Studium der Landwirtschaft Keiner bleibt ohne Job

Ein Landwirtschaftsstudium bietet beste Zukunftsaussichten. Während das Fach an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gleichbleibend begehrt ist, geht die Zahl der Studierenden an der TU München zurück

Von Katharina Aurich, Freising

Das Image der Landwirtschaft in der modernen Gesellschaft leidet, die Kritik an der konventionellen Tierhaltung sowie am Chemieeinsatz und der Überdüngung auf den Äckern wächst. Dennoch bleibt die Anzahl der Erstsemester, die an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) mit dem Landwirtschaftsstudium beginnen, seit Jahren gleich. 290 sind es jetzt zum Wintersemester, vor vier Jahren waren es 300. Auch die Zahl der Absolventen bleibt mit alljährlich rund 200 konstant. Anders sieht es jedoch im Studiengang Agrar- und Gartenbauwissenschaften der TU München in Weihenstephan aus. Innerhalb von drei Jahren halbierte sich hier die Erstsemesterzahl von gut hundert auf jetzt ungefähr 50, die zum Wintersemester beginnen.

Studienberaterin Susanne Papaja von der TU versteht nicht, warum das Interesse an den Agrarwissenschaften zurück geht, denn die Studenten "werden uns aus dem Hörsaal gerissen". Die Jobaussichten für Uniabsolventen seien sehr gut, so gut wie noch nie, sagt die Agraringenieurin. Etwa ein Drittel der Studierenden habe bereits vor dem Studienabschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Die Liste der Jobangebote, die auf der Homepage des Studiengangs veröffentlicht wird, ist tatsächlich sehr lang. Nur vereinzelte Absolventen würden später einmal einen Hof übernehmen, weiß die Studienberaterin.

88000 Höfe

So viele landwirtschaftliche Betriebe gibt es derzeit in Deutschland. Sie alle brauchen irgendwann einen gut qualifizierten Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Fast die Hälfte aller Landwirtschaftsstudenten an der HSWT planen, irgendwann einmal einen Hof zu übernehmen. Mit dem FH-Bachelor in der Tasche öffne sich aber auch den anderen Absolventen ein sehr breites Berufsfeld.

Im Studium werde neben Grundlagenfächern wie Tier- und Pflanzenproduktion sowie Betriebswirtschaft eine Vielzahl von Spezialisierungen angeboten. Dazu komme, dass vernetztes Denken und wissenschaftliches Arbeiten gelehrt würden. Diese umfassende Ausbildung sei in der Technikindustrie, in Ministerien und in der Forschung gefragt, schildert Papaja. Neuerdings werde außerdem der Masterstudiengang "Agrarsystemwissenschaften" an der TU angeboten, der das fächerübergreifende Denken noch stärker fördere. Als Motivation der jungen Leute für dieses Studium vermutet die Studienberaterin vor allem die Herausforderungen, vor denen die Nahrungsmittelproduktion stehe, - die Umweltbelastungen, der Tierschutz und der Klimawandel. "Sie wollen es besser machen als bisher", sagt sie.

Die Landwirtschaftsstudenten an der HSWT hätten alle vorher schon etwas mit Landwirtschaft zu tun gehabt und wüssten, worauf sie sich einließen, berichtet Studiendekan Professor Martin Spreidler. 40 bis 50 Prozent von ihnen planten, später einmal einen Hof zu übernehmen. Doch auch ansonsten bleibe keiner der Absolventen, der ein bisschen mobil sei, ohne Job, berichtet Spreidler. Die Agraringenieure übernähmen nicht nur Höfe, sondern arbeiteten zum Beispiel bei Steuerberatern, bei Landmaschinenherstellern, in der staatlichen Beratung, im Futtermittelhandel, in Verbänden oder auch im Bereich Agrarjournalismus. Immer wieder würden ehemalige Hochschulabsolventen auch Start-ups im Bereich Digitalisierung in der Landwirtschaft gründen oder sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entscheiden. Manche blieben auch an der Hochschule oder wechselten zur Universität und machten ihren Master, weiß Spreidler.

