Mit der Einstellung des Ermittlungsverfahrens um seinen privaten Wohnungskauf sieht Echings Bürgermeister Sebastian Thaler die Angelegenheit als erledigt an. In einer ersten Stellungnahme seit Beginn zweiter staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen ihn spricht er von "politischen Hetzkampagnen". Zu Fragen beim Wohnungskauf jenseits der strafrechtlich relevanten Geschehnisse will er sich weiter nicht äußern.
Thaler und seine Frau Marlen hatten Anfang 2020 von einem damals 91-jährigen Echinger eine 98 Quadratmeter große Wohnung gekauft für 300 000 Euro, also weit unter dem damaligen Marktpreis. Aufgrund einer Anzeige aus Eching ermittelte die Staatsanwaltschaft Landshut wegen möglichen Wuchers gegen das Ehepaar Thaler. Nach offenbar intensiven Zeugenvernehmungen wurden diese Ermittlungen nun eingestellt, das Verfahren damit geschlossen. Der Nachweis einer strafbaren Handlung habe "nicht mit der erforderlichen Sicherheit" geführt werden können, so die Staatsanwaltschaft.
Während der Ermittlungen hatte Thaler zu allen Fragen dazu geschwiegen. "Es ist sehr belastend und gleichzeitig nicht nachvollziehbar, dass die Aufarbeitung eines solchen Vorwurfs im Zusammenhang mit einem notariell beurkundeten Kaufvertrag mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nimmt", sagt er nun. Da die Anzeige "aus dem politischen Milieu" gestellt worden sei, lasse das "eine klare Motivation erkennen".
Jenseits der strafrechtlichen Frage, die nach dem zwischenzeitlichen Tod des Verkäufers wohl nicht mehr zu klären sein wird, werden in der öffentlichen Debatte in Eching aber auch Umstände am Rande des Kaufs in Frage gestellt. So wurde der Verkauf bei einem Notar in Neuburg beurkundet. Im Kaufvertrag ist ein expliziter Sperrvermerk, das Geschäft erst Ende März 2020 zu veröffentlichen. Mitte März 2020 waren Kommunalwahlen, bei denen Thaler zur Wahl stand.
Pikant ist auch der Kaufpreis weit unter Marktwert. Der Verkäufer hat in seinem Testament dann sein gesamtes Vermögen der Gemeinde Eching vermacht. In seiner Stellungnahme schreibt Thaler zu den Umständen lediglich, dass seine Ehefrau und er "mit dem Verkäufer seit Jahren gut bekannt waren und eine vertraute Beziehung pflegten". Diese "vertraute persönliche Beziehung" sei so weit gegangen, dass der "ehrenwerte Herr L." nach dem Kauf der Wohnung Thaler "eine Kopie seines Testaments anvertraut" habe, in dem verfügt gewesen sei, dass die Gemeinde sein Erbe erhalten solle.
Zu weiteren Sachverhalten äußere er sich nicht, sagte der Bürgermeister, da diese "nichts mit dem Vorwurf des Wuchers zu tun haben". Die Staatsanwaltschaft habe "alle möglichen Unregelmäßigkeiten untersucht und absolut keinen Anhaltspunkt für einen Gesetzesverstoß gesehen, sonst hätte sie Anklage erhoben". Es sei wohl "kein Immobiliengeschäft der letzten Jahre in unserer Region so ausführlich juristisch geprüft" worden. Das solle "nun wirklich genügen".
Im Laufe der Ermittlungen habe er auf Anraten seines Anwalts geschwiegen. Und "Spekulationen und Gerüchte in Presse und Leserbriefen kommentiere ich generell nicht, sondern investiere meine Energie in die Entwicklung unserer Gemeinde", schrieb er in seiner Stellungnahme.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin im Zusammenhang mit Verfahrenskosten um eine Auseinandersetzung des Bürgermeisters am Echinger See wegen Untreue gegen Thaler. In seiner Stellungnahme zur Einstellung des anderen Verfahrens merkt Thaler auch an, "dass ich außer meinem Gehalt und der Erstattung von Auslagen wie Reisekosten von der Gemeinde Eching noch nie eine finanzielle Leistung erhalten habe".
Er vertraue "den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde, dass Sie sich eine objektive Meinung der Vorgänge bilden und sich nicht von politischen Hetzkampagnen verunsichern lassen". Seine Arbeit möge "nicht auf Basis von Gerüchten und Spekulationen" bewertet werden.