser anlegen, wo dann auf künstlichen Wogen kommerzielles Wellenreiten angeboten werden könnte. Nach erst zwei Anlagen dieses Typs weltweit soll ein dritter Wellenpark 2022 in Stade eröffnen. Am Hollerner See muss jetzt die bürokratische Frage geklärt werden, ob ein derartiger Surfpark baurechtlich als Freizeiteinrichtung zu gelten hat oder als gewerbliche Anlage. Das ist entscheidende Vorbedingung: Sollte dem Projekt ein rein gewerblicher Charakter zugesprochen werden, dürfte es ohne Bindung an eine bestehende Siedlungsstruktur auf der - hier wörtlich - grünen Wiese nicht errichtet werden und wäre damit nicht realisierbar.

Als Freizeiteinrichtung hingegen könnte es das planungsrechtliche Placet bekommen - dann wäre als nächste Hürde zu klären, ob und wie das Wasser aus dem Becken nachbehandelt werden müsste und wie es somit ausgeleitet werden könnte. Für eine Ansiedlung den Beckenbereich aus dem Landschaftsschutzgebiet auszuklammern und dafür etwa eine gleich große Fläche am Nordwestufer wieder unter Schutz zu stellen, das wäre laut Bürgermeister Thaler ein Deal, den das Landratsamt begrüßen würde.

Außer dem Surfpark hat das Rathaus am See nur noch im Visier, den Parkplatz am Südufer zu vergrößern. Im Megasommer 2018 soll der an seine Auslastungsgrenzen gestoßen sein, obwohl bisher weniger als ein Drittel der Badefläche zur Verfügung steht. Die planerisch schon vorgesehene Erweiterung würde sich nach Osten erstrecken, dort, wo früher auch mal ein Caravanstellplatz vorgesehen war. Auch eine Idee für den Hollerner See, die nie umgesetzt werden wird