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Studieren in Weihenstephan:Behelfsmensa im Lindenkeller

Seit 60 Jahren gibt es in Freising das Studentenwerk München. Beim Essen musste anfangs improvisiert werden

Bezahlbare Unterkünfte und günstiges Essen - für Studenten ist das nicht erst in Zeiten explodierender Mieten ein zentrales Thema. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Not besonders groß. Vor 100 Jahren, am 30. März 1920, gründete Fritz Beck deshalb den Verein "Studentenhaus München", aus dem das Studentenwerk München hervor ging. In Freising reicht dessen Geschichte nicht ganz so weit zurück. Hier sind es immerhin fast 60 Jahre. Das erste Wohnheim an der Vöttinger Straße konnte 1961 eingeweiht werden.

Inzwischen gibt es 956 Plätze in Freising, künftig kommen noch einmal 119 dazu.

Anfangs mussten die Verantwortlichen am Campus improvisieren, vor allem was das Essensangebot anging. Im November 1976 nahm in Zusammenarbeit mit der Staatsbrauerei Weihenstephan und dem zuständigen Pächter im großen Saal des Lindenkellers eine Behelfsmensa den Betrieb auf, das Essen kam zunächst aus München, von 1978 an aus Garching. Das Angebot schlug sofort ein. Bereits in den ersten beiden Monaten wurden insgesamt 16 195 Essen ausgegeben - sehr viel mehr als erwartet, wie das Studentenwerk auflistet. Zudem wurde wegen der schlechten Versorgungssituation der Erfrischungsraum im alten Akademiegebäude um den daneben liegenden Hörsaal erweitert. Auch dort half die Staatsbrauerei, sie stellte das Inventar zur Verfügung.

Das erste Wohnheim für Studierende in Freising ist an der Vöttinger Straße entstanden.

(Foto: Marco Einfeldt)

1979 spitzte sich die Lage zu. Wegen Schwierigkeiten mit dem Pächter des Lindenkellers musste die Essensausgabe von August bis Oktober ganz eingestellt werden. Eine Lösung war jedoch in Sicht: Am Campus entstand eine Mensa, 1980 konnte sie eröffnet werden. Von 5. November 1979 an gab es bereits eine provisorische Essensausgabe in dem Gebäude. Mittlerweile ist die Mensa in die Jahre gekommen. Im Studentenwerk hofft man, dass die seit Jahren geplante Sanierung und Modernisierung bald beginnen wird. Die Geräte sind reparaturanfällig, die Ausgabe nicht mehr zeitgemäß.

Auch die Zahl der Unterkünfte ist im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut worden. 1979 war das zweite Wohnheim an der Giggenhauser Straße bezugsfertig. Die dritte Anlage an der Langen Point für etwa 400 Studierende kam 1986 dazu, neun Jahre später die vierte mit 236 Plätzen wiederum an der Giggenhauser Straße. Dort steht derzeit auch das neueste Haus des Studentenwerks mit weiteren Appartements für 119 junge Leute über dem bestehenden Parkplatz kurz vor der Fertigstellung. Zum Wintersemester kann es voraussichtlich bezogen werden. Das alte Gebäude von 1979 wird anschließend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich im Frühjahr 2021, zwei Jahre später soll alles fertig sein.

Ein neues wird derzeit an der Giggenhauser Straße gebaut.

(Foto: Marco Einfeldt)

Darüber hinaus betreibt das Studentenwerk in Weihenstephan mehrere Kinderkrippen, die erste wurde 1991 eröffnet, 2008 kamen die "Krabbelstube" und die "Kindervilla Freising" dazu. Seit 2008 gibt es eine Anlaufstelle für internationale Studierende, auch Zweigstellen der allgemeinen Beratung und der Rechtsberatung entstanden in Weihenstephan. Seit 2013 haben allgemeine und soziale Beratung dort eine feste Außenstelle.

© SZ vom 07.04.2020

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