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Studenten entwickeln Vision einer neuen Ortsmitte:Lebendige Mitte

Vor allem die Glonn spielt eine herausragende Rolle bei der Verschönerung des Allershausener Ortsbilds

Für viele Autofahrer ist Allershausen einfach eine Wegmarke kurz vor der Autobahn - man muss dort halt durch. Dass die Anschlussstelle der A 9 wenige Meter vor der Haustür liegt, hat Vorteile. Die Unternehmen im Gewerbegebiet schätzen die gute Anbindung. Die Ortschaft selbst aber leidet unter dem starken Durchgangsverkehr Richtung Freising und Flughafen. Bis zu 18 000 Autos und Lastwagen rollen täglich durch Allershausen. Eine Neugestaltung des Ortskerns ist deshalb eine Herausforderung. Dennoch soll sich bis 2014, wenn der Ort sein 1200-jähriges Bestehen feiert, einiges tun - denn Allershausen will schöner werden. Dazu beitragen könnten Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - sofern einige Vorschläge von Elena Lischka und Christiane Kolb umgesetzt werden. Die beiden gewannen mit ihren Bachelor-Arbeiten einen Ideenwettbewerb der Gemeinde.

Vor allem in den Wohnsiedlungen mache der Ort einen "harmonischen und gepflegten Eindruck", findet Lischka. Als Durchreisender nehme man dagegen die Qualitäten und das Potential Allershausens "abseits der Münchner Straße wenig wahr", der eigentliche historische Ortskern an der Ampertalstraße habe sich immer mehr zurückentwickelt. Heutzutage befinden sich die meisten Dienstleister und Geschäfte entlang der Hauptverkehrsader der "Durchgangsortschaft". Lischkas Vorschlag: An der Ecke Münchner-/Ampertalstraße, dort wo das moderne und das historische Band zusammentreffen, sollte ein neuer Dorfplatz mit Bürgerhaus entstehen, um eine "Anlaufstelle mit eigener Identität für Bürger und Auswärtige zu schaffen".

Auch die Glonn, die sich parallel zur Hauptstraße unauffällig durch die Ortschaft zieht, sollte aufgewertet, ihr Freizeitwert genutzt werden, empfehlen die beiden Studentinnen. Lischka schlägt vor, den Flusslauf im Bereich der Maibaumwiese naturnah umzugestalten, beispielsweise durch zwei Mittelinseln wie sie früher bereits existiert haben. Auch könnte die Glonn verbreitert werden. Weiterer zentraler Punkt in Lischkas Konzept ist, das Ufer zugänglich machen. Die Maibaumwiese selbst würde sie mit Sitzstufen und Pflanzbereichen neu gestalten. Auch Festplatz und Schulwiese sollten zu prägenden und miteinander vernetzten Freiräumen werden. Christiane Kolb hält fest, dass die Glonn bisher lediglich durch "kleine versteckte Trampelpfade" zugänglich ist.

Ein großes Manko ist in ihren Augen das fehlende Ortszentrum. "Es gibt keinen zentralen Treffpunkt für Jung und Alt", keinen "lebendigen Ort der Begegnung". Eine solche Örtlichkeit zu schaffen, müsse vordringlichstes Ziel sein. Ihr Leitbild ist deshalb überschrieben mit: "Mitte Leben". Die Münchner Straße hat für sie das Potential, sich zum Zentrum zu entwickeln. Ihre Idee: Durch Auslagerung der Feuerwehr könnte das Gebäude am Johannes-Boos-Platz als Gemeinschaftshaus genutzt werden.

Die Maibaumwiese möchte Christiane Kolb ebenso wie Elena Lischka zur "Visitenkarte" Allershausens entwickeln. Hier hat Kolb Großes vor: Ihr Entwurf sieht vor, das Ufer in zwei Bögen kurvig zu führen, "um die Glonn in ihren unterschiedlichsten Facetten zu präsentieren". Am nördlichen Ufer regt sie eine bis zu drei Meter hohe Betonwand an, die so wirke, als ob "sie als Prallwand des Flusses natürlich entstanden" wäre. Die Oberflächen sollen mit der Zeit Flechten und Moose besiedeln. Am gegenüberliegenden Ufer an der Maibaumwiese sieht Kolb geschwungene Sitzstufen vor. Engen Stellen im Bach folgen breite, flache, die zum Waten einladen. Drei Stichwege sollen die Glonn erschließen. Kopfweiden könnten das Flussufer prägen und der Maibaumwiese mit ihrer bizarren Form neuen Charme verleihen. Der Haken an den Plänen der Studentinnen: Ihre Konzepte berücksichtigen bereits den Bau der Südumfahrung, also die Befreiung der Ortschaft vom Durchgangsverkehr. So schlägt Elena Lischka einen Geh- und Radweg an der Münchner Straße vor, mit einer Baumallee bis zur Maibaumwiese. Christiane Kolb regt im Ortskern eine verkehrsberuhigte Zone an, Sitzgelegenheiten - lange, breite "Holzkisten" - sollen zum Verweilen einladen. Auch sie würde die ansatzweise bestehende Allee ergänzen.

Im Ausbauplan der Staatsstraßen ist die Südumfahrung aber zurückgestuft worden, was die Dringlichkeit angeht. Vor 2025 ist mit dem Bau nicht zu rechnen, Bürgermeister Rupert Popp (PFW) spricht sogar vom "Sankt-Nimmerleins-Tag". Bleibt die Hauptstraße so breit, wie sie jetzt ist, wird es auch für das von Lischka vorgeschlagene Bürgerhaus eng, wie sie einräumt. Auf ein idyllisches Ortszentrum mit wenig Autoverkehr müssen die Allershausener also vermutlich noch lange warten. Einige Ideen aber wird die Gemeinde vermutlich umsetzen, beispielsweise die Neugestaltung der Glonn oder der Maibaumwiese. Mit dem Vorschlägen wird sich der Gemeinderat Anfang des Jahres befassen und voraussichtlich einen Landschaftsarchitekten beauftragen - damit sich Allershausen für das Jubiläum etwas zurechtmachen kann.