Streiks geplant Gebäudereiniger kämpfen um Weihnachtsgeld

Der Job ist hart, doch Gebäudereiniger werden meist schlecht bezahlt. Nun kämpfen sie darum, Weihnachtsgeld zu bekommen.

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In der Branche klagt die Gewerkschaft über eine Preisspirale nach unten. Vorbildlich verhält sich das Landratsamt, dort gibt es eine Sonderzahlung.

Von Alexandra Vettori, Freising

Sie kommen meist in der Dunkelheit, putzen Büros, Krankenhäuser, Schulen, und sind wieder weg, wenn dort am Morgen der Betrieb startet. Das ist einer der Gründe, warum Reinigungspersonal selten Aufmerksamkeit genießt, ein anderer ist, dass es sich meist um Menschen mit Migrationshintergrund und oft nur geringen Deutschkenntnissen handelt. Das macht es ihnen schwer, ihre Bedürfnisse zu artikulieren. Gut möglich aber, dass die Putzkolonnen in dieser Woche stärker ins Bewusstsein rücken, denn es stehen Streiks bevor. Die Reinigungskräfte fordern Weihnachtsgeld, der Bundes-Innungsverband der Gebäudereiniger aber bleibt hart.

Rund 1400 betroffene Personen gebe es im Landkreis Freising, sagt Heike Stoffels vom Bezirksverband Oberbayern der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Die organisierte vorige Woche bereits Warnstreiks, unter anderem am Flughafen München. Die Putzkolonnen der Nachtschicht legten die Arbeit nieder, "die Fluggäste haben davon aber nichts gemerkt, denn bis die kamen, war schon die Frühschicht am Werk", wie Flughafensprecher Robert Wilhelm sagt. Heike Stoffels denkt, dass das bald anders werden wird, denn: "Wir bereiten uns auf einen Arbeitskampf vor", so ihre Warnung.

Mindestlöhne werden oft unterlaufen

Dass die Arbeitgeber so rigide agieren und den ohnehin nicht üppig bezahlten Kräften kein Weihnachtsgeld gewähren, überrascht sie nicht, die Personalkosten sind die Drehschraube schlechthin in der Reinigungsbranche: "Was wir wissen, ist, dass eine starke Leistungsverdichtung stattfindet. Jedes Mal, wenn wir eine Lohnerhöhung erkämpfen, wird die Zeit gekürzt." So kämen die vielen 450-Euro-Kräfte regelmäßig über ihre Grenzen und würden die Mindestlöhne unterlaufen. "Die arbeiten dann eine viertel oder halbe Stunde länger, was den Beschäftigten oft gar nicht bewusst ist", weiß Stoffels. Tatsächlich ist das Putzgewerbe ein hartes Pflaster. In der Regel werden Verträge zwischen Auftraggebern und Firmen maximal für fünf Jahre geschlossen, dann wird neu ausgeschrieben und eine günstigeres Angebot gesucht. "Wir haben ständig eine Preisspirale nach unten", beklagt Stoffels. Das alles gehe rein auf Kosten der Beschäftigten: "Wir haben bei den Firmen eine Umsatzsteigerung von 3,1 Prozent, für 2019 sind 4,1 Prozent anvisiert."

Ob die 350 Reinigungskräfte, die den Münchner Flughafen spiegelblank halten, Weihnachtsgeld bekommen, spielt für den Betreiber, die Flughafen-Gesellschaft, keine große Rolle. "Für uns als Auftraggeber ist es wichtig, dass die Verträge mit den Auftragnehmern die gesetzlichen Vorgaben vollumfänglich erfüllen. Die weitere Vertragsgestaltung ist dann Sache der Tarifparteien", heißt es auf Nachfrage. Man weist aber darauf hin, dass die Bezahlung für die Kräfte am Flughafen "deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn" liegt.

Auch Fremdfirmen müssen zahlen

Einen Schritt weiter ist man im Freisinger Landratsamt. Dort beschäftigt man 90 Putzkräfte, die entsprechend dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst entlohnt werden. Der sieht eine Sonderzahlung (ehemals Weihnachtsgeld) im Dezember vor. Diverse Arbeiten würden aber an Fremdfirmen vergeben, da achte man darauf, "dass entsprechende Leistungen für die Beschäftigten" berücksichtigt seien. Nicht ganz so vorbildlich verhält sich die Stadt Freising. Dort putzen aktuell 39 eigene Reinigungskräfte, die andere Hälfte der Arbeiten wird vergeben. Eigene Mitarbeiter würden nach Tarif bezahlt und erhielten eine Jahressonderzahlung von etwa 80 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens, heißt es aus dem Rathaus.

Die Arbeiten der Fremdfirmen werden alle vier Jahre neu ausgeschrieben, Ausschlusskriterium ist aber nicht fehlendes Weihnachtsgeld, sondern eine Bezahlung unter Tarif.