Das Image der Landwirtschaft leidet, genug Erstsemester gibt es in dem Fach dennoch.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das breit angelegte Landwirtschaftsstudium, in dem sehr viele Themenfelder abgedeckt würden, sowie das Praxissemester eröffneten den Absolventen diese Chancen. Dazu komme seit einem Jahr die Studienrichtung "Ökologischer Landbau", die sehr stark nachgefragt werde. Gerade im Münchner Raum warteten zahlreiche Jobs bei Ökoverbänden oder im Ökohandel. Und noch etwas Positives berichtet Spreidler: der Anteil der Frauen, die Landwirtschaft studierten, nehme kontinuierlich zu. Vor 30 Jahren, als er selbst begonnen habe, hätte es nur "drei oder vier Mädels" gegeben, das Landwirtschaftsstudium sei ein reine Männerdomäne gewesen. Heute sind ungefähr die Hälfte der Studierenden an der HSWT im Fach Landwirtschaft Frauen, unter ihnen auch viele, die später einmal einen Hof übernehmen würden.

Johannes Amonds

Johannes Amonds studiert an der TU im dritten Semester Agrarwissenschaften. Der 21-Jährige stammt aus einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Eichstätt, den seine Eltern, die beide an der Fachhochschule Weihenstephan Landwirtschaft studiert haben, seit 20 Jahren biologisch bewirtschaften. Es sei ein Bilderbuchbetrieb, aber ob er ihn übernehmen wird, weiß Amonds noch nicht. Einerseits reize ihn die Landwirtschaft, es mache ihm Freude und am Wochenende helfe er regelmäßig zu Hause mit. Amonds Mutter arbeitet auch als Umweltreferentin, und das ist der zweite Bereich, den sich der junge Mann als Berufsfeld vorstellt. Ihn interessierten die gesellschaftlichen Themen brennend, sagt Amonds. Er wolle die Welt ein kleines bisschen besser und den Wert der Nahrungsmittel bewusster machen. Denn viel zu viele Menschen "wollen ein tolles Auto vor der Tür, kaufen aber im Discounter ein," kritisiert er.

Magdalena Zintl

Magdalena Zintl hat jetzt im ersten Semester begonnen, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landwirtschaft zu studieren. Die 22-Jährige wuchs im Bayerischen Wald auf, machte eine landwirtschaftliche Lehre und arbeitete diesen Sommer auf einer Alm. Sie fasziniere die Vielfalt des Berufs Landwirt, denn man sei ja Techniker, Melker, Tierarzt, Traktorfahrer und Betriebswirt in einem. Für das Studium habe sie sich entschieden, um sich nach der Lehre weiterzubilden, und weil ein Bachelorabschluss höherwertig als der Meister sei, beschreibt die junge Frau. Für ein Studium sprächen auch die vielfältigen Stellenangebote. Zintl möchte später an der Landesanstalt, beim Landeskontrollverband oder auf einem Staatsgut arbeiten. Dort würden meist Bacholerabsolventen eingestellt, berichtet die junge Frau. Die Landwirtschaft habe in Deutschland eine gute Zukunft, "wir brauchen Nahrungsmittel und können nicht alles importieren", betont sie. Nicht nur die guten Berufsaussichten überzeugten sie, sondern sie fühle sich der Erde und den Tieren verbunden, beschreibt Zintl ihre Beweggründe, Landwirtschaft zu studieren.

Anna Böhm

Für die 21-jährige Anna Böhm aus Pfaffenhofen, die jetzt im dritten Semester an der TU Agrarwissenschaften studiert, ist es vor allem die Vielfalt dieses naturwissenschaftlichen Studiums, die ihr gefällt. Sie möchte später im Bereich Agrarökologie oder Umweltschutz arbeiten. Nachdem sie jetzt in den ersten beiden Semestern die Grundlagen erlernte, werde sich sich vermutlich im Bereich ökologische Pflanzenproduktion spezialisieren, berichtet die angehende Agraringenieurin.