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Stichwahl zum Landrat:Eine denkwürdige Wahl

Jetzt Petz. Das Wahlplakat sagt die Wahrheit. Der Kandidat der Freien Wähler ist neuer Freisinger Landrat.

(Foto: Marco Einfeldt)

59,7 Prozent der Wählenden entscheiden sich für den Bundesverwaltungsrichter, der damit das Landratsamt für die Freien Wähler von der CSU zurückerobert. Konkurrent Manuel Mück ist enttäuscht, aber kämpferisch.

Der neue Landrat im Landkreis Freising steht fest: Helmut Petz von den Freien Wählern hat sich mit 59,7 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber Manuel Mück von der CSU durchgesetzt. Das Ergebnis fällt in dieser Höhe überraschend aus. Beim ersten Urnengang vor zwei Wochen waren beide Kandidaten nur durch wenige Prozentpunkte getrennt gewesen. Mitentscheidend für die Niederlage von Mück war zum einen sein schlechtes Abschneiden in Freising. Zum anderen scheint die Treue der Wähler im nördlichen und nordwestlichen Landkreis zur CSU nicht mehr ganz so stark zu sein wie in den vergangenen Jahren. Viele gaben Petz den Vorzug vor Mück. Die Wahlbeteiligung lag mit 50,9 Prozent deutlich unter den 58,3 im ersten Wahlgang.

Es war eine denkwürdige Wahl, die zweierlei Vorzeichen hatte. Es war ein Urnengang, der mitten in eine Pandemie fiel. Darum konnten sich die Bürgerinnen und Bürger den Gang zu ihren Stimmlokalen ersparen. Sie brauchten nur die Briefwahlunterlagen auszufüllen und an ihre Rathäuser zurückzuschicken. Dass gerade mal knapp fünfzig Prozent der Wählerinnen und Wähler davon Gebrauch gemacht haben, überrascht ein wenig. Anderseits sorgen sich die Menschen derzeit mehr um ihre Gesundheit, wann sie sich wieder frei bewegen dürfen und wie sich die Folgen der Pandemie auf ihr künftiges Leben auswirken. Die Corona-Krise hat die Landratswahlen in den Hintergrund gerückt.

"Die Leute haben anderes im Kopf"

So sieht es auch Petz, der Sieger des Sonntagabends. "Die Leute haben anderes im Kopf", gibt er trotz aller Freude über seinen Wahlsieg zu. Dass dieser eintreten würde, daran hegte Petz in den vergangenen Tagen leichte Zweifel. Da gab es Unwägbarkeiten, wie eben die Pandemie und die ausschließliche Briefwahl. Zu alldem habe es keine Vorbilder gegeben, sagte Petz. Schwer einzuschätzen waren die Auswirkungen des derzeit guten Standings der CSU. Durch das forsche Auftreten von Ministerpräsident Markus Söder in der Corona-Krise befindet sich diese im Aufwind.

Petz selbst hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnete. Um ein Haar sei er vor zwei Wochen fast aus dem Rennen gewesen, erinnert er. Ein paar Prozentpunkte hin oder her, dann wäre Robert Wäger von den Grünen an ihm vorbeigezogen. Mück hatte mit 26,1 Prozent am besten abgeschnitten. Petz kam auf 22,9 Prozent. Um so überraschter war er, dass das Ergebnis so deutlich ausgefallen ist.

Gefeiert hat der künftige Landrat seinen Wahlsieg in einem Bürogebäude, ganz gemäß der Vorschriften des Social Distancing. In einem Zimmer saß er mit seiner Familie, in einem anderen verfolgte Landtagsabgeordneter Benno Zierer das Geschehen. Als der Sieg feststand, habe man über den trennenden Gang hinweg gefeiert, sagte Petz. Er ist überzeugt, dass seine berufliche Erfahrung am Ende ausschlaggebend war. Mit diesem hat er den Landratstitel von der CSU für die Freien Wähler zurückerobert. Stressig werde es anfangs werden, solange die Corona-Krise andauere. "Doch ich bin Stress gewohnt", beteuert Petz, der den Bürgerinnen und Bürgern so schnell wie möglich etwas Normalität zurückgeben möchte.

Mück will in sechs Jahren wieder antreten

Mück ist zwar über sein Abschneiden enttäuscht, gibt sich aber kämpferisch. "Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken", versichert er. Sein Ergebnis gebe Anlass zu Perspektiven. Er habe Ambitionen, es in sechs Jahren wieder zu versuchen. Traditionell erzielte die CSU, diesmal in Gestalt von Mück, in Freising wieder ein schlechtes Ergebnis. Ein großes Manko. Dazu kam, dass er als Kandidat im Norden und Nordosten des Landkreises nicht so viele Stimmen geholt hat, wie dies die Christdemokraten gewohnt sind. Ein schlechtes Abschneiden in Freising, das kennt die CSU. "Doch wenn dir auch noch der ganze Norden wegbricht, dann bist du als Kandidat chancenlos."

Unterm Strich bereue er es nicht, dass er sich im Sommer kurzfristig dazu entschlossen habe, als Kandidat der CSU für das Amt des Landrats zu kandidieren. Den Wahlabend selbst hat Mück zu Hause über die sozialen Medien mitverfolgt. Er habe Freunde zu einer Facebookschaltung eingeladen, verriet er.

© SZ vom 30.03.2020/nta

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Von SZ-Autoren

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